„Die Maßnahme“ oder: Niemand weiß nichts Genaues
„Prüfen Sie, ob Ihr Fahrzeug betroffen ist“, fordert mich Volkswagen auf einer eigens eingerichteten Web-Seite auf. Da ich einen Golf VI mit Dieselmotor fahre, nehme ich dieses Angebot an und gebe meine Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) ein. Was soll ich sagen? Mein Auto wurde bei der Ziehung berücksichtigt:
„Lieber Volkswagen Kunde,
wir müssen Sie leider informieren, dass der in Ihrem Fahrzeug mit der Fahrgestellnummer [xxx] eingebaute Dieselmotor vom Typ EA189 von einer Software betroffen ist, die Stickoxidwerte (NOx) im Prüfstandlauf (NEFZ) optimiert. Wir versichern Ihnen jedoch, dass Ihr Fahrzeug technisch sicher und fahrbereit ist!
Wir bedauern zutiefst, dass wir Ihr Vertrauen enttäuscht haben und arbeiten mit Hochdruck an einer technischen Lösung. Volkswagen übernimmt selbstverständlich die Kosten für alle notwendigen Maßnahmen und setzt alles daran, Ihr Vertrauen vollständig wiederzugewinnen.
Ihr Volkswagen Partner wird schnellstmöglich auf Sie zukommen, um Sie über die notwendigen Maßnahmen zu informieren. Sollten Sie keinen Volkswagen Partnerkontakt haben, nutzen Sie bitte unsere Kontaktfunktion auf dieser Website.
Mit freundlichen Grüßen, Thomas Zahn
Leiter Vertrieb und Marketing Deutschland“
Da ich „keinen Volkswagen Partnerkontakt“ habe, nutze ich die Kontaktfunktion und bekomme eine kostenfrei anzurufende Hotline-Nummer angeboten. Es ist Feiertag, aber offenbar ist die Hotline rund um die Uhr besetzt. Nach ziemlich kurzer Zeit in der Musik-Warteschleife bekomme ich eine Mitarbeiterin an die Leitung. Hier der anschließende Dialog mit der sehr freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeiterin in verkürzter Wiedergabe:
Ich: „Guten Tag, mein Fahrzeug ist von der ‚Software-Optimierung‘ betroffen. Da ich mit meinem Auto nicht bei einer Vertragswerkstatt bin, möchte ich nun wissen, was ich tun soll.“
Mitarbeiterin: „Haben Sie Ihr Auto bei einem Vertragspartner gekauft?“
Ich: „Ja, aber das ist lange her und auch nicht in der Nähe meines Wohnortes.“
Mitarbeiterin: „Entscheidend ist, dass Ihr Wagen einmal bei einem Vertragshändler registriert wurde. Dann sollten Sie eigentlich irgendwann in den nächsten Wochen Post bekommen. Sie können sich aber auch direkt an einen Volkswagen-Partner in Ihrer Nähe wenden. Der wird Ihnen dann voraussichtlich einen Termin für die Maßnahme geben. Wir gehen davon aus, dass die Maßnahme ein bis zwei Stunden dauern wird.“
Ich: „Sie haben jetzt schon mehrfach von der ‚Maßnahme‘ gesprochen. Worum handelt es sich dabei denn genau?“
Mitarbeiterin: „Das können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Wir gehen davon aus, dass die Maßnahme in einem Software-Update besteht. Wir wissen aber zur Zeit noch nicht, ob es damit getan ist.“
Ich: „Das heißt, auch wenn ich mich zum gegenwärtigen Zeitpunkt an einen Vertragspartner wende, kann der momentan gar nichts tun?“
Mitarbeiterin: „Das ist richtig. Ich würde Ihnen vorschlagen, dass Sie mit Ihrem Partnerkontakt in Verbindung bleiben, bis mehr bekannt ist.“
Ich: „Dann kann ich aber auch abwarten, bis mehr bekannt ist, weil diese Verbindung ansonsten bis dahin gar nichts bringt, oder?“
Mitarbeiterin: „Das ist richtig. Melden Sie sich einfach bei der Vertragswerkstatt Ihres Vertrauens. Die können Ihnen dann sagen, woraus die Maßnahme besteht, sobald wir es selbst wissen. Bis dahin ist Ihr Fahrzeug sicher und fahrbereit.“