Tag 149 / Hungerrausch
Einen kleinen Rausch geb ich mir heute. Und ich vergebe mir meine Schuld, die mir andere zuweisen werden, weil sie es Selbstschädigung oder disfunktionales Verhalten nennen. "Volle Bauch nix gut studiere", hab ich doch schon seit Club Las Piranjas abgespeichert. Und dass Hunger Kreativität fördert, konnte ich jahrelang mittels teilnehmender Experimente in der Irgendwas-mit-Medien-Branche verifizieren. Möglichst nichts frühstücken und die Mittagspause herauszögern bis in die frühen Nachmittagsstunden. Bloß keine Pasta essen! Salat oder Wrap ist okay. Heute will ich mal vorankommen. Haushalt. Wäsche. Blog. Dies. Das. Ich habe keine Zeit zum Essen. Und schon gar nicht für Bettschwere und Leistungsabfall nach dem Verspeisen von Lebensmitteln. Im Psychopathologischen Befund meiner stationären Entgiftung vom letzten Jahr steht "Verweigerung der Nahrungsaufnahme bis 16 Uhr". Als Verweigerung würde ich das nicht bezeichnen. Es ist ja nicht so, dass jemand mit dem Löffel an meinen Mund klopft und ich dann den Kopf wegdrehe. Hungerrausch ist ein bisschen wie Alkoholrausch. Ich fühl mich heute gut dabei. Alles flutscht. Nur wenn ich anfange, Sternchen sehend mich an der Wand festzuhalten, muss ich den Rauschabbruch einleiten. Frühstücken um kurz vor 17 Uhr. Mache ich ja nicht jeden Tag. Die Sehnsucht nach den positiven Nebenwirkungen von Rauschzuständen bleibt eben auch in der Suchtmittelabstinenz.










