Ende der 90er
Nerd representation in der Lindenstraße: Philipp Sperling findet den richtigen Interrupt
Mein Carsten-Flöter-küßt-Robert-Engel-Moment in der Lindenstraße hat weit weniger Schlagzeilen gemacht: Philipp Sperling geht mit seiner Mutter Eva-Maria ins Kino, im Treppenhaus sagt sie, daß sie das schon lange nicht mehr gemacht haben. Ob es heute immer noch Unterbrechungen gebe, bei denen man Eis kaufen kann? Philipps Augen leuchten auf: »Unterbrechung? Unterbrechung! Interrupt!« Die Lösung für sein Hardwareproblem, es war wohl eine Soundkarte (oder Festplatte?), die sich nicht installieren ließ. Kinoabend gescheitert, Hardwareproblem gelöst.
Zugegeben, ein etwas konstruierter Dialog: Daß beim Installieren von Geräten Steckbrücken auf Leiterplatten von Hand umgesteckt werden müssen um IRQ-Nummer und DMA-Channel einzustellen, damit es zu keinen Konflikten mit anderer Hardware kommt, und daß diese Konfiguration dann auch noch softwareseitig korrekt angegeben werden muß, ist so selbstverständlich, daß es im echten Leben für diese Erkenntnis eher keine Heureka-Momente braucht. Dennoch erinnere ich mich auch noch mehr als 20 Jahre danach noch an die Szene im Treppenhaus der Lindenstraße Nr. 3: Das war das erste Mal, daß ich derartige Nerd-Probleme aus dem echten Leben selbstverständlich im Fernsehen sehe.
Was genau ein Interrupt macht, was IRQ von DMA unterscheidet, wußte ich damals auch nicht, heute braucht es dieses Wissen ohnehin nicht mehr: Sicher seit Beginn der Nullerjahre habe ich keine Hardware mehr über fisseliges Jumper-Stecken konfigurieren müssen.
(Googeln findet 2020 keine Belege für die Szene; dann kommt mir die Idee: Die Usenet-Gruppe de.rec.tv.lindenstrasse war damals doch sehr aktiv, und tatsächlich, »Interrupt« fördert in der Gruppe ein Ergebnis aus 2001 zutage. Ein Posting von mir.)
(Felix Neumann)











