seen from Yemen
seen from United States

seen from Poland
seen from China
seen from Netherlands
seen from United States
seen from China
seen from Russia
seen from China

seen from Russia

seen from United States

seen from United States

seen from Malaysia
seen from Türkiye

seen from United States
seen from China
seen from China
seen from China
seen from Iraq
seen from Malaysia
Jochen Schmidts „Zuckersand“: Es grönemeyert Kindermund tut Wahrheit kund, Kinder sind unsere Zukunft, Kinder an die Macht – die deutsche Sprache ist wahrlich voll von Floskeln über Kinder.
“Milyen hangosan tiktakolt az ingaóra, ez nappal fel sem tűnt. Mi történne, ha egyszer véletlenül egy ütemre tiktakolna a szívemmel? Vasárnap reggelenként hallottam, ahogy apám felhúzza a láncon lógó nehezéket, úgy hangzott, mintha az időt fűrészelné.”
11.8.2015
Uropower – Hier könnte ihr Text stehen
Der Urologe fragt, ob meine Blase schon "geschallt" wurde? Nicht, daß sie wieder nicht voll genug ist für die Harnstrahlmessung, wie beim letzten Mal! Bei dieser Messung uriniert man in einem Separée in ein Becken, in das ein Plastetrichter so montiert wurde, daß er als Sensor für den Druck wirkt. Am Automaten, dem man anschließend ein Kärtchen mit einem für etwaiges Miktionsfehlverhalten aufschlußreichen Diagramm entnimmt, steht: "Hier könnte ihr Text stehen." Ich habe ja schon oft im Leben gedacht: "Hier könnte mein Text stehen …", aber hier?
(Jochen Schmidt)
1968
Stöße von Fotokopien, warum?
"Versetzen wir uns doch einmal in eine Stadt der Zukunft, von der wir wissen, daß sie nicht irgendwo in der Welt liegt, sondern eine Stadt des Kommunismus ist. In der Zentralbibliothek lesen alle nur Stöße von Fotokopien, warum? Ein Beispiel: einige zehntausend Veröffentlichungen sind erschienen, die sich mit dem Problem der spanlosen Formung befassen. In jedem dieser Bücher kann auch etwas über den Werkstoff oder die Maschine stehen, worüber wir etwas wissen möchten. Eine ungeheure Arbeit wäre es, müßten wir alle Bücher daraufhin durchsehen. Diese Arbeit nehmen uns Roboter ab. Auf Lochkarten ist der Inhalt der Bücher markiert. Eine Sortiermaschine sondert die Karten aus, in der unser Werkstoff erwähnt wird. Aber damit ist die Leistung der Automatik noch nicht zu Ende. Sie löst automatisch in den entsprechenden Regalen, an den betreffenden Büchern ein Relais aus, die Bücher kippen auf eine Transportunterlage, wandern in eine Fotokammer, die markierten Seiten werden fotografiert, die Bücher gehen zurück, und die Abzüge entnehmen wir einem Kasten des Arbeitstisches im Lesesaal. Der ganze Vorgang hat nicht länger als zehn Minuten gedauert."
(Aus: Peter Klemm, Automaten, Forscher und Raketen, Der Kinderbuchverlag Berlin, 1968)
(Jochen Schmidt)
20.3.2014
Briefkasten, Briefkasten, Briefkasten, Briefkasten
Seit einigen Jahren muß man seine Briefumschläge nicht mehr anlecken zum Zukleben, man muß nur einen Papierstreifen abziehen und kann die Klebefalz (seltsames Bastelwort) aufdrücken. Briefe schreibe ich fast nur an Veranstalter, denen ich meine Fahrtkostenbelege schicken muß, und einmal im Jahr an die KSK, um meine Einkommensschätzung fürs nächste Jahr abzugeben. Das Problem ist, daß ich unter einem seltsamen, sehr selektiven Gedächtnisverlust leide, ich vergesse z.B. oft beim Duschen, ob ich mich schon eingeseift hatte und muß dann an mir riechen, um es rauszufinden, was aber nicht funktioniert. Und, wenn ich aus dem Haus gehe, vergesse ich, sobald ich unten bin, daß ich Briefe einwerfen wollte. Ich versuche es manchmal damit, im Kopf ununterbrochen “Briefkasten” zu murmeln, das klappt auch einigermaßen. Aber ich kann mir nicht gleichzeitig den Müll merken, der auch weg muß. Oft trage ich deshalb die Briefe tagelang in der Jackentasche mit mir rum, als wären es Liebesbriefe, bis sie ganz zerknittert sind, und die Veranstalter bekommen dann einen schlechten Eindruck von mir und laden mich nie wieder ein (einzige rationale Erklärung).
(Jochen Schmidt)
Sommer 1983
Ich möchte meine Kassetten mit Content füllen
Ich habe den Grundig-Rekorder meines Vaters erobert und möchte meine Kassetten mit Content füllen. Eine Quelle sind die Schallplatten aus der Kinderbibliothek. Es gibt die Ost-Bands, von denen man gar nichts haben will und kaum etwas kennt, und die AMIGA-Lizenzplatten von West-Bands, unter denen aber auch welche sind, von denen man nie gehört hat, weil sie schon länger als 5 Jahre existieren (manche tragen sogar Schlaghosen). Wenn man so etwas im Laden sieht, kauft man es auf Verdacht, aber bald stellt sich heraus, daß es auch im Westen schlechte Musik gibt ("Fleetwood Mac", "Barclay James Harvest", "Chicago". Phil Collins hat auch früher komische Musik gemacht, als er noch eine Band als Klotz am Bein hatte). Das Überspielen geht mit einem Diodenkabel, aber nur beim Plattenspieler im Wohnzimmer, das meistens durch meinen fernsehenden Vater besetzt ist. Ich würde gerne den Anfang von Lonnie Johnsons "Too Late to Cry" aus der "Blues Collection" lernen, aber es sind zuviele Töne, und ich bin zu unmusikalisch. Es soll Plattenspieler geben, bei denen man Sequenzen einstellen kann, die dann immer wiederholt werden, sehr praktisch, wenn man von einer Platte immer dieselben zehn Sekunden hören will. Ich versuche, das Solo zehnmal hintereinander aufzunehmen, und später komme ich darauf, es mit halb leeren Batterien langsamer abzuspielen, aber dadurch verändern sich auch die Tonhöhen, soweit ich das beurteilen kann. Ich werde kein Blueser und habe dadurch viel später Sex als der von Professor Borrmann in seiner Rubrik in der Jugendzeitschrift "Neues Leben" ("Professor Borrmann antwortet") angegebene Durchschnitt der DDR-Jugendlichen. Auch weil ich viel zu spät von dem Trick erfahre, zuhause das Etikett von AC/DCs "Highway to Hell" abzulösen und gegen das von Herbert Roths "Ich wandre ja so gerne den Rennsteig entlang" auszutauschen.
(Jochen Schmidt)
17.3.2014
Im Küchenschrank lagern 36 60-Watt-Birnen
Im Küchenschrank lagern 36 60-Watt-Birnen, die ich 2011 kurz vor dem Verbot gekauft habe. Wieviele hätte ich horten müssen, um mich einigermaßen sicher zu fühlen? Ungefähr einmal im Jahr knallt eine meiner Glühbirnen durch, ich könnte also noch ca. 30 Jahre mit dem Licht meiner Kindheit und Jugend versorgt sein, dann muß ich eine Lösung finden, wie ich ohne dieses Licht noch schreiben kann. Ich habe so ein abergläubisches Gefühl, daß es Glühbirnen schädigt, wenn man sie an- und ausschaltet, deshalb lasse ich sie meistens an. Als ich noch Kohleheizung hatte, freute ich mich, daß dadurch die Wohnung wärmer wurde, ohne daß ich mich mit Kohlenmonoxid vergiftete.
(Jochen Schmidt)