„As you approach Yosemite Valley, brace yourself for an overwhelming view…“ sagt unser Audioguide in Form der „Just Ahead“ App, während wir auf der Wawona Road in Richtung des Valleys unterwegs sind.
Tiefe Schluchten und hohe Berge haben wir ja gerade erst im Kings Canyon gesehen, da kann uns so schnell nichts mehr überwältigen, denken wir.
Und kurz darauf biegen wir um die Kurve und bekommen einen ersten Einblick in das Tal.
Yosemite ist anders. Anders als alles, was wir zuvor gesehen haben. Diese riesigen Granitformationen türmen sich vor einem auf, sehen so majestätisch und roh aus. Es ist wirklich ein überwältigender Anblick. Nicht umsonst ist dieser Park einer der berühmtesten.
Das führt allerdings auch dazu, dass er einer der vollsten ist.
Die Campingplätze sind auch unter der Woche im Oktober noch gefüllt und um allein zu sein muss man schon Wanderungen in die Wildnis unternehmen. Dies kann man hier sicher sehr gut. Wir allerdings begnügen uns damit, zwei Tage lang die Hauptsehenswürdigkeiten abzuklappern und uns am Anblick des Halfdomes, des Sentinel Domes und des El Capitan und der riesigen Wasserfälle zu erfreuen. Wanderungen und Einsamkeit hatten wir ja in den anderen Nationalparks schon…
Erst hören wir von der App, dass das Camp 4 am Fuße des El Capitan ein berühmter Campingplatz ist, weil dort berühmte Kletterer ihre Homebase für die Besteigung des El Capitan aufschlagen und die ganze Saison über wohnen.
Und dann sehen wir viele Menschen mit Ferngläsern auf der Wiese stehen und auf diesen riesigen, steil nach oben wachsenden Felsen schauen.
Also halten wir an, bewaffnen uns mit Kamera und Fernglas und sehen mit großem Staunen überall in der Wand Kletterer hängen. Teilweise auch Zelte, die in den Felsspalten aufgespannt sind.
Das war für mich, die ich als Kind im Alpenverein nicht über die Besteigung ein paar kleiner Steine im Harz hinausgekommen bin, dann wirklich überwältigend. Und um den Wahnsinn perfekt zu machen: Im Juni hat der Kletterer Alex Honnold diesen 1000m hohen Fels free solo, also allein und ohne Sicherung bestiegen. Faszinierend!
Fazit: Yosemite lohnt sich wirklich sehr! Am besten so wie wir außerhalb der Saison. Im Frühjahr soll es ganz toll sein, weil die Wasserfälle dann rauschen ohne Ende. Wenn wir nochmal wiederkommen, dann reservieren wir rechtzeitig vorher einen Platz auf einem der Campingplätze. Und dann gehen wir in der High Sierra wandern. Über mehrere Tage. Am besten mit einem Guide, der weiß, wie man seine Vorräte vor Bären schützt…
Oder wir üben bis dahin klettern und besteigen den El Capitan. Das wär’ doch mal was!
Und zu guter Letzt: Natürlich gibt es auch hier wieder viele Tiere!