Endlich schaffe ich es mal etwas über den Sachsentrail zu schreiben. Dort konnte ich den Frieden mit dem Fritzschberg schließen und einige bekannte Abschnitte des Kammweges wieder sehen. Es war wunderbar. Es war Erholung, zurückkommen, ankommen und wiederkommen. Es war da sein, weitergehen und verweilen und bei-sich-sein. Und das war ganz doll nötig. Mal wieder hätte ich gedacht, dass ich es nicht schaffe. Aber nach 10km einlaufen habe endlich meinen Rhythmus gefunden, mich mit Läufern unterhalten, jeden Streckenposten gegrüßt und kurzen Schnack am VP gehalten. Es war sehr sehr kurzweilig. Tatsächlich hat sich km 40 wie km 15 angefühlt. Natürlich nicht lange - bei km 52 war es mir schon sehr wichtig, dass wir nur noch 18km laufen müssen :)
Mit einem sehr spannenden Schnack zum Ende des Weges und ein Lob für meine Downhill-Fähigkeiten “Das sieht man selten” (yay!) begann ich nochmal zu laufen und kam als 4te Frau nach 8:45h auf 70,3k und 1800 HM ins Ziel.
Es war Spaß, es war hart aber gequält hab ich mich nicht. Es war ruhig und nie langweilig. Selbst die 20k Tschechien-Schleife verging wie im Flug.
Der Lauf hat mich wieder geerdet und mir einen guten Reset verabreicht. Dann noch herrlich klönen mit den Mitläufern beim Abendbrot und dann wieder beim Frühstück. Nicht mal 24h nach Zieleinlauf hatte mich Berlin wieder. Kontrastprogramm. Aber gut.
Unfassbar. Wir haben es geschafft. Das war und ist für mich immer noch schwer zu glauben, was wir da geleistet haben. Warum wir das gemacht haben, und dass es mit purer Entschlossenheit und Zuversicht geklappt hat. Kurz die Fakten:
Wir sind in 6 Tagen 292 KM mit insgesamt 7000 HM den Kammweg von Geising bis nach Blankenstein am Fuße des Rennsteiges abgelaufen.
Aber eins nach dem anderen.
TAG 0
Samstag. Ich bin nach einer stressigen Arbeitswoche am Freitag Abend halb elf in Dresden angekommen und habe bei meiner family geschlafen. Ich war viel in Gedanken, was mich auf dem Weg erwartet. Voller Ehrfurcht und freudiger Erwartung mit ganz viel Respekt. Werden wir es schaffen? Wenn ja wie? Was ist, wenn etwas passiert? Was kann denn überhaupt alles passieren? Was ist, wenn man von Gefühlen übermannt wird oder sich Grenzen auftun, die man bis dato nicht kannte? Wie wird es sich anfühlen, wenn ich in Clausnitz vorbeilaufe - wenn ich einem Teil meiner Vergangenheit begegne? Eine wirklich nachdenkliche Phase - aber ich empfand es als wichtig, sich der verschiedenen Dimensionen des Laufes klar zu werden. Denn die waren und sind es noch immer. Meine Schwester sagte zu mir:
wahrscheinlich wirst du als ein anderer Mensch zurückkommen.
Ob sie recht behält? Was macht so eine extreme Unternehmung mit einem verkopften Menschen wie mir?
Gehen wir also erstmal Burger essen und danach ab nach Geising.
Wir sind in Geising angekommen. Steffen ist schon da, die Holländer denen das Hostel gehört, kommen gerade und schnacken mit uns und lassen uns rein. Völlig OK - etwas in die Jahre gekommen - Osten halt. Wir sind da. Morgen geht es los. Unvorstellbar. Wir beziehen das Zimmer und machen uns auf die Suche nach dem Einstieg zum Kammweg. Gefunden. Direkt mit einem deftigen Anstieg gehts los. Danach noch mal los zu Penny, Datteln und Creme kaufen.
Zum Abendbrot gingen wir in den Schauhübel. Für mich gab es das größte Bauerfrühstück der Welt - yay: Mittagessen für die ersten Tag ist gesichert. Wir besprechen die erste Etappe: Geising - Seiffen in 47KM mit ca. 1100 HM. Eine sehr harte Etappe für den Einstieg. Das wissen wir schon. Was wir nicht wissen, ob uns das am Ende auf die Füße fallen wird.. Also: ab ins Bett.
TAG 1
47 k - 1266 HM - Start 08:03 Uhr - Geising nach Seiffen
6:30 _ der Wecker klingelt, Frühstück 7:00, Start 8:03, nachdem das GPS gefunden wurde. Wir traben los. Wir hoffen, dass es sich bis Blankenstein so locker anfühlen wird. Das wird es nicht. Klar. Wir entdecken die Startlinie. Hoffentlich gibt es auch eine Ziellinie. Ob mich dieser Gedanke hat bis zum Ende durchhalten lassen?
Erster Anstieg auf den Geisingberg. Heftig - aber tolles Wetter und toller Blick. Zweiter Anstieg auf den Kahleberg. Nicht so heftig aber immer noch ein toller Blick. Mist - jetzt hab ich mir schon die Hände an den Stöcken aufgerieben - und das bei KM 10. Das kann ja was werden. Am Kahleberg fing übrigens alles an: Ich sah die Wandertafel mit dem Höhenprofil des Kammweges vor 6 Monaten und dachte: machbar. Und jetzt stehen wir hier und machen es.
Es geht weiter nach Rehefeld, Holzhau (Gewitter und Pause in der Fischerbaude), Clausnitz. Ja. Alles gut, keine versteckte Emotion. Eher positive Erinnerungen. Ich bin erleichtert.
Weiter nach Sayda und hin zum letzten fiesen Anstieg auf den Schwartenberg. Gemeines Ding. Auf der anderen Seite ist doch schon Seiffen. Wir kamen an. Das Gepäck war da, das Hotel furchtbar nett. Sie holten unser Gepäck aus Geising und brachten es am nächsten Tag nach Satzung. Wäschewaschen, ausruhen, essen gehen, schlafen. Es gab echt erzgebirgisch: Kartoffelklöse gefüllt mit Knacker, dazu Sauerkraut und Meerettichsauce.
TAG 2
46 k - 1095 HM - Start 08:34 Uhr - Seiffen nach Satzung
Aua, ich merke meine Oberschenkel. Stimmt. Da war auch was gestern. Ich muss mehr Essen und Druck rausnehmen. Wir laufen gemeinsam los - schon schnell zeigt sich, dass jeder ein anderes Tempo hat. Ich ziehe für heute dann erstmal los. So kann sich jeder auf sich konzentrieren und wir können uns am Abend erzählen, wo wir uns verlaufen oder Pausen gemacht haben. Am Abend stellt sich heraus, dass wir an der gleichen Stelle nach dem Weg gefragt haben. Als ich vorbei kam, fragte ich einen netten Herrn nach dem Weg. Als Steffen vorbei kam, kam der Mann direkt auf ihn zu und sagte ihm, wo es lang geht. Herrlich. Und das vorm Rewe in Olbernhau.
Der Tag an sich ist hart - bis zum KM 22 läuft es recht gut, dann lege ich viele Gehpausen ein, obwohl ich gerade nicht am Anstieg war. Die Strecke ist aber auch schön um Kühnheide herum. Mit Moor etc. Ich mache Pausen bei KM 11, 22, 32, 36.
Ungefähr 3 KM vorm Ziel geht es nochmal einen Hammerberg nach oben. WHAT?! Na dann mal hoch. Oben angekommen lohnt sich der Aufstieg alle mal. Ich bin am Hirtstein, am Basaltfächer:
Und nun geht es schnurstracks Richtung Satzung den Berg runter zum Erbgericht Satzung. Steffen kommt etwa eine Stunde später. Gut, dann bin ich schon geduscht und die Sachen sind gewaschen. Zum Abendbrot gibts Soljanka und Bauernfrühstück. Danach die Routine: 1 kurzer Spaziergang, 1 Sonnengruß, Oberschenkel mit Traumeel massieren und mit Finalgon pannieren. Mal sehen, wie es morgen läuft.
TAG 3
40 k - 1344 HM - Start 08:46 Uhr - Satzung zum Fichtelberg
Heute morgen bin ich mit einem komischen Traum aufgewacht und der Puls ist recht hoch bei 78 Schlägen. Hoffentlich erkälte ich mich nicht. Das Frühstück ist gut und wir können 08:46 starten. Erstmal müssen wir wieder 500m zum Kammweg laufen und dann erstmal richtig viel bergab. Die Strecke ist wirklich der Hammer. Hoch und runter mit tollen Aussichten. In Jöhstadt bei KM11 mache ich die erste Pause - ein Radler macht ein Bild von mir:
Dann gehts weiter Richtung Bärenstein, wo ich meine Mittagspause machen möchte. Etwa bei KM 22 kommt der ordentliche Anstieg und meine Stullen sind verdient.
Dann steigt mein iPhone aus und ich denke mir: shit. Dort ist meine abfotografierte Karte und Google Maps drauf. Nach einem Neustart springt es gott sei dank nach 30 Minuten wieder an. Irgendwann treffe ich zufällig an einer Kreuzung Steffen, der sich etwas verfranzt hatte. Ich laufe weiter Richtung Toska-Höhe und weiter Richtung Oberwiesenthal, um den Fichtelberg in Angriff zu nehmen. Ab KM 32 kommt der Anstieg. Am Fuße ist eine Quelle und ich kann mir nochmal meine Flasche auffüllen. Von da an geht es hoch. Uff. Oben ist es gut schlammig, da der Schnee erst vor 7 Tagen weg geschmolzen war. Jetzt noch den Rodelhang nach oben und: Da. Wunderbar. Breites Grinsen.
Ich checke ins Hotel ein, wasche mich und meine Sachen und hole mir unten noch eine Apfelschorle. Die zweite Hälfte davon bekommt Steffen, der auch bald eintrudelt:
Ich habe das erste Mal das Gefühl, dass wir es schaffen können.
Die ersten Learnings (Running-Philosophy) werden ins Tagebuch geschrieben:
es darf hart sein, aber quälen darf man sich nicht
man muss vor allem ehrlich zu sich selber (Körper & Geist) sein
man trifft Entscheidungen und ist selbst für sein Leben verantwortlich
Das Leben besteht aus eigenen Entscheidungen und somit aus der Kontrolle, die man selber darüber hat. Aber es gibt noch die Interaktion mit anderen Menschen
Der Mensch ist in der Lage auf Situationen zu reagieren, kreativ zu handeln und so Lösungen zu finden. Nur so geht es weiter. Das kann aber nicht passieren, wenn man die Außenwelt nicht zulässt. Erst dann wird es spannend. Nichts entwickelt sich im Vakuum.
Was ich vergessen habe mitzunehmen:
Heftpflaster
Kinesiotape
Salztabletten
Schere
Weißen Stofftaschentuch
Aspirin Plus C
Das war übrigens die Routine von Morgens bis Abends (beginnend oben links):
TAG 4
42,7 k - 1094 HM - Start 09:01 Uhr - Fichtelberg nach Weitersglashütte
Es beginnt der Tag, an dem ich keine Notizen mehr gemacht habe. Anscheinend beginne ich endlich, den Kopf abzuschalten. Es beginnt auch der Tag, an dem ich beschlossen habe abzubrechen. Es war einfach zu hart. Woran lag es: an dem 10km Downhill vom Fichtelberg hinab? Von dem zu steilen Downhill unten im Tal vorm Fritzschberg? An dem fiesen Uphill am Fritzschberg? Auf jeden Fall war mein Oberschenkel kaum auszuhalten und die Strecke - zwar wunderschön (außer Johanngeorgenstadt) - ging hoch und runter. Genossen habe ich wirklich nur die ersten 16 KM und dann wurde es richtig schwer.
Jedes Mal, wenn man sich nur ein paar Meter verläuft, ist das einfach ätzend. Jeder Anstieg, der einen auf eine noch schönere Aussicht schickt, hätten sich die Wanderwegplaner sparen können. Jeder Downhill (und ich liebe Downhills!) ist einfach nur zum piepen, da sie den schmerzenden Oberschenkel zu dermaßen fordern. Gut. Dann bin ich eben vom höchsten Berg Sachsens auf den zweithöchsten Berg Sachsens (den Auerberg) gelaufen.
Aber danach wird man nochmal nach unten geschickt, wieder hoch, wieder runter, wieder einen Skihang hoch und so ging es noch 5 KM weiter. Irgendwann ist’s gut. Oben in Weiterglashütte angekommen hab ich für mich den Schluss gefasst, das Ding zu beenden. Das macht so keinen Sinn. Ich habe an die Fahrradtour gedacht, die ich über Himmelfahrt mit Jan von Berlin an die Ostsee machen will. An meinen Oberschenkel, der sich so anfühlt, als würde er zerreißen, wenn ich ihn nochmal belaste. Das erzähle ich alles Steffen, als er strahlend in unsere Pension kommt. Er ist erstaunt aber -wie immer- sehr besonnen und sagt: Warte erstmal bis morgen ab. Und ich so: “grummel - ich habe mich schon entschieden - grummel”
Wir aßen unsere Brotzeit, die wir von der Pension bekommen haben (übrigens: großes Lob an die Verpflegung und überhaupt!) und machen uns auf den Weg zu unserer Allabendlichen Spazierrunde. Ich muss humpeln. Keine Chance. Mist. Ich rufe Jan an und erzähle ihm von meiner Entscheidung. Er sagt nur: “Du brichst nicht ab. Ich such’ dir Massagepraxen raus, die auf dem Weg von deiner nächsten Etappe liegen.” Bäm. Mit dieser Unterstützung hab ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Besser kann es nicht laufen. Also wusste ich nun, dass es bei KM 15 und 30 was gibt. Da kann ich zur Not auch in den ÖPNV umsteigen. OK. Von Steffen bekomme ich noch den Tip, Sonja Eigenbrod anzuschreiben. Ich bekomme noch sehr gute Tipps zum Dehnen: eher dynamisch Impulse setzen, als statisches Dehnen. Traumeel, Finalgon, Bett. Spannung.
TAG 5
54 k - 971 HM - Start 09:01 Uhr - Weitersglashütte nach Süßebach
Wir stehen auf, dehnen, gehen Frühstücken. Tolles Frühstück übrigens hier. Wirklich. Ich habe sogar verschiedene Sorten Brot (glutenfrei) zur Auswahl. Wir treffen andere Wanderer, unterhalten uns. Ich werde gefragt, ob ich wieder eine solche Unternehmung machen würde. Ich antworte: auf keinen Fall. Wir packen und rennen los. Es fühlt sich irre an, irgendwie. Wir laufen durch den Wald, sind einige km getrennt. Irgendwann bricht bei mir ein Damm und ich verstehe, worum es hier geht. Einfach laufen. Einfach vorwärts, auch wenn es länger dauert. Das ist völlig egal. Was zählt ist hier zu sein und bei mir zu sein. Und dabei das Vogelzwitschern zu hören. Nicht zu wissen, wann wir heute Abend ankommen. Einfach nur vorwärts. Das machen wir.
Bei km 15 etwa mache ich meine erste größere Pause, esse in Ruhe. Dann gehts weiter auf einen Berg und wir sehen die Sprungschanze von Klingenthal. Beeindruckend.
Es geht steil runter und wir werden zur Talsperre Cranbach geführt. Es war irre schön. Irgendwie wie klein Kanada.
Nun gehts schon Richtung Schöneck, allerdings an einer Bahntrasse entlang. Die Strecke war so langweilig und so warm, dass ich mich nicht motivieren kann zum durchlaufen. Als die Strecken wieder aufregender werden fällt es mir leichter. Nun eine kurze Pause. Apfelschorle und Wasser nachfüllen. Am Nebentisch singen ein dutzend Rentner mit einem Akkordeon thüringische Volkslieder.
Die Mittagshitze drückt und wir rollen weiter über die Hügel Richtung Adorf. Die Waldabschnitte werden deutlich weniger und wir müssen über Felder laufen. In Adorf bekommen wir Wasser und Eistee und begeben uns auf die letzten guten 15 KM. Es ist ruhiger geworden. Bei mir jedenfalls. Ich habe mehr Ruhe in mir. Ich laufe einfach. Bin mehr eins. Alles was ab heute morgen war ist außerhalb der Zone, die ich bis dato kannte. Es ist neu und jetzt, wenn ich zurückdenke, sehr bewegend. Eine schöne Dynamik nach innen und außen. So vergeht die Zeit, Steffen ist etwas schneller, ich gehe viel. Das ist mir egal. Ich muss mich ja nicht aufreiben. Morgen warten noch 62km auf uns. Ungefähr 2,5 KM vom Kammweg entfernt ist unsere Pension. Steffen ist schon da, als ich komme. Eine Apfelschorle steht bereit. Happy. Nun wieder Abendroutine.
TAG 6
61,6 k - 1196 HM - Start 07:53 Uhr - Süßebachen nach Blankenstein
Aufwachen in der Früh - wir bekommen schon 7.00 Uhr Frühstück. Das ist gut, Wir haben ja auch heute die längste Etappe vor uns. Wir haben uns das ganze gestern noch mal auf der Karte angeschaut und wir haben einfach nur Respekt, vor dem was uns heute erwartet. Wir bereiten uns wie immer vor und laufen los. Erstmal die 2,5km wieder zurück zum Kammweg und dann ab auf die Strecke. Es läuft! Der Oberschenkel ist recht frei. Es läuft sogar ziemlich locker. Die ersten 15km rollen nur so dahin bis zur ersten Pause. Dann weiter. Es wird verdammt warm.
Die Wälder sind so gut wie weg und wir laufen oft über Felder und am Waldesrand. Steffen ist irgendwann etwas schneller als ich und ich habe ihn aus den Augen verloren. Bei KM30 etwa interpretiere ich einen Wegweiser falsch und laufe den Berg anstatt links einfach rechts herunter. Dort war ein Rapsfeld - ich laufe zwischen Rapsfeld und Wald entlang bis es nicht mehr geht. Ich sehe die Straße und das Dorf unten in der Annahme, dass es das Dorf ist, wo ich hin möchte. Also laufe ich durch das Rapsfeld. Keine gute Idee. Dann in den Straßengraben mit den Brennnesseln - bei Mittagshitze. Ich rolle die Straße nach unten und frage nach dem Weg. Ja, das ist die richtige Straße. Hmm. Aber irgendwie dennoch komisch. ich laufe weiter runter und bin mir nicht sicher. Irgendwann kann ich Google Maps aufrufen und stelle fest, dass ich mich verlaufen habe. Ich rufe Steffen an. Wir finden gemeinsam einen Weg, den ich gehen kann. Er ist schon im nächsten Ort und kümmert sich ums Wasser. Ich bin wirklich fertig. Ich hätte dringend eine Pause gebraucht. Ich gönne sie mir nicht. Ich laufe weiter über sehr schwierige Waldwege und übersehe immer wieder die Markierungen. Das kostet mich sehr viel Kraft. Am liebsten würde ich mich auf den Boden werfen und schreien, wie ein bockiges Kind: Ich will nicht mehr! Doch dann finde ich endlich Steffen und alles wird besser. Ich esse still mein Brot, wir finden Wasser bei einer Familie im Ort und laufen weiter Richtung Dreiländereck (Bayer, Sachsen, Thüringen).
Meine Kraft ist wirklich dahin. Steffen sagte mir, dass es noch 30 Km seien. Das hat nicht meiner Anzeige auf der Uhr entsprochen. Da sollten es eher noch 25 sein. Das entschärft mich noch mehr. Ich sehe es schon vor mir, dass wir 5 KM vorm Ziel abbrechen müssen, weil wir den Weg nicht mehr sehen. Das entschärft zusätzlich. Wir laufen weiter - es ist einfach schwer. An einem Punkt kann ich abkürzen. Steffen läuft den korrekten Weg. Das verschafft mir die Mittagspause und ich bestelle uns 2 Apfelschorlen in Mödlasreuth. Hier gibt es auch ein Schild: noch 21,9km nach Blankenstein. Machbar. Steffen ist weiterhin skeptisch.
Ab nun ist mir irgendwie flau im Bauch, das Laufen wird noch schwerer. Es ist schwül - irgendwo ist das Gewitter. Kann es nicht mal richtig regnen? Die meisten Wege sind nun diese Plattenwege mit diesen großen Löchern drin, die das Laufen kaum möglich machen, ohne sich dabei die Beine zu brechen. So geht es bis fast 7 KM vorm Ziel. Wir kämpfen uns nach vorn. Ein Schritt nach dem anderen. Und es dauert eben so lange, wie es dauert. Noch ein Berg bis Blankenberg. Nun sind wir da. Es nieselt und wir sehen Blankenberg und machen noch 3,7 km vor dem Ziel eine Pause.
...
Mir ist noch immer flau, ich habe solchen Appetit nach einer weißen Leberwurstsemmel. Aber ich habe schon alles aufgebraucht. Und da: ein Babybell ganz unten im Rucksack! Ich hatte Tränen in den Augen. Ein Geschenk des Himmels. Ich war happy. Genau das richtige. Damit haben wir den vorletzten Downhill geschafft, noch einmal hoch nach Blankenberg, von wo aus wir Blankenstein schon sehen.
Und jetzt: Endspurt. Wir werden in langen Serpentinen den Berg hinuntergeschickt zur Bundesstraße und Entdecken dann endlich das Wanderdrehkreuz. Unser Ziel. Hand in Hand laufen wir dahin. Leider gibt es keine Ziellinie, dafür ein Zielfoto von 2 überglücklichen Irren, die den Versuch in die Tat umgesetzt haben in 6 Tagen 292 Kilometer mit 7000 Höhenmeter zu laufen.
Hervorragend bewirtet wurden wir dann in unserer Pension.
[:de]Lauftraining im Teutoburger Wald - Unterwegs auf den Hermannshöhen und Trails[:]
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[:de] Komfortzone ist etwas schönes! Sie zu verlassen, dazu zählt nicht nur die Geschwindigkeit, die du im Training an den Tag legst, sondern auch die Strecke, die du läufst. Warum Berge hoch laufen, wenn es doch eine angenehm flache Strecke gibt? Berge sind anstrengend, ohne Frage. Die Pace ist unter aller Sau. Und am nächsten Tag winkt der Muskelkater. Aber wie herrlich kannst du beim Training…
Auch heute noch einmal ein kleiner Test der STUNT Strecke. Zwei kritische Punkte bin ich dabei angelaufen. Der erste war das kurze Trail Stück westlich der Boschwerke. Durch die grüne Hölle gelangt man zu mehreren Teichen . Der Trail ist stark bewachsen,…