What might appear to be an arrangement of abruptly smashed clay pots, reveals itself on closer inspection, as a surprisingly slow-moving, gentle decay of material in Karin Lehmann’s standout installation.
Virtuell besuchen wir Kunstschaffende, die mit dem Museum verbunden sind, in ihren Ateliers. Zum Zeitpunkt unserer Anfrage (im April 2020) waren Museen und Galerien wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Vor diesem Hintergrund suchten wir nach alternativen Möglichkeiten, um die Arbeit von Künstler*innen sichtbar machen. Wir wollten wissen, woran sie gerade arbeiten und wie sie mit der Krise umgehen. – Die Situation hat sich inzwischen verändert. Seit dem 12. Mai sind viele Kunstinstitutionen wieder offen, das öffentliche Leben nimmt Fahrt auf. Die Momentaufnahme aus dem Lockdown hat nun schon fast eine historische Dimension.
Wir haben die Kunstschaffenden gebeten, uns 10 Fragen zu beantworten und uns mit ein paar Bildern Einblick in ihre aktuelle Situation zu geben:
Antworten von Karin Lehmann
1 KMO: Wie geht es Dir heute?
KL: Tiptop.
2 Wie ist Deine Situation in der Corona-Krise?
Ich habe eine Anstellung an der Hochschule der Künste Bern und arbeite auch fürs Materialarchiv. Das heisst, ich kann von Zuhause aus arbeiten oder sogar an der Schule, die ist für Mitarbeitende nicht geschlossen. Ausserdem kriege ich meinen Lohn, was sehr beruhigend ist.
3 Wie sieht Dein Arbeitsort aus?
Zuhause kann ich mich mit zwei kleinen Kindern nicht so gut konzentrieren. Auch wenn ich mich zum Glück mit meinem Partner in der Kinderbetreuung abwechseln kann. Ausserdem habe ich im Heizungskeller eine kleine temporäre Töpferei eingerichtet.An der Schule habe ich die ganze Werkstatt zur Verfügung.
4 Woran arbeitest Du?
In der Kellertöpferei habe ich Teller gedreht, die ich gegen neue Velopneus eingetauscht habe. Dann bin ich auch noch an einem Entwurf für ein Kunst und Bau Wettbewerb dran.
5 Hast Du momentan mehr Arbeit oder weniger Arbeit?
Mehr Arbeit mit den Kindern. Ansonsten etwa gleich viel wie immer.
6 Was sind die drei besten (positivsten) Dinge, die Du seit Beginn der Corona-Krise beobachten konntest?
- Dass wir viel Zeit mit unseren Kindern verbringen.
- Dass man weniger ins Coop geht.
- Neue Freundschaften mit Nachbarn.
7 Was beschäftigt / beunruhigt Dich am meisten?
Dass es vielleicht noch lange dauern wird, bis die Grosseltern ihre Enkel wiedersehen können.
8 Was ist in der Corona-Krise Dein/e
a) persönliche Challenge
Eine grosse Schüssel aus Porzellan drehen.
b) Dein neues Ding
Stoffe und Wolle färben mit Pflanzen in unserer neu gebauten Outdoorküche.
c) Deine Bewältigungsstrategie
Jeder braucht mal seine Auszeit. Jeden Tag 50/50 aufteilen mit Kinderbetreuen und Arbeiten hat sich sehr bewährt. Wir haben aber auch Glück. dass wir das können, da mein Partner nicht so viel arbeiten muss im Moment.
9 Hast Du (als Spezialist*in) Tipps fürs zurückgezogene Arbeiten in den eigenen vier Wänden?
Alle stellen jetzt online Workshops zur Verfügung: z. B. Kurinuki-Workshop von Melissa Weiss. Dann: was man nicht online bestellen kann, soll man tauschen oder besser noch: Material brauchen, das schon lange zuhause rumsteht.
10 Was möchtest Du mit unserem Publikum teilen?
Melissa Weiss Workshop
Meine neusten Datensätze fürs Materialarchiv:
- Steinzeug / Ton
- Klinker- und Mangan-Massen
- Porzellanmasse
- Steingutmasse
- Toepferton
Karin Lehmann, 19.4.2020
Karin Lehmann (*1981), lebt und arbeitet in Bern. Sie interessiert sich für den Arbeitsprozess, der die endgültige Form ihrer Objekte, Skulpturen und Installationen mitbestimmt, und setzt den Fokus auf einen Umgang auf Augenhöhe mit dem Ausgangsmaterial. Praktisches Wissen, handwerkliche Meisterschaft, Experimentierfreude und Reflexion gehen bei ihr Hand in Hand. Nach dem Besuch der Keramikfachklasse an der Schule für Gestaltung in Bern hat sie einen Master in Bildender Kunst an der Hochschule der Künste Bern HKB erlangt, wo sie heute Studierende in der Keramikwerkstatt unterstützt. Während dem Studium arbeitete sie als Dreherin in der renommierten Keramikmanufaktur Linck in Worblaufen. Nach einem längeren Aufenthalt in London lebt und arbeitet Lehmann heute wieder in Bern. Ihr Schaffen war in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland zu sehen. Im Kunstmuseum Olten war sie 2019 an der Ausstellung «Linck. Reloaded. Margrit Lincks künstlerisches Werk im Dialog mit Arbeiten von Selina Baumann, Karin Lehmann und Irene Schubiger» beteiligt und hat parallel dazu den Dienstraum, unsere Dependance im Bahnhof Olten, bespielt. Seitdem ist sie mit zwei wichtigen Arbeiten in der Sammlung des Kunstmuseums Olten vertreten.
Mehr über Karin Lehmann erfahren:
Karin Lehmann’s installation ‘Sediment Sampling’ in Münster, Germany. “200 unfired clay pots made from different types of clay are filled with water. Over a couple of hours they start to leak, crack and eventually decay building a landscape of broken pots and water puddles.” Photo from @studiolowsheen