Schwimmbaderlebnisse
Schwimmbäder sind dadurch, dass Menschen dort generell leicht bekleidet sind und ihre Kleidung auch noch an- und ausziehen, wohl per se Orte, an denen es häufig zu Grenzüberschreitungen und irgendwie seltsamen Erlebnissen kommt.
Vor einiger Zeit war ich mit meiner Tante im Schwimmbad. Als sich unser Ausflug dem Ende neigte und ich meine Haare föhnte, bemerkte ich einen Mann, der hinter mir nackt vor der Reihe mit Umkleiden lungerte. Irgendwann verschwand er in seiner Kabine und ließ die Tür einen Spalt offen, kam wieder raus, verschwand wieder, ohne auch nur einen Fetzen Kleidung anzulegen. Meine Tante, die schon auf mich gewartet hatte, berichtete mir, dass der Mann schon mehrfach aus seiner Umkleide getreten war und sich präsentiert hatte. Der Mann kam nicht näher oder sprach mit uns und sein Verhalten flößte mir auch keine Angst ein. Trotzdem empfinde ich den Gedanken, dass unsere Reaktion oder gar unsere bloße Anwesenheit dazu benutzt wurden, ihm einen Kick oder was-auch-immer zu verschaffen, sehr unangenehm.
Als ich gestern im Schwimmbad war, hatte ich ein noch weitaus absurderes Erlebnis. Nach dem Schwimmen stand ich - spliterfasernackt und die einzige Person im Raum - unter der Dusche und war mit dem Haarewaschen beschäftigt, als plötzlich ein Mann mit seiner Tochter im Kindergartenalter zielstrebig in den Duschbereich marschierte und eine Dusche anmachte. “Ja, sorry, aber ich muss meine Tochter duschen”, meinte er zu mir, in einem Tonfall, der klarmachte, dass dies keine Entschuldigung für das unerwünschte Eindringen in meine Intimsphäre, sondern nur eine Begründung seines Handelns darstellen sollte. Und das Duschen der Tochter war nur in den Frauenduschen möglich.“Ich mache auch die Augen zu.” Das tat er daraufhin wirklich - nachdem er mich längst nackt gesehen hatte. Ich fand die Situation vollkommen surreal. Inzwischen waren noch mehrere andere Frauen - zum Glück noch im Badeanzug - in den sanitären Anlagen und standen völlig perplex vor den Duschen, das Treiben beobachtend. Keine von ihnen wollte duschen, geschlossene Augen hin oder her. Der Mann beeilte sich aber kein bisschen und duschte sich noch ausgiebig selbst, nachdem er mit seiner Tochter fertig war (wohlbemerkt zog er weder sich selbst noch seine Tochter aus).
Als ich am Ausgang war, beschwerte ich mich und stellte fest, dass ich damit nicht die erste gewesen war, Vater und Tochter aber aus den Duschen verschwunden waren, als jemand vom Personal dort eintraf. Später zeigte ich der Mitarbeiterin den Mann, der daraufhin zur Rede gestellt wurde. In seiner Begründung kam eine sehr abfällige Bezeichnung seiner eigenen Geschlechtsgenossen, weshalb man das Kind ja nicht mit in die Herrendusche nehmen könne, vor und außerdem sei es “ja nur eine nackte Frau” gewesen.
Offensichtlich hielt der Mann es für wichtiger, seine Tochter im Kindergartenalter (!) vor anderen Männern zu schützen, als die Persönlichkeitsrechte anderer Frauen zu respektieren, bei denen er willigend in Kauf nahm, diese in einer unangenehmen Situation anzutreffen. Eine einzelne Person/Frau zählte für ihn nichts und ich wage es zu bezweifeln, dass er bei zwei oder drei nackten Frauen mehr Skrupel gezeigt hätte. Dieses bedenkliche Bild von Männern und Frauen macht mich wütend, viel wütender macht mich aber, dass er sich herausnahm, auf meinem Recht auf Intimsphäre und dem der anderen Frauen herumzutrampeln. Damit nahm er mir die Möglichkeit, meine Grenzen zu setzen und selbst zu bestimmen, wer mich nackt sehen darf und wer nicht.