Aufgrund der derzeitigen politischen Situation, kann und will #keinKompliment dazu nicht schweigen.
Es bedeutet viel, dass ein Mensch eine Nation demokratisch legitimiert regieren kann und darf, der dazu in der Lage ist Frauen* in ihren Rechten zu beschneiden. Es ist allerdings auch zeitgleich zu erwĂ€hnen, dass Trump nicht der erste PrĂ€sident ist, der unter seiner Legislaturperiode Abtreibungen und Frauen*rechte abschafft oder, zu Ungunsten emanzipatorischer Bewegungen, zurĂŒckwirft.
Bereits Bush und auch unter Obama durften keine direkten Gelder der US an Nichtregierungsorganisationen flieĂen, die Abtreibungen (ohne den Vorwurf durch sexuelle Gewalt, Inzest und weitere) ermöglichten. Allerdings durften diejenigen Organisationen, die neben Abtreibungen auch weitere Programme förderten, dennoch Gelder fĂŒr diese Projekte akquirieren, zumindest unter Obama.
Unter Trump allerdings wird und darf keine Organisation gefördert werden, die, unabhÀngig von weiteren Projekten, auch Abtreibungen und Familienplanungsberatung anbietet.
Er nennt sich PRO-LIFE PrĂ€sident und unterstreicht sein Argument mit der These, dass auch Ungeborene ein Recht auf Leben haben. Und das neben der PrĂ€nataldiagnostischen Forschung (Forschung, die etwas darĂŒber aussagen kann, ob das Kind mit Trisomie 21 geboren wird), die auch in den USA betrieben werden und insbesondere unter dem Aspekt diskutiert werden, dass das Kind bei einer Diagnose abgetrieben werden darf (!) Pro-life? Aber nur das was als âLifeâ anerkannt wird.
PRO-LIFE wÀre, all den Menschen, die sich auf der Erde bewegen und frei und mit gleichen Rechten Leben wollen, diese Freiheit und Gleichheit in jeglicher Lebensweise zuzusprechen.
People of Color, Schwarze, Cis-Frauen, Transfrauen, Intersexuelle, Bisexuelle, Homosexuelle, Queere Menschen... Wo sind ihre Rechte?
Wo ist PRO LIFE fĂŒr all diese Menschen?
FĂŒr diejenigen, die um ihr (Ăber-)Leben kĂ€mpfen mĂŒssen.
FĂŒr diejenigen, die in einem Rechtsstaat gegen das Recht im Staat kĂ€mpfen mĂŒssen, der den Rechtsstaat fĂŒr sie abschafft.
Menschen die Möglichkeiten der freien Entscheidung zu verwehren und das mit heuchlerischen Argumenten unter âPro-Lifeâ zu verkaufen ist absurd.
Insbesondere von einem Mann, der damit prahlt Frauen wie Sexobjekte zu behandeln:âJust kiss. I don't even wait. And when you're a star, they let you do it. You can do anything.â âGrab them by the pussy. You can do anything.â
Und um ehrlich zu sein, ĂŒberrascht es mich nicht, dass vielen Menschen diese Aussage nicht in Schrecken versetzt.
Denn das was mir als Frau* tagtÀglich begegnet ist genau dieses Verhalten.
Bei jedem selbstverstÀndlichen:
Sex sells! Und dabei sprechen wir ĂŒberwiegend von als âweiblichâ verstandenen Körpern, die sich nackt reckeln und als Ware verkauft werden.
Und nicht von Sex, der wunderschön, gemeinsam und erregend sein kann. Wo es nicht um Objekte, sondern um menschliche Lust und Miteinander geht.
In der Geste nicht ernstgenommen zu werden:
In dem Blick, der von oben bis unten an mir herabfĂ€hrt, anstatt mir in die Augen zu gucken, wenn ich einen Vortrag halte.Â
Darin weniger Geld fĂŒr die gleiche Arbeit zu bekommen.
Darin, dass mir gesagt wird, ich solle nicht so laut lachen und nicht so forsch sein, das schickt sich fĂŒr eine âFrauâ nicht.
In der Annahme, dass alle Frauen* sensibler wĂ€ren als MĂ€nner*. Dass Frauen* hysterisch sind und nicht wĂŒtend. Dass sie kreischen und nicht brĂŒllen.
Dass Karriere fĂŒr Frauen* bedeutet: Familie an erster Stelle, keine Rabenmutter, nach Hause kommen von einem 10 Stunden Tag, Kinder abholen, Kochen und dabei dem Mann* sein Bier bringen - Karriere nur unter der Voraussetzung, dass Familie funktioniert.
Dass Frauen* sich untereinander ausspielen, aus Druck, die bessere Frau* im Unternehmen sein zu wollen.
Dass Chefetagen immernoch CHEF und BOSS Etagen sind und das *in am Ende fehlt.
Dass nicht gesehen wird, welchen zusĂ€tzlichen BĂŒrden und HĂŒrden weibliche*, trans- und intersexuelle GeflĂŒchtete ausgesetzt sind.
Dass geschwiegen wird ĂŒber etliche Frauen*projekte aus nicht-Europa oder nicht-USA, als gĂ€be es nur Frauen*kĂ€mpfe und Frauen*emanzipation hier... als wĂ€ren Frauen* hier in jeglicher Hinsicht freier als woanders. Und als wĂŒrden Frauen* hier nicht gegen Abwertung und gegen ZwĂ€nge, Unfreiheiten, ZurĂŒckdrĂ€ngung und UnterdrĂŒckung kĂ€mpfen mĂŒssen. UnterdrĂŒckung und Zwang, Unfreiheiten und Abwertung können verschiedenste Formen annehmen. Sehen wir all diese Dinge woanders besser, weil wir damit nicht aufgewachsen sind? Sehen wir den Zwang und die ZurĂŒckdrĂ€ngung bei uns weniger, weil es fĂŒr uns schon ânormalâ geworden ist?
Dass Vergewaltigung bis 2016 nicht als Vergewaltigung galt wenn > Nein < gesagt wurde.
Dass eine Vergewaltigung bewiesen werden muss. Ein >Nein< auf Video reicht meist nicht aus, wenn nicht generell deutlich geworden ist, dass die Frau* das nicht wollte.. z.b. durch Spuren physischer Gewalt?
Dass Frauen 2017 dazu gezwungen werden ein Kind zu bekommen, ob sie wollen oder nicht, ob sie können oder nicht.
AuĂer natĂŒrlich es handle sich um eine Vergewaltigung - die bewiesen werden muss.
Dass Frauen* vorgeworfen wird, sie seien selbst schuld an Sexismus und sexualisierter Gewalt oder BelÀstigung, wenn sie zu kurze Sachen tragen.
Dass Sexismus institutionalisiert ist.
Als Wirtschaftsform, indem Carearbeit (Arbeit Zuhause und im sozialen Bereich) nicht als Arbeit anerkannt wird. Familien- und Kinderfreundliche Gesetzgebung und UnterstĂŒtzung im Arbeitsalltag fehlen.
Im sozialen Miteinander. Dass wir lernen das Pink = Frau, Blau = Mann. Autos und Karriere und Geld und Wirtschaft und FĂŒhrungsposition und Wissenschaftler, Ingenieur, Professor, Politiker.
HERRlich!
Schmuck, Taschen, Liebesfilme, Lippenstift, Erzieherin, Lehrerin, Putzfrau,
Warum sagen wir DĂMlich?
Das bedeutet nicht, dass wenn wir uns mit den Dingen wohlfĂŒhlen, diese falsch sind. Es bedeutet aber, dass diese Dinge nicht direkt bedeuten, dass nur wer Schmuck oder Mode mag direkt weiblich* sein muss. Oder wer Autos und Blau gut findet mĂ€nnlich* ist. Was bedeutet mĂ€nnlich? Was bedeutet weiblich? Mit welchen Eigenschaften verbindest du das?
Dass wir >STARK< mit bestimmten Ideen verknĂŒpfen, die wir tendenziell mit Belastbarkeit, Muskelmasse und Durchsetzungskraft in Verbindung bringen.
WĂ€hrend >SCHWACH< eher sensibel, kleinlaut, nachgiebig ist. Warum bin ich als Mensch âschwachâ, wenn ich neun Monate hindurch ein Kind in mir trage; ein Leben fĂŒr zwei fĂŒhre?
Weil ich Stimmungsschwankungen habe und auf mich und dich aufpasse? Verletzbarkeit? Ist keine SchwÀche.
Frage dich warum du das was du mit stark verbindest, damit verbindest.Im Miteinander, von den Eltern und den Menschen um uns herum. Lernen wir bestimmte Dinge als ânormalâ aufzufassen. Normal ist nicht immer das was am hĂ€ufigsten vorkommt. Und normal ist auch nicht immer das, was am besten fĂŒr alle ist. Und normal ist nicht immer das, was am erstrebenswertesten ist.
Dass wir uns immer wieder in einer Zweigeschlechtlichkeit bewegen, obwohl schon tausendfach wissenschaftlich (!) belegt wurde, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt und Geschlecht fluide ist.
Wann wird es so sein, dass wir endlich lernen, dass INFRAGE stellen GEWISSHEITEN aufbrechen,
die nicht Gewiss sind,
bedeutet mehr Möglichkeiten zu schaffen.
Mehr HandlungsspielrÀume zu erschaffen.
Mehr Mitmenschen mitzudenken.
Weniger in Konventionen, in Normen, die eigentlich total unnormal sind, unsere Freiheiten zu lenken.
Wann wird es so sein, dass mehr Menschen mitgedacht werden,
die vorher ohne Bedacht einfach rausgedacht wurden?
Aber die es trotzdem gibt!
Je mehr HandlungsspielrĂ€ume desto mehr LebensentwĂŒrfe sind möglich.
Wann wird es so sein, dass Geschlecht genauso verÀnderbar sein wird wie Haarfarbe?
Dass es vielleicht mehr als 10 Geschlechter geben kann, ohne dass wir unsere IdentitÀt und unser Land verlieren...
Wann wird es soweit sein, dass wir ein gemeinsames Wir ohne Abwertung und Entrechtung kreieren?