kleines Fundstück
Ein deutscher Pfarrer berichtet von einer Reise (2013): "In Jerusalem treffe ich einen palästinensischen Freund nachdenklich vor seiner Haustür an. ‘Jetzt hatte ich mehrere Tage lang Besuch von einer Solidaritätsgruppe aus Deutschland’, sagt er. 'Schön war’s. Aber es ist auch schön, dass sie wieder weg sind – denn jetzt kann ich wieder im jüdischen Supermarkt einkaufen.'"
Wie Marx schon 1854 in seinem Text über die Geschichte der ‘orientalischen Frage’ schrieb, sind die religiösen Konflikte vor Ort nicht ohne politische Einflussnahme zu bewerten: “Es gibt kein Heiligtum, keine Kapelle, keinen Stein von der Kirche des Heiligen Grabes, bei denen man nicht den Versuch gemacht hätte, sie zur Entfachung eines Streits zwischen den verschiedenen christlichen Gemeinden auszunutzen. Alle die verschiedenen christlichen Sekten, die sich um das Heilige Grab gruppieren, verbergen hinter ihren religiösen Forderungen ebenso viele politische und nationale Nebenbuhlerschaften.“ Heute ist es genauso, nur treten die noch zu Marx’ Zeiten in Bezug auf die Heiligen Stätten seltsamerweise keine Rolle spielenden Muslime auf den Plan. Jeder Anlass wird von den islamischen Predigern und arabischen Politikern genutzt, um den Antisemitenmob aufzuhetzen - und aus dem Westen gibt es entsprechend Hilfe aus materiellen und/oder ideologischen Gründen: von Politik, NGOs bis hin zu politisierten Gruppen, die dann, wie im Bsp. hier, auch mal vor Ort sind, um so grandios zu ‘helfen’. Bei der Aussage des Palästinensers scheint durch, wie sehr die Realität von den Protagonisten verändert bzw. verdrängt werden muss, damit sie in die politischen Kategorien passt. Der Durchschnittsbürger im Nahen Osten hat ganz andere Probleme, die nur leider nicht auf den Antisemitismus und Antiamerikanismus der westlichen Moralisten passen wollen. Jene scheren sich so auch sicher kaum um irgendeinen Botschaftssitz, aber der judenjagende Mob, der ja zunehmend auch in Europa Erfolge feiert (vgl. die Szenen in Berlin oder Göteburg), ist eh viel interessanter. Und wie der Stürmer schon wusste, so heute der 'kritische’ Westler: In solchen Fällen kann neben dem Juden selbst nur die USA Schuld sein. Die ist schließlich so dreist, einen Kongress-Beschluss von 1995 mit legitimen Anliegen umzusetzen. Aber mit dem muss man sich auch gar nicht groß auseinandersetzen, hat man doch das Glück, seine Ideologie so einfach und konsensfähig mit der Feindschaft gegen einen US-Präsidenten zu rationalisieren, in dem sämtliche US-Politik personalisiert wird.
Ein durchschnittlicher Nachrichtenbeitrag über Trump bietet heute letztlich das gleiche Maß an Realitätsverzerrung wie der Besuch beim teils schauspielernden Palästinenser in Jerusalem - dabei helfen bei jenem so wenig die berühmten ‘Fakten’ wie bei diesem ein gesundes Sehvermögen.





