Elefantin Hilde besah sich besorgt ihr Spiegelbild im Badeteich.
"Ich glaube, ich werde alt", murmelte sie gedankenverloren.
"Du bist alt", sagte Sieglinde, die wenige Meter neben ihr stand und Wasser in ihren Rüssel sog, um es sich anschließend ins Maul zu spritzen.
"Noch nie hat mir jemand mein wahres Alter angesehen. Bis vor kurzem bin ich sogar noch als junger Elefant bei den Besuchern durchgegangen."
Sieglinde musste an sich halten, um nicht loszuprusten. Seit wann ging die dicke Hilde als junger Elefant durch? Die Besucher mussten blind sein.
"Wahrscheinlich waren das die gleichen, die Trine als alte Oma und Oberchefin bezeichnet haben. Wir beide wissen, wo Trine steht - noch unter dir."
"Dafür kann sie sehr dominant sein."
"Doch nur, um ihre Tochter, diesem verfressenen Dickerchen, klarzumachen, dass diese ihr das Futter zu überlassen hat."
"Die nimmt sich alles, was ihr angeboten wird. Kein Respekt vor dem Alter. Wenn wir nebeneinander stehen, bekommt sie viel mehr als ich. Immer mit der Begründung, sie sei noch so klein, jung und müsse noch wachsen", beschwerte sich Hilde und besah sich noch einmal genauer ihr Spiegelbild auf der Wasseroberfläche. Mindestens fünfzehn Jahre jünger sah sie aus. Weder war sie eine Bohnenstange wie Sieglinde, noch so runzlig wie Gisela, das alte Faltenmonster.
Wieso war sie unter den wildfremden Besuchern nicht mehr so beliebt wie früher? Das Dickerchen war ein Charmebolzen, aber das war sie ebenfalls. Hatte sie ihren Zenit überschritten?
Sieglinde und Gisela hingegen hatten kein Futter eingebüßt. Aber die standen auch nicht neben dem wohlgenährten Dickerchen.
"Ja, ja", sagte Sieglinde. "Rupa muss noch wachsen - in die Breite."
"Sag mal, Lindi, glaubst du, dass ich das Schlammbad öfters aufsuchen sollte?"
"Deiner Figur würde es sicherlich nicht schaden."
"Ich dachte mehr an die verjüngende Wirkung des Schlamms."
"Probier's aus."
Sieglinde glaubte nicht, dass es helfen würde, aber das sollte Hilde selbst herausfinden.
Wer neben einem jüngeren Elefanten wie dem wohlgenährten Dickerchen stand, zog immer den Kürzeren. Deshalb gesellte sich Lindi lieber zu Gisela und Trine, als zu Rupa. Wenn sie doch einmal das Pech hatte neben dem Dickerchen zu stehen und die mehr abstaubte als sie, bekam diese eine Kopfnuss und wurde an den Ohren gezogen. Das reichte aus, um dem Dickerchen zu zeigen, wem die dargebotenen Leckereien gebührten - außer es handelte sich um Stinkermöhren. Das erzählte sie der dicken Hilde nicht, sonst würde die in ihrem Übereifer, Rupa Respekt lehren zu wollen, diese in den Graben schubsen. Hilde würde dann wieder so tun, als habe sie mit der ganzen Sachen nichts zu tun. Die brauchte nur einmal unschuldig gucken und schon war sie fein raus.
Nur würde sie dadurch mehr Futter bekommen? Der dicken Hilde würden ein paar Kilo weniger besser stehen. Nur wollte die nie auf ihren Rat hören.
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