2. Dezember 2017
Moment, dreissig was?
Wir sitzen in der Sauna und ich jammere ein wenig darüber, wie viel der Umzug meines Arbeitsplatzes zu tun gibt. Ich verlege ihn dieser Tage aus Kostengründen von auswärts zurück in die Wohnung. Dabei versuche ich Material loszuwerden und einen weiteren Schritt in Richtung „alles-auf-dem-MacBook“ respektive „möglichst-wenig-auf-Papier“ zu machen. Bücher landen im Brockenhaus und bei bibliophilen Freundinnen; viel Papier wartet gebündelt auf die Abfuhr; ein gutes Dutzend Bundesordner ist leer geräumt und nutzlos geworden; Stapel von Sichtmäppchen und Registraturen wollen entsorgt sein. Noch nicht trennen kann ich mich von über dreissig Schreibheften, in denen sich Notizen zu meiner 2016 abgeschlossenen Dissertation befinden und die ich vermutlich nie mehr anschauen werde. Kathrin meint, diese Arbeitstechnik sei vom Aussterben bedroht und ich solle aufschreiben, warum ich die Hefte angelegt habe.
Der Grund ist einfach: Ich schreibe im Alltag immer noch viel von Hand, in der Regel in schwarze Notizbücher, Format A5, der Marke Favorit. Sitzungsnotizen, to-do-Listen, Beobachtungen, Rückmeldungen zum Unterricht, Nachdenkereien, Textideen und anderes mehr wird dort mit Bleistift festgehalten. Für grössere Projekte brauche ich unlinierte Schulhefte im Format A4. In solche exzerpiere ich von Hand; diese Notizen übertrage ich später in ein Literaturverwaltungsprogramm (Endnote). Ich skizziere längere Texte von Hand; ich notiere während Feldaufenthalten und Interviews von Hand, ebenso während Vorträgen oder Tagungen; ich zeichne Zusammenhänge auf oder versuche Ideen zu visualisieren.
Ich schätze die Haptik des Papiers, die Möglichkeit, durch das Aufgeschriebene blättern zu können; etwas durchzustreichen und es doch immer noch da zu haben. Ich bin nicht technophob und arbeite gern am Bildschirm, aber ich bin zu faul mir zu überlegen, wie ich das, was ich seit fast vierzig Jahren in und mit Notizbüchern und -heften mache, auf ähnlich befriedigende Art und Weise mit dem Computer machen könnte.
(Franziska Nyffenegger)
















