es fühlt sich an wie Urlaub, nur verkehrt: ich habe meinen Koffer gepackt, aber statt Unterwäsche Scham und Selbstzweifel, statt Kosmetiktasche Ängste und Schweigen, statt Kleidern Perfektionismus, statt Schuhen Sorgen, statt Jacken Verzweiflung, statt Sonnenmilch Depressionen zusammengefaltet und hineingesteckt. ich klappte ihn zu und setzte mich drauf. und schickte ihn ohne mich in einen Flieger. es ist so: mein Kleiderschrank ist immer noch voll. aber was weg ist, werde ich nicht vermissen. und ich fühle mich leichter, freier - ich habe online-Vorlesungen, zoom-Seminare, Gruppenarbeit, Präsentationen, Paper zu lesen, andere Literatur zu lesen, Therapie und ein bisschen Laborarbeit, einen Kontostand, den ich mir vermeide anzusehen, aber: es fühlt sich an wie Urlaub. weil ich abends mit Freundinnen am See sitze, redend, Glühwein trinkend, Kuchen essend, im Nebel die Silhouette eines Manns mit Handy in der Hand erkennend, fürchtend, lachend, ehrlich. weil ich beinahe jeden Tag Schokolade esse. die Herbstblätter vom Wind zum Tanz aufgefordert werden und annehmen. weil ich gerade jeden Tag lebe. weil es mich nicht aus dem Takt wirft, wenn etwas nicht wie geplant läuft, wenn etwas Unerwartetes passiert. weil ich, mit Freunden zum Film schauen verabredet bin - wir aber auch bis Mitternacht nur reden und es wundervoll ist. weil ich mit einem Freund durch den Wald spaziere, Pilzarchitektur bewundernd, Bäume streichend, philosophisch diskutierend, der Stille lauschend, weil ich mich jedes Mal freue, ins Labor zu kommen und über das Miteinander und Nebeneinander dort, es fühlt sich alles an wie Urlaub, weil ich das mit-mir-allein-sein - wenn ich es bin- nicht nur ertrage, nicht nur überlebe, bis mich die Anwesenheit eines anderen Menschen wieder in der Realität verankert. es fühlt sich an wie Freiheit, wie Unbeschwertheit, weil ich mit mir selbst allein sein kann und meine Gesellschaft schätze. Ich zeichne, ich weine, ich schaue mir memes an, scrolle Instagram runter, entdecke Musik auf Spotify, mache mir Essen, prokrastiniere weiter, arbeite eine Vorlesung nach, ich schreibe, gehe spazieren, mache Übungen für meinen Rücken, ich liege mit gebrochenem Herzen und unmotiviert in meinem Bett und denke mir Tiergesichter in das Muster der Holzdecke (mein Liebling ist die kleine, breit grinsende Eule), ich tanze. zu afrikanischer, lateinamerikanischer, karibischer Musik, zu Electro-Swing, Techno und Goa und 80ern. wie ich gerade lebe, wie ich einen Fuß vor den anderen setze, wie ich mir nicht für jeden Fehler den Kopf abreiße, wie ich genießen und meine Schultern das Zucken lernen? ich könnte mich daran gewöhnen