Wahlsonntag in Görlitz. Um die Anspannung zu überwinden habe ich gerade ein paar Kisten aufgeräumt und dabei auch alte Briefe aus dem Nachlass meiner Großmutter gefunden. Als dieser Brief aus Bremen im Oktober 1949 in Bahro, einem kleinen Dorf bei Frankfurt/Oder in der brandenburgischen Provinz ankam, war aus der sowjetischen Besatzungszone gerade die DDR geworden. Krieg und Elend, Zensur und Verfolgung, nationalistischer Größenwahn und Führerkult lagen gerade hinter - Mauertote, Staatssicherheit, Gelbes Elend, Mangelwirtschaft und neuerliche Zensur und Meinungsunterdrückung noch vor den Menschen. Wer heute sachlich auf die Zustände im Land blickt, muss erkennen, dass es viel zu verbessern gibt und dass wir neue Wege in die Zukunft finden müssen. Rückschritt, neue Ausgrenzungen, Theaterzensur und Hass gegen Minderheiten bedeuten allerdings keinen neuen sondern einen sehr alten und in leidvoller Erfahrung als untauglich bewiesenen Weg. Wenn heute Linke, Grüne, Sozialdemokraten, Freie Demokraten, Freie Wählergruppierungen, Kirchen, Verbände und völlig "politisch Unverdächtige" die Görlitzer Wählerinnen und Wähler dazu aufrufen, dem CDU-Kandidaten ihre Stimme zu geben, dann darf sich das für die AnhängerInnen sonst so unterschiedlicher Lager nicht merkwürdig anfühlen. Heute wird nicht über die Farbe des Fähnchens abgestimmt sondern über Zukunft oder Rückschritt, selbstbewussten Mut oder kleinbürgerliche Angst. Das kompromissbereite Streiten für ein freiheitlich-demokratisches Land ist bei aller Meinungsverschiedenheit im Detail so notwendig wie lange nicht. Und wir werden das sehr brauchen, egal wessen Jubelfoto heute Nacht durch die Medien geht. Grüße aus Zittau. Ich zähle auf Euch Freundinnen und Freunde. Und ich bin hier nicht der Einzige.












