Sommer 1981, 1970er Jahre und 22. Februar 2026
Die Rolltreppe im Hugendubel
Ich (*1966) bin zu Besuch bei Kathrin Passig in Niederbayern und erzähle ihr von einer Reise nach München, die mir meine Grosseltern zur Konfirmation geschenkt haben. Mein Grossvater wollte mir seine Lieblingsstadt zeigen, wollte dort mit mir im Hofbräuhaus Dampfnudeln essen, die Wolpertinger anschauen und noch so einiges mehr. Vor allem aber wollte er, dass ich die Rolltreppe in der 1979 am Marienplatz eröffneten Filiale der Buchhandlung Hugendubel kennenlerne.
Ich bin als Kind wohl sehr gerne Rolltreppe gefahren. In der Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin, gab es so etwas nicht (es gab notabene auch keine Verkehrsampeln). In Bern, wo die Grosseltern gelebt haben, gab es eine Rolltreppe im Warenhaus Loeb, die der Grossvater gerne mit mir rauf- und runtergefahren ist. Die Rolltreppe im Münchner Hugendubel sei mindestens doppelt so lang wie jene im Loeb, sagte mir der Grossvater bei jedem Besuch, und er werde sie mir zeigen, sobald ich konfirmiert sei.
Wenige Schritte vom Warenhaus Loeb entfernt befand sich das Sporthaus Vaucher und darin ein Paternoster, für uns eine Neuheit, trotz Technologie aus dem 19. Jahrhundert. Er wurde erst 1974 installiert, weil in dem denkmalgeschützten Gebäude für eine Rolltreppe zu wenig Platz war, und gehörte bis zu seiner Ausserbetriebnahme 2023 zum Kinderprogramm an schulfreien Nachmittagen.
Während ich das erzähle, sagt Kathrin „Aufschreiben!“ und sucht gleichzeitig das Internet ab. Die inzwischen längste Rolltreppe der Welt befände sich im chinesischen Chongqing, sei fast einen Kilometer lang und so hoch wie ein 80-stöckiges Hochhaus.
(Franziska Nyffenegger)













