Eindrücke aus Benin/Burkina Faso
Afrika mal anders. Unser erste Stopp war Cotonou, die größte Stadt Benins, wo wir im Diplomatenviertel wohnten. Janek selbst hatte, da sein Vater Entwicklungshelfer war, fast vier Jahre hier gewohnt. Das ganze ist eine europäische Parallelwelt mitten in der afrikanischen Großstadt. Wir stolzierten durch Supermärkte, kauften Kuchen in Bäckereien und gingen in überteuerte Restaurants. Fast vergaßen wir, dass wir überhaupt noch in Afrika waren. Besonders wenn ein protziger weiß-goldener Hummer an dir vorbei brummt.
Gonvié - das Venedig Afrikas. Na ja, eher Blechhütten auf Stelzen. Nur mit Booten zu erreichen.
Weiter ging es mit dem Bus in den Norden des Landes. Raststätte auf dem Weg.
Safari im Pendjari-Nationalpark. Mit einem rostigen Toyota-Bus fuhren wir über die endlosen Sandpisten. Beinahe bauten wir einen Unfall mit einem Elefanten und einer Büffelherde.
Grenzübertritt zum Zelten Nachts wollten wir am Ufer des Pendjari-Flusses zelten. Da das Wildzelten im Park verboten ist, setzten wir spontan mit einer Gruppe von Fischern über den Fluss über. Denn dieser bildet die natürliche Grenze zwischen Benin und Burkina Faso. Mitten in der Wildnis gibt es natürlich weder Grenzposten noch Grenzbeamte und die normale Bevölkerung schert sich sowieso wenig um “Grenzen auf dem Papier”.
In der Nacht sind die Tiere besonders aktiv und die Geräusche von Flusspferden, Hyänen und Elefanten begleiteten uns den Schlaf hindurch. Das Lagerfeuer glühte noch als die ersten Sonnenstrahlen uns im Morgengrauen weckten. Wir überquerten den Fluss erneut und stiegen in den Toyota Bus für den zweiten Safari-Tag.
Während sich der klappernde Reisebus die Schlaglochüberzogene Piste hochquälte, durchquerten wir die Savanne. Gerade noch dieimmer grünen Berge um uns und eine angenehm frische Brise in der Luft, die durch das Busfenster herein wehte. Doch je weiter es nach Norden ging, desto trockener wurde die Luft. Der Staub klebte an der Scheibe und die Leute wanden sich Tücher um die Gesichter, um sich zu schützen. Der Boden war sandig und nur noch vereinzelt fanden sich karge Bäume und Gestrüpp in der Landschaft. Riesige, voll beladende LKWs und Öllaster zäumten unseren Weg.
Die Luftfeuchtigkeit sank und sank. Am Abend erreichten wir Ouagadougou, die Hauptstadt Burkina Fasos. Die Stadt platzt aus allen Nähten, die Leute fliehen vor der Hitze der Trockenzeit in den Süden. Die trockene Luft mischte sich mit dem Smog der Millionenstadt. Meine Lippen waren spröde wie Beton und die Lunge wirkte schwer beim Atmen. Die ersten Ausläufer der Sahara waren nun keine 300 km mehr entfernt.
Alle zwei Jahre findet in Ouagadougou der Oscar Afrikas statt – das Filmfestivals FESPACO. Zwei Wochen lang werden afrikanische Filme in der Stadt gezeigt. Es ist das größte Kulturevent Afrikas. Wir waren zufällig am Wochenende der Preisverleihung in der Stadt. Eine Nacht zuvor jedoch waren bei einem islamistischen Anschlag auf einen Nachtclub im Nachbarland Mali einige Menschen ums Leben gekommen. Überall in der Stadt waren Soldaten postiert, da das Festival natürlich auch ein nettes Ziel abgab. Uns war ganz schön mulmig zu Mute, besonders als ein Jeep mit Geschütz vor unserem Hotel Stellung bezog und Soldaten mit Schutzwesten und AKs uns beim Frühstück beäugten.
Am Sonntag fuhren wir dennoch zur Preisverleihung in den Sportpalast von Ouagadougou. Leider kamen wir viel zu spät an – sogar für afrikanische Verhältnisse – und niemand wurde mehr hinein gelassen. Doch ein netter Wachmann winkte uns durch, während ungefähr zwanzig Schwarze hinter uns der Zugang verwehrt blieb. Ich schaute auf meine Uhr und wie immer war es weiß vor weiß. Drinnen ging ganz schön die Post ab und irgendwie war es ziemlich erfüllend wieder eine „richtige“ Show mitzuerleben angesichts der auf Trommelabende begrenzten Kulturerlebnisse in Togo.
Auch der frisch geputschte Übergangspräsident von Burkina Faso war bei der Verleihung und saß auf einem thron ähnlichen Sessel in der Ehrenloge. Wir wollten ein wenig näher an das Geschehen heran und gingen den Rundgang um die Halle entlang. Wir passierten einige Sicherheitsmänner, die sich wahrscheinlich wegen unserer Hautfarbe nicht die Mühe machten unsere Tickets zu checken und plötzlich befanden wir uns ebenfalls in der Ehrenloge. Keine zehn Meter entfernt von uns stand der Präsident und klatschte höflich, da die Verleihung zu Ende ging. Dann setzte sich sein Zug von Body Guards und Begleitern in Bewegung und er gab eine Pressekonferenz im Innenbereich der Halle. Völlig verdutzt standen wir nun ebenfalls vor dem Zugang des Innenbereichs und begaben uns unauffällig im Gewusel hinunter. Dort tummelten sich Regisseure, die Preise gewonnen hatten, und Journalisten und Kameramänner traten sich auf die Füße.
Trotz Terrorwarnungen und Hundertschaften an Soldaten hatten wir es also nicht nur geschafft in den abgesperrten und bewachten Innenbereich der Preisverleihung zu kommen, sondern auch in die unmittelbare Nähe des Präsidenten von Burkina Faso. Dabei hatten wir uns nicht mal die Mühe gemacht uns schick anzuziehen – wir trugen kurze Hosen, Tank Tops und Flip Flops bei der Preisverleihung.
Nach 24 Stunden Busfahrt kamen wir dann wieder in Lomé -Togo an.