Sehen lernen, was den westlichen Blick auf die Welt bestimmt: Philippe Descolas vergleichende Anthropologie des Bildes ist ein großer Wurf.
Bild- und Rechtswissenschaft
1.
Ich verwende den Singular, spreche also trotz Zusammenstellung zweier Wissenschaften von einer Wissenschaft. Das ist eine Wissenschaft, deren Grenzen durch sie gehen und die insoweit auf unstillbare Weise entzwei ist. Das ist die Rechtwissenschaft m.E. auch, auch da ist alles strittig. Das ist die Bildwissenschaft m.E. auch, auch da ist alles strittig. Ich habe auch nie behauptet, dass ich etwas vermehre. Ich mache Kontraktion und Distraktion mit.
2.
Durch diese Wissenschaft, durch die Bild- und Rechtswissenschaft gegen ihre Grenzen. Sie trägt Konflikte aus, sie händelt ihren und bestreitet ihren Gegenstand. Mir geht es nicht um eine Rückkehr der Bilder ins Recht. Die Idee er Bilderflut kenne ich, vor allem ihre lange Geschichte, es wäre lächerlich anzunehmen, dass die heute, vor 20 Jahren, vor 40 Jahren oder vor 400 Jahren begann. Das sagen Leute, die sind aber keine Historiker. Seitdem es Bilder gibt, fluten sie, das sagen Historiker und der These schließe ich mich an, welich die archäologischen Beweise plausibel finde. Wenn zum Beispiel in einer Höhle hunderte Bilder sich finden, aber kein Wort und dazu die Gerippe von sieben Menschen, dann fluteten vor 40.000 Jahren Bilder eine Höhle.
Seit einem Aufsatz über die Rückkehr des Bilderstreites (in: Die Sprachen des Rechts Band III) arbeite ich zur Geschichte und Theorie sowie zur Praxis des Bilderstreites. Ich halte für meine Arbeit nicht für hilfreich, zu unterstellen, dass Bilder kein Teil des Rechts wären oder dass Juristen am Bildwissen (oder Bildwissenschaft am Rechtswissen) nicht beteiligt wären oder nicht kooperien würden. Auch für die Moderne halte ich das nicht hilfreich, schon weil ich sonst das Projekt zu Aby Warburg gar nicht machen könnte. Darum widerlege ich nicht die Thesen des Juristen Klaus Röhl oder der Kunsthistorikerin Kirsten Marek. Ich widerspreche ihnen, aber widerlege sie nicht. Von ihnen diese Annahmen hilfreich sind, dann sind die ihnen hilfreich. Die beiden wollen sowoohl den Rechtsbegriff als auch den Bildbegriff ohne Überschneidung treffen, wollen die Moderne von Vormoderne klären. Das tue ich nicht, u.a. wegen der Argumente, die ich in Bildregeln entfaltet habe, die Vismann in dem Band zum Bildregime entfaltet hat oder die Latour in Wir sind nie modern gewesen entfaltet hat. Philpipe Descola ist ein wichtiger Autor.










