Deutschland, dein Müllproblem
In vielen Gesprächen habe ich festgestellt, dass den meisten Leuten gar nicht bewusst ist, was mit dem Müll in Deutschland geschieht und warum es eigentlich viel wichtiger, darüber Bescheid zu wissen, als man vermutet. Damit ich euch auch fundiertes Wissen präsentieren kann, habe ich intensiv recherchiert und versucht, so vertrauenswürdige Quellen zu finden, wie es mir nur möglich war.
So, nun hoffe ich, dass ihr euch von der Länge des Artikels nicht abschrecken lässt und ihn fleißig lest.
Was zählt wirklich unter Müll?
Das kommt je nach Sichtpunkt darauf an. Bei den meisten Statistiken und Studien wird damit lediglich der sogenannte Restmüll oder Hausmüll gemeint. Also alles, was in der schwarzen bzw. grauen Tonne landet und eigentlich nicht mehr verwertbar ist. Immer öfter wird aber auch der Inhalt der gelben Tonne bzw. des gelben Sacks dazugezählt.
Aber der Inhalt der gelben Tonne wird doch eigentlich recycelt?
Auch wenn wir unseren Plastikmüll fein säuberlich von allen anderen getrennt in die gelbe Tonne werfen, heißt es nicht automatisch, dass der Inhalt wiederverwendet, also recycelt werden. Laut Greenpeace werden in etwa 50% der in Deutschland gesammelten PET-Flaschen nach Asien verschifft, um die Fleece-Pullis weiterverarbeitet zu werden. Nur ein geringer Bruchteil des "gelben Mülls" wird wirklich weiter verwertet. Alles was zu verschmutzt ist oder "zu minderwertig", wird in die nächste Müllverbrennungsanlage gebracht und verbrannt. Da die meisten Müllverbrennungsanlagen mittlerweile auch absolut überdimensioniert sind, wird etwa 44% des Plastikmülls ohnehin schon verbrannt.
Greenpeace Magazin - Der Müll und die Mythen
n-TV "Müllrecycling gelingt nicht immer"
NABU: "Mehr Müllimporte – weniger Recycling"
Zeit.de "Verbrannt statt wiederverwendet
Warum bedeutet Müll gleich ein Problem?
Müll an sich ist nicht unbedingt das Problem, sondern das was daraus wird. Schaut mal draußen, beim Weg auf der Arbeit, zum Auto oder beim Gassi gehen, euch um. Wie viel Müll landet neben den Tonnen, in den Sträuchern oder am Fahrbahnrand. Gerade Plastikmüll verrottet so gut wie nie (siehe den Joghurtbecher von dem olympischen Spielen 1976), er zerfällt höchstens in kleine Partikel und Stückchen, die von verschiedenen Tieren aufgenommen werden.
Spiegel.de "Forscher weisen Plastik in Speisefischen nach"
Welt.de "Wer Fisch isst, konsumiert Mikroplastik mit"
Ist hier in Deutschland Müll ein wachsendes Problem?
Mittlerweile nicht mehr. Trotz steigender Wirtschaft, bleibt der produzierte Müll pro Kopf bei circa 450 kg. (siehe Greenpeace-Link weiter oben) Das bedeutet aber nicht, dass wir an sich nicht mehr Müll produzieren. Mit den 450 kg ist nur der Müll gemeint, der in der schwarzen Tonne landet. Der Plastik-, Papier- und Glasmüll ist dabei noch nicht mit eingerechnet. Die Menge an Müll, die in der gelben Tonne bzw. dem gelben Sack landet, wächst aber kontinuierlich. Das heißt am Ende, dass wir doch immer mehr Müll produzieren.
Warum sollte ich anfangen, weniger Müll überhaupt zu produzieren?
Der Müll aus der schwarzen Tonne wird einfach nur verbrannt, d.h. in Wärmeenergie umgewandelt. Der Wirkungsgrad der Müllverbrennungsanlagen liegt aber im Durchschnitt bei etwa 20 %. (siehe Greenpeace-Link weiter oben) Der Nachteil dabei ist aber nicht einmal der Wirkungsgrad, sondern dass die Ressourcen danach mehr oder weniger, einfach weg sind! Ein Teil der Schlacke, die nach dem Verbrennen übrig bleibt, kann, wieder mit Energie- und Ressourcenaufwand, zum Straßenbau verwendet werden.
Sollte ich dennoch weiterhin meinen Müll trennen?
Auf alle Fälle! Immerhin ein Bruchteil vom Plastikabfall wird wiederverwendet. Papier und Pappe kann im Durchschnitt zu 80% wiederwertet werden. Glas wird mittlerweile zu annähernd 100% wiederverwertet, ohne an seiner Qualität einzubüßen. Der Bioabfall wird zur Herstellung von Biogas und natürlichen Dünger genutzt. Gerade letzteres sorgt dafür, dass der Torfabbau für Dünger reduziert wird und somit unsere natürlichen Moore geschont werden.Informiert euch auch unbedingt darüber, was wirklich in welche Tonne gehört! Laut Restabfallstatistik 2013 der Stadtreinigung Leipzig, sind rund 42% der Abfälle der Resttonne organische Abfälle, d.h. Küchen- und Gartenabfälle. Die könnten wunderbar in die braune Biotonne. 8% sind Kunststoffverpackungen, die in die gelbe Tonne gehören. Ergo, nur mit richtiger Mülltrennung könnte man den Bedarf an Restmülltonnen in Leipzig halbieren.
Wie kann ich Müll vermeiden?
Am besten fängt man damit an, nichts mehr zu kaufen, was nur für den einmaligen Gebrauch da ist. Das sind zum Beispiel die kleinen Plastiksäcke beim Obst und Gemüse im Supermarkt. Das meiste muss nicht in eine Tüte. Die meisten Sorten haben ihre eigene Schutzhülle schon dabei. Zur Not tut es nach dem Abwiegen auch ein selbst mitgebrachter Stoffbeutel. Ein Kaffee to go muss auch nicht im Pappbecher getrunken werden. Es gibt tolle Thermobecher zu kaufen, die sehr lange sehr heiß halten (ooooh ja, fragt meine Zunge und Gaumen...). Der nächste Schritt ist dann zu überlegen, ob man wirklich Dinge wie Duschgel, Shampoo, Rasiergel und Co. in der Form benötigt, wie man sie aktuell in Drogerien zu kaufen bekommt. Ein Stück Seife tut es z. B. auch.
(Werbung - da Markennennung)