1985: Ich eröffne ein Konto bei der Post und kann jetzt mit der Postcard vom Automaten Geld beziehen. Besonders faszinierend: Auch aus Automaten in Spanien lässt sich mit derselben PIN (vierstellige Zahl) Bargeld holen, allerdings keine Schweizer Franken, sondern spanische Peseten.
1987: Ich komme aus dem Ausland zurück und lebe in einer Wohngemeinschaft. Ich kann mich vage daran erinnern, dass ich damals ein Konto bei der Zürcher Kantonalbank eröffnet habe, um die Miete überweisen zu können. Aber ich kann mich nicht an das Vorgehen erinnern, das Molinarius und Tilman Otter im Techniktagebuch beschrieben haben. Ich habe nie auf der Post Geld bar abgehoben und auf einer Bank wieder eingezahlt oder umgekehrt. Das einzige Geld, das ich der Post bar einzahle, ist das Fünflibergeld und das geht immer auf mein eigenes Konto. Für wiederkehrende Zahlungen richte ich Daueraufträge ein; einmalige Zahlungen überweise ich per Zahlungsauftrag. Vor dem Online-Zeitalter geht das so: Man entnimmt allen Rechnungen die beiliegenden Einzahlungsscheine, trennt die Girobelege ab, füllt noch nicht eingedruckte Felder manuell aus, zählt alles zusammen, schreibt die Summe auf einen Zahlungsauftrag und steckt alle Belege zusammen mit dem Zahlungsauftrag in ein vorfrankiertes Couvert. Manchmal ist in den Vermischten Meldungen zu lesen, dass solche Couverts aus den Briefkästen gefischt und die Belege ausgetauscht werden. Ich selbst hatte mit dem Verfahren nie Probleme.
1995: Ich arbeite in einem alternativen Lokalradio, das über die Beiträge von rund 2'000 Vereinsmitgliedern finanziert wird. Wir stellen den Zahlungsverkehr um von „grünen“ Einzahlungsscheinen auf „blaue“. In diesem Zusammenhang höre ich zum ersten Mal des Kürzel „ESR“ (= Einzahlungsschein mit Referenznummer). ESR steht für eine algorithmisch generierte Nummer auf dem Girobeleg des Einzahlungsscheins. Dank dieser Nummer lässt sich der Zahlungsverkehr automatisieren. Im Fall des Lokalradios müssen die Einzahlungen der Mitglieder nicht mehr manuell erfasst werden. Die Debitorenbuchhaltung wird massiv vereinfacht. Wir drucken nun individualisierte Einzahlungsscheine aus und erhalten von der Post regelmässig Daten-Files, die wir in unsere Mitgliederverwaltung (eine 4D-Anwendung für Apple) einlesen können. Wer bezahlt hat und wer noch nicht, lässt sich so ohne viel händische Arbeit kontrollieren. Probleme gibt es nur, wenn der Drucker die Referenznummer nicht sauber in das dafür vorgesehene Feld druckt.
ca. 1999: Aus Widerwillen gegenüber dem Bankenwesen löse ich mein Bankkonto auf und regle meinen gesamten Verkehr über das Konto der Postfinance. An Probleme beim Überweisen auf Bankkonten kann ich mich nicht erinnern. Das löst alles der ESR. Die Zahlungen gehen auf das Postkonto der jeweiligen Bank und von dort auf das Bankkonto der Rechnungsstellerin (siehe Abbildung).
2004: Ein Freund hat eine Möglichkeit (eine Filemaker-Anwendung für Apple) entwickelt, mit der sich so genannte EZAG-Files erstellen lassen. EZAG steht für „Elektronischer Zahlungsauftrag“. Ich erfasse meine Zahlungen offline, exportiere das EZAG-File, logge mich im Yellownet, dem Portal der Postfinance, ein und lade dort das EZAG-File hoch. Damit erspare ich mir viel Ärger, den unstabile Internetverbindungen verursachen können, wenn man gerade dabei ist seine Zahlungen zu erfassen. Um mich im Yellownet einloggen zu können, muss ich meine Yellownet-Nummer eingeben, ein Passwort sowie ein Zahl aus einer Abstreichliste (siehe Abbildung).
Irgendwann wird dieses System umgestellt. Alle Postfinance-Kunden erhalten ein gelbes Kästchen, in das man seine Postcard einschieben kann. Beim Einloggen gebe ich immer noch meine Yellownet-Nummer und ein Passwort ein, dann erhalte ich eine Nummer, die ich in das Kästchen eingeben muss, worauf das Kästchen das Passwort meiner Postcard einfordert, und mir dann eine Nummer ausgibt, die mir im Yellownet die Türe zu meinem Konto öffnet.
2017: Ich habe arbeitgeberwechselbedingt keinen File-Maker mehr auf meinem Rechner und erfasse Zahlungen fortan online. Die Verbindungen sind inzwischen so stabil, dass das kein Problem mehr ist. Die App der Postfinance auf dem klugen Telefon nutze ich nur, um hin und wieder meinen Kontostand abzurufen.