April 2025
Back to the Nineties
Seit 1997 arbeite ich in der Schweiz. Anfangs musste ich (das Techniktagebuch berichtete) meine Krankenkassenbeiträge vom Schweizer Girokonto bar abheben, auf die Post tragen und dort bar einzahlen. Die sonderbare Anomalie des Schweizer Finanzsystems, dass man zwar von Post nach Bank überweisen konnte, umgekehrt jedoch nur unter Schwierigkeiten, hat sich längst verflüchtigt, seit das Onlinebanking aus den Kinderschuhen gewachsen ist; seither geht alles.
2025 ist jedoch mein Problem, dass ich kein Schweizer Girokonto mehr besitze. Mitte der Zehnerjahre wurden die Schweizer Banken mit mehr oder weniger sanfter Gewalt dazu gezwungen, mit den deutschen Steuerbehörden zu kooperieren. Seither sind sie dazu übergegangen, von Kunden ohne Schweizer Wohnsitz schmerzhafte Extragebühren zu verlangen – ob wegen des erhöhten Aufwandes (wie sie behaupten) oder zur Strafe (wie ich argwöhne) kann dahingestellt bleiben. Ich wechsle zunächst zur Migrosbank, deren Zusatzgebühr mit 60 Franken im Jahr noch erträglich ist. Als ich jedoch ein Schreiben erhalte, dass die Gebühr ab sofort vervierfacht wird, wird es mir zu bunt, und ich kündige mein Konto.
Ich tue das online, und erwarte eigentlich ein Schreiben, dass die Bank irgendwie traurig ist, mich als Kunden zu verlieren, oder wenigstens eine Bestätigung der Kündigung. Nichts dergleichen, nach einigen Tagen ist das Geld unzeremoniell und kommentarlos auf meinem deutschen Konto.
Mein deutsches Girokonto habe ich bei der Sparkasse Lörrach, und es ist sozusagen binational – es hat eine deutsche und eine Schweizer IBAN, und mein Arbeitgeber kann mein Gehalt per einfacher Inlandsüberweisung auf das deutsche Konto zahlen, wo es zum Devisenkurs in Euro aufschlägt. Das funktioniert prima. Meine beruflichen Reisespesen in der Schweiz zahle ich mit Firmenkreditkarte, und die wenigen privaten Ausgaben, die ich in der Schweiz habe, kann ich mit der deutschen Kreditkarte begleichen. Das kostet ein bisschen Auslandsgebühren, aber nicht so viel wie mich ein zweites Girokonto in der Schweiz kosten würde.
Im Frühjahr 2025 komme ich jedoch in die Verlegenheit, Geld in die Schweiz überweisen zu müssen, eine Rechnung für ein Arztzeugnis in Höhe von 22 Franken. Der Versuch, diese Überweisung zu tätigen, macht mir erst bewusst, dass die deutsch-Schweizer Zwitternatur meines Girokontos nur in einer Richtung funktioniert. Eine Überweisung nach der Schweiz ist eine gewöhnliche Auslandsüberweisung und würde mich 27 Euro Gebühren kosten, was meiner Schwabenseele wehe täte.
Wenige Googleminuten später weiß ich jedoch die Lösung. Man kann, auch 2025 noch, mit einer QR-codierten Rechnung zum Schweizer Postschalter gehen, und den Betrag bar einzahlen. Gesagt, getan, ich gehe also zur Post und lege die Rechnung vor, gefasst auf eine neue Gebührenattacke. Aber nein. Es choscht nüüt.
Ich bezahle meine 22 Franken und gehe zufrieden meiner Wege.
(Tilman Otter)











