(...) Mit den Kindern ins Theater gehen, ist wie mit ihnen ins Restaurant gehen: Wir entscheiden uns für ein Restaurant. Wir reservieren einen Tisch. Wir ziehen uns um. Wir sind rechtzeitig da. Und vor allem, wir sind hungrig. Wer nicht hungrig ist, stochert lustlos im besten Essen herum, wackelt unruhig auf seinem Stuhl hin und her und ärgert sich darüber, dass nicht aufgestanden wird, bis alle aufgegessen haben. Wir sind hungrig, wir wählen ein Gericht aus und sind neugierig auf einen neuen Geschmack. Vorsicht! In manchen
Restaurants gibt es die Seite mit Kindergerichten. Meistens steht da: Nudeln mit roter Sauce, Fritten mit Ketchup oder Mayonnaise, Fischstäbchen mit Puree, Knackwürstchen mit Kartoffelsalat, dazu oft eine Cola oder süße Limonade gratis. Vorsicht! Wer ins Restaurant geht, um dort zu essen, was er immer isst, soll sich den Weg sparen. Wer ins Theater geht in der Hoffnung, Altvertrautes, Bekanntes, Abgelutschtes oder Wiedergekäutes anzutreffen, dem fehlt die wichtigste Voraussetzung; Hunger auf Neues, Unbekanntes,
Fremdes. Um diesem Konflikt zu entgehen, verkaufen manche Theaterleute den Kindern und Jugendlichen lieber Fischstäbchen. Ich vertrete die Auffassung, ihnen Fisch anzubieten und ihnen zu erklären, wie man die
Gräten vom Fleisch trennt. Frischer Fisch ist viel gesünder als Fischstäbchen, Er enthält viele lebensnotwendige Stoffe, weil in ihm das Lebewesen sichtbar ist, und deshalb erzählt er uns auch mehr über das Leben im Gegensatz zum Fischstäbchen, dessen Herkunft und Identität bis zur Unkenntlichkeit
verstümmelt sind. Die Voraussetzung ist aber immer Hunger, Hunger auf Neues.(...)