18. Januar 2020
Mit einem Anruf einen Menschen sprechen, der eine Schranke öffnet, aber so richtig mit Knopf und Kabel und so
Ich verlasse das Café in dem Städtchen, in dem der Kaffee noch in kleinen Kännchen serviert wird.
Bild: Kaffeekännchen auf dem Nachbartisch, heimlich, mit starkem Zoom und mit verschmierter Linse aufgenommen, daher bitte um Entschuldigung für das schlechte Foto
Kurz überlege ich, zu fragen, ob ich meinen Kuchen auch mit Karte bezahlen kann, aber zahle dann doch lieber gleich – um Diskussionen im Stile “aber nur ec-Karte“ oder ein aufwändiges “da muss ich erst die Kollegin holen, die kommt dann mit dem Gerät” zu vermeiden – bar. Ich folge im Dunkeln einem kleinen Weg und stehe plötzlich vor einer geschlossenen Schranke:
Das Schild, das auf dem Foto leider nur undeutlich zu erkennen ist, weist mich deutlich darauf hin, dass ich hier nicht einfach rüber gehen soll.
Genaueres Hinsehen zeigt mir, dass ich möglicherweise nicht den ganzen Weg zurückgehen und einen anderen Weg suchen muss, sondern dass es wohl eine andere legale Möglichkeit gibt, dieses Hindernis zu überwinden:
Eine Anrufschranke!
Auf dem Schild auf dem gelben Kästchen steht:
Bild: “Schranke wird auf Anruf geöffnet. Bitte Taste drücken. Bitte um Zuruf, wenn Übergang geräumt ist oder weitere Benutzer folgen.”
Ich drücke also den Knopf, der so aussieht, als sei er vor 20 Jahren mal rot gewesen, und es meldet sich ein echter Mensch. "Sigmaringe!" grüßt es mich aus dem Lautsprecher.
Ich sag: "Ja, äh, also, ich würd hier gern über den Bahnübergang"
"Ich mach gleich auf." Und dann geschehen Dinge! Es ist ein Wunderwerk von Technik, und es öffnen sich die Schranken – nur für mich.
Bild: Geöffneter Bahnübergang, Ergebnis meines Anrufs mit der Anrufschranke. (Der Fingerabdrucksensor, um mein Handy zu entsperren, ist direkt unter der Fotolinse angebracht, so dass ich ständig Fotos mit Schlieren drauf mache. Ich sollte dran denken, die Linse häufiger abzuwischen.)
Ich habe so etwas noch nicht erlebt und bin angemessen beeindruckt. Nicht nur die Zukunft, sondern auch Gegenwart und die Vergangenheit sind nämlich ungleichmäßig verteilt.
(Clemens Möller)














