Tag 648 / Zugehörig zwischen den Stühlen
"Die Zugehörigkeit (...) ist in hohem Maße eine persönliche Entscheidung." (NA “Nur für heute”-Buch)
Ich fühle mich sehr zugehörig.
Ich bin so froh, dass ich weiß, wo ich hingehen kann.
Ans Saufen gedacht. Trinkwunsch.
So geflucht wegen all dem Handwerkerdreck, Putzen und Räumen.
An Mary von der AA-Convention gedacht. (Tag 547)
Dankbar sein, dass ich eine Wohnung habe, einen Staubsauger, fließend Wasser, eine Gastherme...
Ich fühle mich so zugehörig,
dass ich vor Nicht-Süchtigen über meine Zugehörigkeit spreche,
dass ich mich nicht schäme für den NA-Schlüsselanhänger an meiner Laptoptasche, im Gegenteil,
dass ich die Einladung zur NA-Convention im Flur hängenlasse, egal welche Handwerker kommen,
dass ich meinen Tischnachbarinnen in der Klinik mitteile, jeden Freitagabend in Dresden zu AA zu gehen.
Ich fühle mich willkommen, richtig angenommen.
Und von Annahme spricht auch eine andere.
Ja, ich kann mich im Moment genau so annehmen:
Zu AA und zu NA gehend.
Keine Schritte arbeitend, mit keinem Sponsor verbunden.
Dienste nur vertretungsweise übernehmend.
Ich kann sogar annehmen, dass ich "Pillen schlucke".
Verteidigt hab ich das Donnerstag höchstenergisch, als einer von Psychiater- und Pharmaindustrie-Klüngel sprach.
Ich bin dankbar, dass ich so sein darf.
Dass die meisten anderen mich so sein lassen und ich mich momentan auch.
Ich finde es sogar sehr wichtig, dass nicht alle in AA und NA dogmatisch bestimmten Regeln folgen.
Dass genau die die Gemeinschaft öffnen.
Verbinden mit der "anderen Welt".
Auch ein anderer sprach heute offen darüber, keine Schritte zu schreiben.
Heute bin ich sogar so selbstbewusst, dass ich Leuten wir Kordula gern sagen würde: "Eure Engstirnigkeit verwehrt einigen die Genesung. Euer "Es geht nur mit Schrittearbeit.", "Es läuft alles so super, seit ich meinen Sponsor gefunden habe." verschließt einigen Suchtkranken da draußen all die Aspekte dieser Selbsthilfegemeinschaft, die mich trocken und clean halten und immer weiter wachsen lassen."
Fatal eigentlich, dass genau von diesen Anakondas viele Krankenhausarbeit machen, AA auf Entgiftungsstationen vorstellen und in Schulen.
Ich wüsste gar nicht, ob ich das dürfte bei der Art meines AA-Verhältnisses.
Und gleichzeitig weiß ich, gerade weil es so anders ist, könnte ich bei einigen noch Leidenden Vorurteile abbauen, Ängste mildern.
Ich schäme mich nicht, zu AA und NA zu gehen. Ich nenne das "hingehen", "Gruppen besuchen". Ich sehe mich sogar als "Teil von AA" und NA. Aber Mitglied? Mitglied möchte ich gar nicht sein. Das klingt mir zu sehr nach Verpflichtungen.
Und wie die Abstinenzentscheidung, ist auch die Zugehörigkeitsentscheidung eine persönlich getroffene.