Lügen, die angeblich im öffentlichen Interesse liegen, erweisen sich für gewöhnlich lediglich als im Interesse der Lügner liegend.
Ken Binmore: “Spieltheorie”, S.151
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Lügen, die angeblich im öffentlichen Interesse liegen, erweisen sich für gewöhnlich lediglich als im Interesse der Lügner liegend.
Ken Binmore: “Spieltheorie”, S.151
Oxytocin
Oxytocin wird oft als Bindungs- oder Liebeshormon bezeichent. Besonders für die Mutter-Kind-Beziehung ist es von zentraler Bedeutung*. Wird es ausgeschüttet, verringert es sowohl den Blutdruck als auch den Kortisolspiegel und wirkt daher beruhigend.
Auch bei der Vertrauensbildung nimmt Oxytocin eine Schlüsselrolle ein. Experimente des Verhaltensökonomen Prof. Dr. Michael Kosfeld zeigen, dass Versuchpersonen, die Oxytocin verabreicht bekommen, Fremden in spieltheoretischen Situationen eher vertrauen als es Versuchspersonen einer Kontrollgruppe tun.
*Übrigens ist es Oxytocin, das die Wehen der werdenden Mutter einleitet. Darüber hinaus regelt die Oxytocin-Konzentration auch den Milchfluss beim Stillen des Kindes.
Die Verwirrung hält sich hartnäckig, weil die Menschen nicht die richtigen Fragen stellen.
Ken Binmore: “Spieltheorie”, S. 248
Spieltheorie: Ein Anwendungsorientiertes Lehrbuch Download
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Das Lehrbuch vermittelt anhand einfacher Anwendungsaufgaben die spieltheoretischen Grundkonzepte und bietet den Studierenden die Gelegenheit, die Konzepte durch vertieftes Training zu verinnerlichen. Die Spieltheorie bzw. ihre Anwendung hat in den letzten Jahren einen enormen Bedeutungszuwachs erfahren und wird in einer Vielzahl von Lehrveranstaltungen…
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Wilde Experimente?
[aus: Im Wettbewerb II]
Nach dem eventuell etwas ungewöhnlichen Eingang in sozialphilosophische Probleme, deren Zentrum das wirtschaftliche Verhalten betraf, erlaube ich mir einen Blick auf experimentelle Studien zu werfen, die aus den Wirtschaftswissenschaften stammen. In der ökonomischen Forschung gibt es seit einigen Jahren Ausrichtungen, die menschliches Verhalten untersuchen. Dies ist auch in den traditionellen Sozialwissenschaften aufgefallen (vgl. z.B. Andreas Diekmann, 2008, Soziologie und Ökonomie: Der Beitrag experimenteller Wirtschaftsforschung zur Sozialtheorie, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 60, Heft 3, S.528-550). Ein Wirtschaftswissenschaftler, der sich in Deutschland für das experimentelle Verfahren eingesetzt hat, ist Armin Falk. Ihm dient es u.a. zur Überprüfung allgemeiner ökonomischer Annahmen (vgl. Armin Falk, 2001, Homo Oeconomicus Versus Homo Reciprocans: Ansätze für ein Neues Wirtschaftspolitisches Leitbild? Institute for Empirical Research in Economics University of Zurich, Working Paper Series, Working Paper No. 79). Experimentell sind die Verfahren, weil sie speziell mit Studenten als Probanden durchgeführt wurden und werden. Mehr als Tendenzen lassen sich meiner Ansicht nach nicht ablesen, auch wenn Laborbedingungen geschaffen werden. Eine Verallgemeinerung der Ergebnisse wäre meines Erachtens fahrlässig. Zudem werden Einstellungen über Entscheidungen abgefragt, auch wenn im Verlauf mit wirklichem Geld gespielt wird, die Aussagen darüber ermöglichen, wie es um Fairness bzw. Egozentrik zur Zeit t in der Region r und von Gruppe g bestellt ist. Einstellungen von Probanden können sich ändern, nicht nur zeitlich, sondern auch situativ: in einer lebensrelevanten Entscheidungssituation zu stehen, ist etwas anderes, als nach einer persönlichen Meinung gefragt zu werden. Dennoch sind die Ergebnisse der Experimente relevant, weil ökonomische Theorien häufig allenfalls in Beispielen empirische Bezüge ausweisen, als handle es sich bei den zentralen Thesen um gesicherte Informationen.
Armin Falk stellte die universelle Gültigkeit des sogenannten Homo Oeconomicus in Frage, eines eigennützig kalkulierenden Typus. Zu Recht betonte er: „Ob sich Menschen tatsächlich entsprechend der Homo Oeconomicus Annahmen verhalten, ist indes eine empirische Frage“ (vgl. ebd., S.1). Experimentell und spieltheoretisch tritt ein weiterer Typus hinzu, der ‚Homo Reciprocans‘, und Falk erläutert: „Unter Reziprozität wird ein Verhalten subsumiert, bei dem freundliches oder kooperatives Verhalten belohnt und unkooperatives oder unfreundliches Verhalten bestraft wird. Entscheidend hierbei ist, daß der „Homo Reciprocans“ auch dann belohnt oder bestraft, wenn dies für ihn mit materiellen Kosten verbunden ist“ (vgl. ebd.). Freundliches und kooperatives Verhalten fasst er in seinem Text auch als ein faires Verhalten, orientiert sich in dieser Hinsicht also umgangssprachlich. Falks Ergebnisse dokumentieren zunächst ein überwiegend reziprokes Verhalten. Doch sobald die Teilnehmer in ein soziales Dilemma geraten, würden die Entscheidungen vom institutionellen Umfeld abhängen (vgl. ebd., S.10-12). Diese Einschränkung findet in seiner Reihung von Implikationen kaum noch Berücksichtigung: die Liste beruht auf der Annahme einer „Co-Existenz von Homo Oeconomicus und Homo Reciprocans“ (vgl. ebd. S.13). Und im Hinblick auf seine politischen Handlungsvorschläge ergibt sich die Schwierigkeit, die Typen unter gesellschaftlichen Bedingungen zu differenzieren. Die universelle Relevanz des Homo Oeconomicus in Frage gestellt zu haben, war jedoch ein wichtiger Schritt.
Die thematisierten Verhaltensforschungen sind wirtschaftlich spannend, weil sie einen Blick auf mögliche Kunden und ihre Präferenzen erlauben, eventuell auch auf Mitbewerber. Der 2015 erschienene Bericht über eine Untersuchung an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena (vgl. Matthias-Wolfgang Stoetzer, Tom Blass, Anika Grimm, Robert Gwosdz, Jan Schwarz, 2015, Was ist fair? Echte und strategische Fairness in einem sequentiellen Ultimatum- und Diktatorspiel, in: Jenaer Beiträge zur Wirtschaftsforschung, No. 2015/1, econstor: Der Open-Access-Publikationsserver der ZBW.) ist interessant, weil dort in Studenten verschiedener Fachbereiche differenziert wird. Die Aussagekraft von Homo Oeconomicus ist ebenfalls beschränkt, wenn auch in unterschiedlicher Weise. Eine Vorteilsmaximierung kam für Studenten der Sozialwissenschaften am wenigsten in Betracht. Auf einen eigenen Vorteil bedacht war vor allem Studenten der Wirtschaftswissenschaften. Zwischen diesen beiden Gruppen lagen die Ergebnisse der Studenten der Ingenieurswissenschaften.
Es muss keineswegs verwundern, dass je dezidierter man untersucht, auch die Ergebnisse spezifischer werden. Der innerhalb der Ökonomie gleichsam alteingesessene Homo Oeconomicus ist alles andere als ein empirisches Modell, viel eher ein Ideal der Wirtschaftswissenschaften samt ihrer traditionellen Bezugsbeschränkung, in dieser formalen Hinsicht durchaus ähnlich unwissenschaftlich wie der sogenannte allgemeine Arbeitsbegriff von Marx. Doch Einwenden ließe sich immer noch, auch im Kontext der konkreteren Studien, dass es jeweils beiden Typen, ob Homo Oeconomicus versus Homo Reciprocans oder fairen verus kalkulativ eigennützigen Menschen verwehrt wäre, eilfertige Geschäftsabschlüsse zu erzielen. Um eine weltweite Finanzkrise hinlegen zu können, wären ganz andere Eigenschaften erforderlich, die sogar den unterkühlten Homo Oeconomicus überfordert hätten. Es wäre mindestens noch ein weiterer Typus spieltheoretisch und in massenhaftem Umfang relevant: der ‚Homo Homicida‘, der Killer! Dass auch dieser Typus wirtschaftlich relevant ist, kann die letzte Finanzkrise, die ab 2007 spürbar wurde, vermuten lassen. Und erst unter dieser Voraussetzung ließe sich die Annahme begründen, die Ökonomie sei keine esoterische Metaphysik, sondern auf dem Weg, zumindest spieltheoretisch eine empirische Wissenschaft zu werden.
[Der zweite Abschnitt eines neuen Projektes] Der dritte Abschnitt im Blog: http://kathrina-talmi.tumblr.com/post/139727170381/weitere-methodische-m%C3%B6glichkeiten
Spieltheoretiker ganz privat: Playin’ Hard.