Mai 2025
Pins und Needles
Ich musste 50 Jahre alt werden, um herauszufinden, dass Netzadapter total unterschiedlich sein können.
Mit Netzadapter meine ich hier Geräte, die Wechselstrom aus der Steckdose nehmen, und in irgendeine Art Gleichstrom verwandeln, der ein Endgerät betreibt. Bis eben war mir klar, dass man sich einen Adapter besorgen muss, der die richtige Spannung liefert, 9 Volt für ein 9V-Gerät, 12 Volt für eines, das 12V verlangt, und so weiter. Ausserdem muss der Adapter mindestens so viel Strom liefern, wie das Gerät verlangt. Es ist oft nicht einfach, Spannung und Stromstärke am Adapter abzulesen, weil es aus unerfindlichen Gründen in winziger Schrift dunkelgrau auf schwarz gedruckt ist, aber okay.
Ich wusste sogar, dass der Stecker, den man ins Endgerät steckt, die richtige Polarität haben muss, und dass es dafür eine klare Beschriftung auf dem Adapter gibt. Das ist alles schlimm genug! Ich habe alleine dafür schon mehrere Kisten voll mit Netzadaptern (nicht mitgezählt dabei die Kisten, die voll mit USB-Adaptern sind, was ein anderes grauenvolles Thema ist, was sollen unsere Kindeskinder von uns denken, wenn sie unsere Adapterkisten finden).
Was ich wirklich bisher nicht wusste: Die Stecker kommen in unendlich vielen Größen, bei denen sich der äußere und innere Durchmesser ganz leicht unterscheiden, wirklich ganz leicht, oft nur Bruchteile von Millimetern. Die Größe des Steckers steht oft nirgendwo, man muss es irgendwie erraten. Ob man daneben liegt, merkt man erst, wenn man versucht, den falschen Stecker ins Gerät zu stecken. Beziehungsweise geht es manchmal gerade so auch mit dem falschen Stecker. Good Lord!
Hier ein Beispiel: Die kleinen Korg-Synths brauchen 9 Volt und ganz wenig Strom. Ich kaufe irgendeinen 9V-Adapter, aber der Stecker passt nicht. Es ist ein Standard-Adapter, der in sehr viele Musikgeräte passt, unter anderem in Pedale von unterschiedlichen Herstellern. Aber Korg hat andere Ideen. Es stellt sich heraus, dass Korg nicht nur die Polarität andersrum macht, sondern auch einen etwas kleineren Stecker wählt. Die gebräuchlichsten Stecker sind 5.5 mm außen und 2.1 mm innen. Korg dagegen besteht auf 4.75 mm und 1.7 mm. Das sind wirklich nicht viele Millimeter Unterschied, aber es reicht. Die einfachste Lösung: Bei Korg ein überteuertes Netzteil bestellen, 20 Pfund für ein Gerät, das weniger als die Hälfte kosten dürfte. Aber dafür bin ich zu stur.
Ich verhandle lange mit Anbietern, die mir nicht sagen können, wie groß ihre Stecker sind, weil es NIRGENDWO STEHT. Am Ende kaufe ich bei ebay für zwei Pfund einen Adapter, von 5.5x2.1 auf 4.0x1.7, was zwar aussen ein wenig zu klein ist, aber es funktioniert. Schön sieht es nicht aus.
Adapter, soweit das Auge reicht. Die ganze Welt ist voller Adapter. Wieso wird das nie in futuristischer Literatur thematisiert? Die Nachwelt, denkt denn keiner an die Nachwelt.
(Aleks Scholz)










