Suchtfaktor: It's over 9000!
Herrlich. Die Sonne scheint, es herrscht eine angenehme Temperatur, die Blumen blühen und die Kinder spielen wieder draußen. Ja, so auf den ersten Blick scheint alles toll zu sein. Man darf sich eigentlich nicht beschweren. Eigentlich.
Man geht durch die Stadt oder man erinnert sich daran wie man mal durch die Stadt gegangen ist (Schließlich tippe ich gerade anstatt das Wetter zu genießen, duh.) und bemerkt erst gar nicht, wie oft die Hand ungewollt zum Smartphone langt. Vielleicht möchte man in dem Moment nur wissen, wie viel Uhr es ist, aber ist man nach dem gefühlt-schnellen Blick auch wirklich schlauer? Ich kann von mir behaupten, dass es nicht so ist. Außer ich sitze in der Schule. Da wird der Griff zum Handy zu einem undercover Akt. Da MUSS man sich merken wie viel Uhr es ist. Anders geht es gar nicht. Aber wie ist das, wenn man unterwegs ist? Angenommen du bist mit Freunden unterwegs und ihr setzt euch zusammen in ein Café. Nervt es nicht, wenn sofort das Smartphone ans Tageslicht befördert wird? Oder besser noch, es liegt direkt griffbereit neben dem Teller oder Drink. Man könnte ja schnell mal googlen, wie denn der Cocktail den man sich bestellen will zubereitet wird. Besser ist natürlich noch, wenn man sich dafür ein YouTube Video anschauen kann. Findet man dann noch eins indem akribisch erklärt wird, wie denn genau dieser Drink zubereitet wird, sodass man ihn selbst Zuhause machen kann, stellt man sich am Besten hinter die Bar und nimmt dem Barkeeper die Arbeit weg. („Dey'took his Jerb!“ - Wer es nicht kennt, shame on you! South Park sage ich nur.)
Nun gut, ich schweife ab. Aber ich gehe davon aus, dass ihr diese Situation doch irgendwie schon mal mitbekommen habt. Oder sagen wir besser, so ähnlich. Die Location könnte ja anders gewesen sein. Jedenfalls nervt es mich persönlich tierisch, wenn ich mich unterhalten möchte und ich anstatt des Gesichts meines Gesprächspartners nur die Stirn, Haare und die Arschseite des gewählten Smartphones sehen kann. Da kann ich schon mal lauter werden, wenn mein Gesprächspartner mich jedoch dann noch anzickt, ist es vorbei. Ein Abgang a lá Arthur Spooner ist dann definitiv angebracht. („Fahr doch zur Hölle!“ Nur um ein Beispiel zu nennen. Der Tisch oder MINDESTENS die Tischdecke samt Teller etc. sollte durch den Raum geschleudert werden.)
Leider muss ich selbst zugeben, ich bin NICHT unschuldig. Niemand von uns, wenn ihr mal ganz ehrlich seit. Wir haben es alle schon getan, da bin ich mir fast sicher. Ich kann nicht einmal mit meiner kleinen Cousine sprechen, denn die hat auch schon ein Smartphone. In ihrem Alter hatte ich jedenfalls keins und das hätte ich auch nicht gewollt. Leider ist es heutzutage nötig und absolut nicht mehr wegzudenken. Ich betone nochmal: Leider! Es ist beinahe PFLICHT ein Smartphone zu besitzen. Mann MUSS immer connected sein. Facebook, Instagram, WhatsApp, 9Gag, Twitter etc. etc. (Für Twitter habe ich mich gerade erst erwärmt, muss ich zugeben. Ist eben auch ein Muss, wenn ich anstrebe, dass das Zeug hier unter die Leute kommt.) Ich habe Leute in meiner Freundesliste, die ich teilweise nicht einmal leiden kann. Wie dumm das doch ist. Was interessiert mich denn bitte, wann und wo die ins Fitnessstudio gehen? Aber ich komme nicht von ihnen los. Von den Leuten, die ich nicht leiden kann. Wieso ist das so? Weil wir süchtig sind, meine Damen und Herren! (Gamer und Nerds, Außenseiter und Rebellen.) Ja, n' Druggie weiß bestimmt selbst, dass Heroin nicht gut für ihn ist und trotzdem konsumiert er das Teufelszeug weiter. Irgendwo weiß man, dass man aufhören sollte und es Zeit ist die Nadel- äh das Smartphone wegzulegen! Aber, meine Damen und Herren, wie bei einer Droge (Heroin, Kokain, Meth, Cloud Nine, Ganja, Ritalin, Kaffee, Nikotin - die Liste geht weiter und weiter...) kann man nicht „Nein!“ sagen. Das geht nicht. Man MUSS ja darauf zurückgreifen, anders geht es eben nicht. Auch wenn man nur mal eben auf die Uhr gucken möchte, ein Stoner kann auch nicht mal eben „N' bisschen kiffen.“ (Towelie and again: South Park.) Ich kann nicht einfach nur n' bisschen twittern. Ganz oder gar nicht! Und gar nicht ist in diesem Fall keine Option. So drastisch das klingen mag. Man verschwendet Zeit damit. Zeit, die man sehr viel sinnvoller investieren könnte. Ich könnte Zeit mit meiner Familie verbringen, wenn meine Geschwister denn nicht genauso süchtig wären. Gut, die wohnen auch teilweise woanders und da gibt es noch andere Faktoren die zu beachten sind, aber theoretisch gesehen, sollte ich Zeit mit meiner Familie verbringen. Mit meinem Hund spazieren gehen oder Freunde treffen.. You get it, right? Dann kommen die typischen Ausreden von Suchtis. „Quatsch, reicht wenn der Hund einmal rausgeht. Der muss nicht!“ Dabei kann man ganz genau sehen, wie das arme Viech die Beine zusammenkneift. Und das alles nur, weil wir süchtig sind.
Über das Thema kann man lange diskutieren und mich würde interessieren, wie ihr das seht. Stört es euch eigentlich noch? Oder ist das schon zum Standard geworden? Ich versuche mich jedenfalls in der Öffentlichkeit zu ändern, was meinen Internetkonsum angeht und meinen besten Freunden Respekt zu zollen, schließlich sind es ja meine Freunde. Von denen muss ich doch wissen wollen, was so abgeht, oder nicht? Kann doch nicht sein. Ich weiß alles über meine Feinde und vergesse meine Freunde. So weit darf man es nicht kommen lassen.
Schreibt mir eure Meinung zu diesem Beitrag und äußert eure Wünsche. Schließlich bin ich von eurem Support abhängig und schreibe gerne über Dinge/Themen die euch besonders interessieren.
P.S: Mach den PC mal aus, leg das Handy und den Controller weg, ruf deine Freunde mit dem Haustelefon an und klingel anstatt bei WhatsApp zu schreiben! Die können sich wahrscheinlich denken, dass du es bist.