Tag 2192 / Handlung Erzählstrang
Die psychisch und physisch stark deformierte und lädierte Agatha löst im Frühjahr 2014 auf eigenen Wunsch eine unbefristete Festanstellung in renommierter Firma auf, um einen ambulanten qualifizierten Alkoholentzug zu machen und andere Lebensbereiche, deren Entwicklung nicht ihren Erwartungen entsprechen (Gewicht, Single, Einkommen) zu ändern.
Mit dem ersten Vorhaben scheitert sie bereits am 4. Tag der Entzugsbehandlung.
Sie wirft den Plan, bis Sommer keinen Alkohol zu trinken, auch nach weiteren vier trockenen Tagen und einem dann erfolgten Rückfall über Bord und interessiert sich für das „Kontrollierte Trinken“.
Das muss man erstmal schaffen:
Nüchtern die eigene Biografie aushalten.
Als ich Donnerstagabend die Beschreibung des Films Goldener Handschuh las, den Handlungsstrang, da erkannte ich mich sowohl in Honka als auch in seinen Opfern.
Dem Alkohol zugewandt
Pech gehabt oder einfach kein Glück
Beruflich nicht viel auf die Beine gestellt
Bedürfnis nach Zweisamkeit, aber beim Sex kaum noch was spüren
Mit Gelegenheitsbekanntschaften nicht zärtlich sein können
Mit einen Holzlöffel penetriert werden
Für Sex im 5 Sterne Hotel Dinge gegen den eigenen Willen tun
Helge war meine letzte feste Beziehung.
Da habe ich oft ein so schönes, freies, losgelöstes Lächeln auf den Fotos.
So eine hübsche Frau!
Wahnsinnsfigur!
Ende 70, Anfang 80 Kilo bei 170 cm kann wundervoll aussehen.
Aber es fühlte sich nicht so an.
Ich fühlte mich damals auch zu dick.
Falsch
Unvollständig
Und der Helge sollte mir geben, was ich mir nicht geben konnte.
Bestätigung
Selbstbewusstsein
Dass ich mich sexy fühle.
So abhängig von seinem sich melden, von seinen Stimmungen.
Ich war auch innerlich für den zu groß.
Aber ich vermute keiner versteht, warum eine Frau wie ich so unsicher ist.
Unsicher-abhängige Persönlichkeitsstörung
Eine von diesen vielen Diagnosen, die ich bekam.
Ich bin meinen Eltern nicht böse.
Meine Mutter war immer da.
Die Klinik, die andere
Der Umzug
Da
Das will ja keiner hören.
Nick nicht, Frau Rescue nicht.
Aber das liegt ja alles ganz tief verwurzelt in mir.
Das Gestörtsein
Alkohol für alles nutzen.
Und jetzt nicht klarkommen nüchtern damit, mit dem eigenen Lebenslauf.
Wer so ist, kann keine langen, festen, guten Beziehungen führen.
Das ist ja nicht nur Symptom, sondern auch Ursache.
Es ist eine Spirale.
Keiner sagt mir nach dem Naseputzen: Du, da hängt noch was.
Das Kleid steht dir nicht mehr so gut.
Ich hätte ne Idee für deine Schuhe.
Innerlich verkümmern allein.
Und der eine sagt im Meeting: Ein Leben wie Gott möchte, das ich es lebe und dass ich mich dann auch am besten fühlen würde.
Und dass man wahrscheinlich nie dahin kommt, aber darauf hinstreben kann und so ähnlich hab ich es ja auch kürzlich von dem Rabbiner gelesen.
Dass die 613 Gebote eine Richtschnur sind, ein Geländer eine Hilfe, keine Strafe.
Nur weil es Alkohol gibt oder die Washington Bar oder den Goldenen Handschuh -
Niemand muss da hingehen.
Neulich, als ich krank war, hab ich nach wieder 50 bis 100 Männerbildern Durchklicken eeeeeeendlich mal was mit meinen Bildern gemacht.
Ein Album angelegt für Abzüge.
Aber zum Teil frage ich mich auch: Was will ich mit all den Bildern?
Noch eins von der Havel.
Meinen Vater in der Elbe begraben.
Der Exfreund mit auf dem Kutter.
Das glaubt mir niemand.
Screenshots vom Serienmörder.
Überidentifikation mit den psychischen Abgründen.
Hamburger Berg
Treffpunkt des sozialen Abschaums
Und dann kommen die studierten Werbefuzzis und assimilieren sich schnell.
Tränen, als ich den Edeka sehe.
Tränen, weil es egal wo hätte sein können, weil so viel Hoffnung in dem Neuen steckt, weil ich nicht groß durchgestartet bin.
Weil ich tief gefallen bin.
Ja, ich bin wieder aufgestanden.
Ja, das stimmt.
DBT-Playlist auf dem Musikabspielgerät mit Abstinenzgravur.
Je ne regrette rien
Sein Lied
Schad doch nichts
Nicht zu ändern jetzt
Erster Hotelsex mit einem aus dem Internet.
Zwei Astra zu Hause, drei bei ihm und dann noch mal zwei.
Die Simon-von-Utrecht-Straße entlang
Dann in die Hein-Hoyer
Und nur noch geradeaus
Zurück gegen zwei Uhr nachts auch zu Fuß
Nach der Trennung von Helge
Allein in die Washington Bar
Allein trinken gegangen
Mich cool gefunden
Lebensmüde
Jetzt
Je ne regrette rien
Nicht, dass ich da wieder hin will
Aber die Selbstvorwürfe helfen mir im Hierundjetzt nicht.
Den gedanklichen Elan nutzen
Fotos schreddern
Kleidung weg
Abstinenzkalender ab
Panorama Jerusalem übers Sofa
Oder doch woanders
Mit Vati in die Hafenstadt gefahren.
Ihn da gelassen.
Seine Mütze auch.
Katzi wieder mit zurückgenommen.
Katzi hat nichts mit der Hafenstadt zu tun.
Jetzt doch nochmal Tränen.
Wunder
Die Toten Hosen
Nick untern Tisch getrunken.
Aber er hat mich als treuster Blogleser der ersten Stunde wieder hochgezogen.
Auch mit Musik
Wie wahrscheinlich bleibt ein Alkoholiker trocken?
Und wie sicher ist der Tod?
Wie denkbar ist ein Leben ohne Alk?
Wie wahrscheinlich macht Abstinenz Spaß?
Stein Ingebrigtsen
Wir sind jung, wir sind frei
https://www.youtube.com/watch?v=jQ3tRUPKTHg