10.2.2017
Online-Führung durch’s Techniktagebo(o)t
Seit ein paar Tagen taucht einmal täglich neben dem bekannten Techniktagebuch-Radlader ein U-Boot auf. Nämlich der Techniktagebot. Er fördert via Twitter alte Beiträge zutage, die mindestens ein Jahr, aber auch viel länger zurückliegen. Virtualista hatte die Idee, einen solchen Bot zu programmieren, der dazu beiträgt, dass die vielen großartigen Beiträge, die zum Teil Jahrzehnte in der Vergangenheit liegen, nicht in Vergessenheit geraten. Seit ein paar Tagen läuft der Bot stabil, und es lohnt sich natürlich, diesem gleich zu followen.
In der ständigen Redaktionskonferenz ist das Interesse groß an diesem Bot, aber nicht nur an seinen Funden, sondern auch daran, wie er funktioniert. Und so kam es, dass Virtualista anbot, Führungen zu veranstalten. Heute fand die erste Führung via Google Hangout statt. Erst sehen die Teilnehmer sich zum Teil gegenseitig, dann ist mal alles grün, dann alles schwarz, irgendwo schnieft jemand, aber dann läuft alles rund, und es geht los.
Virtualista holt uns ab und wir steigen ins erste Unterdeck hinab. Wir entdecken eine Welt, die manche schlicht als Google-Skripte bezeichnen. Wir sehen den Programm-Code, der sich auf diverse Seiten verteilt. Es geht zunächst um verschiedene APIs von Twitter und Tumblr. Tumblr ermöglicht, einige Daten nach Beiträgen sortiert abzuholen. Diese werden in diverse Tabellenfelder geschrieben, aus denen dann die für den Tweet relevanten Daten wieder herusgesaugt werden. Eine schwierige Aufgabe, die quasi im Maschinenraum durchgeführt wird, ist dabei, die diversen Datumsformate, die die zahlreichen Autoren verwenden, zu verarbeiten (Beispiele: 29.01.1970, 29. Januar 1970, 29. Jänner 1970, 29-1-1970, 1-29-1970 usw. usf.). Dann muss natürlich eine Auswahl getroffen werden, wenn es mehrere Einträge für einen Tag gibt. Der Bot soll ja nicht dauernd den selben Beitrag posten, sondern in den nächsten hundert Jahren (oder wie lange er läuft) möglichst viele verschiedene.
In der Kombüse wird dann aus den zurechtgelegten Daten ein Tweet zusammengerührt, der natürlich nicht mehr als 140 Zutaten, äh Zeichen haben darf. Dieser wird an die Brücke weitergereicht, wo der Tweet abgenickt und zum Funkraum gegeben wird, um ihn mittels der Twitter-API durch den Äther in die weite Welt hinaus zu tragen.
Ich höre zum ersten Mal davon, wie man Skripte schreibt, die irgendwas im Internet machen. Schon lange habe ich mich gefragt, wie das eigentlich konkret geht. Nun bin ich wenigstens etwas schlauer und habe eine gewisse Vorstellung davon, was da auf unserem “Techniktagebuchkutter” so vor sich geht. Andere Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Hangout haben deutlich mehr Ahnung davon und stellen Detailfragen, warum dies so und das nicht so ist. Ich bin fasziniert davon, dass man sowas mal eben einfach macht und werde in der kommenden Nacht von possierlichen U-Bötchen träumen, die kurze Techniktagebuch-URLs an die Oberfläche des Internet-Ozeans blubbern.
(Markus Winninghoff)








