"Bist du verrückt? Bist doch keine Maschine!", sagte sie zu mir, als ich Ihr antwortete, dass ich 14 Stunden durchgefahren bin. Sie lachte irgendwann und Ihr Lachen klang aus tiefstem Herzen ehrlich.
Es gibt Dinge, auf die bin ich stolz, ohne dass man Stolz darauf sein kann. Ich mein, es ist mehr als krank, 14 Stunden am Stück Auto zu fahren. Doch das, worauf ich stolz bin ist nicht das kranke an der Sache, sondern das ich so intensiv durch das "gegen die Müdigkeit ankämpfen" abgelenkt bin, dass mein Kopf irgendwann nicht mehr so laut zu mich durchdringt. Jeden Tag kämpfe ich mit den Nachfolgen vom Überfall, es sind schon Kleinigkeiten wie ein "knallender Motor", bei dem ich aufschrecke, dabei waren es Messer und keine Pistole. Mein Kopf gibt damit keine Ruhe, dabei versuche ich es in der Therapie zu verarbeiten. Ich versuche tagtäglich die Erinnerungen zu unterbinden. & mein Kopf führt Verbindungen ein, die es nicht gegeben hat. Ich weiß das. Mein Körper weiß das. Doch mein Kopf sagt auf einmal "Genau so war es, also hab gefälligst Angst davor!" & mein Körper reagiert. & in diesen Momenten bin ich der Welt komplett ausgeliefert. Jeder sieht, wie ich zusammenschrecke, entweder spontan schnell laufe oder mir "sichere Orte" suche. Jeder sieht, wie unsicher ich seit dem Raubüberfall in dieser Welt bin. Wie ich Angst habe. Wie ich schamlos ausgeliefert bin. Wie mein Selbstwertgefühl von einem, auf den anderen Moment schwindet.
& dann weiß ich "Ich bin keine Maschine". Da hat sie recht. Ich bin keine Maschine. Ich bin lediglich ein Geschädigter dieser Gesellschaft, dieses Raubüberfalls, der seinen Körper zwingt, aufzugeben, vor Dingen Angst zu haben, die Ihm vorher auch keine Angst gemacht haben.
Ich bin keine Maschine. Ich bin lediglich ein Geschädigter dieses Raubüberfalls, der Tag für Tag dafür kämpft, dass er endlich sein Schmerzensgeld und die Opferentschädigung bekommt.
Ich bin keine Maschine. Ich bin lediglich ein Geschädigter dieses Raubüberfalls und stürze mich in die Arbeit, da ich keine Konzentration seit dem Raubüberfall für das Studium habe.
Ich bin ein Geschädigter.
Ich habe Dinge durchlebt, die mich mehr und mehr zu Fall brachten.
Du hast recht, ich bin keine Maschine. Das muss ich einsehen und mich um meinen Körper kümmern.
Manchmal ist es nur ein Satz in einem 30-minütigem Gespräch, der einem Menschen mitteilt "Ich mach mir Sorgen um dich, denn du bedeutest mir was."
- eigenes @chrisneedshugs