Das Information-seeking and communication model (ISCM) von Andrew Robson und Lyn Robinson
Andrew Robson, Lyn Robinson (2013) Building on models of information behavior: linking information seeking and communication. In: Journal of Documentation. Vol. 69 Iss: 2. (Early Cite / Preprint) Zentrale Erkenntnis: Die AutorInnen führen bestehende Modelle des Informationsverhaltens (Information Behavior) und Modelle zur Informationsvermittlung (Information Communication) zu einem weiteren übergeordneten Modell zusammen, das sie Information-seeking and communication model (ISCM) nennen. Sie versuchen dabei, die vorwiegend auf die Informationssuche gerichteten Modelle aus bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Bereich mit Modellen aus der Kommunikationsforschung zu verbinden. Anspruch des ISCM ist eine aufgeschlüsselte Relationierung sowohl der Informationsnutzer wie auch der Informationsanbieter, von Informationsprodukten und den jeweilig spezifischen Kontexten.
Elemente des Informationsverhaltens nach Robson und Robinsons ISCM
Handlungsumwelt (Context)
demographische Merkmale
(individuelle) Expertise
psychologische Faktoren
Informationsbedarf bzw - bedürfnisse und -ziele
Ziele, Bedürfnisse und Bedarfe der Informationsanbieter und -vermittler
Faktoren, die das Informationsverhalten (de)motivieren
prozessspezifische Merkmale der Informationssuche
Eigenschaften der Information und Informationsquellen
Integrierte Modelle 1. David Ellis‘ Framework of Information-Seeking Behavior
Das beschreibt individuelles Verhalten bei der Informationssuche (Information Seeking) nach Handlungsformen.
Es enthält keine Aussagen zu Handeln und Rolle von Informationsanbietern
Es berücksichtigt nicht den der Informationssuche zugrunde liegenden individuelle Informationsbedarf (Anlass) sowie den Umweltzusammenhang, in dem sich dieser Bedarf einstellt.
2. Carol Kuhlthaus Information Search Process (ISP)
Das Modell beschreibt den Prozess der Informationssuche als Folge aufeinander aufbauender Stufen.
Das Modell differenziert die Informationsbedarfe.
Ein Defizit des Modells ist die mangelnde Integrierung in übergeordnete Zusammenhänge (larger context).
3. J. David Johnsons Comprehensive Model of Information Seeking
Das Modell beschreibt sieben Faktoren und drei Cluster, aus denen die vorgelagerten Essentiale der Informationssuche (demographisch, Erfahrungs-, Relevanz- und Vorannahmen basiert) ableitbar sind.
Das Modell beschreibt die Rahmenbedingungen der Informationssuche, jedoch nicht detailliert deren Ablauf.
Johnson selbst wird mit der Einschätzung zitiert: „The CMIS is oversimplified by design.“
4. Paul N. Gormans [Information Seeking in Primary Care] Model
Der Zielgruppe (Medizinern in der Erstversorgung) entsprechend ist das Modell primär problemlösungsorientiert.
Neben der aktiven Informationssuche werden auch Alternativverfahren benannt (Abwarten (watchful waiting), Überweisen zu Spezialisten).
5. Kalervo Järvelins und Peter Ingwersens Cognitive Model
Der Ansatz bezieht den Aspekt der Kommunikation (als Ergänzung der Suche) sowie Informationsanbieter und professionelle Informationsvermittler und Communities, also eine überindividuelle Dimension, ein.
Das Modell betont die Rolle der jeweiligen Kontextualität der Kommunikationshandlung: „Authors are influenced by their context to communicate information and the recipients interpret the information according to their context.”
6. T.D. Wilsons Modelle
Wilson definiert als Basis seines Ansatzes drei menschliche Elementarbedürfnisse, die Informationssuchverhalten auslösen (physiologische, emotionale, kognitive).
Er spricht nicht von Informationsbedarf sondern von Informationen zur Befriedigung von Bedürfnissen, wobei diese von der Umwelt und der Rolle der Akteure als „person in context“ bestimmt wird. Bedürfnisse müssen nicht zwangsläufig informationelles Handeln nach sich ziehen.
Die drei Modelle sind aus unterschiedlichen Blickwinkeln (Information Seeking , 1981; Person in Context, 1996; Channels of Communication, 1999) stark auf die Akteure und ihre Bedürfnisstruktur gerichtet und in miteinander verschränkt.
7. Gehard Maletzkes Psychologie der Massenkommunikation (1963)
Maletzke entwirft ein komplexes, sozialpsychologisch grundiertes Modell, dass sowohl die individuellen und kontextuellen Faktoren für das Handeln auf Sender- und Empfängerseite wie auch Kanal und Botschaft mit ihren die Kommunikationsmöglichkeiten regulierenden Eigenschaften berücksichtigt.
(Für die Details der Elaboration des ISCMs sei ausdrücklich auf die Lektüre des referierten Aufsatzes verwiesen.)
(bk)













