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Ein kurzer Hinweis: Morgen findet die erste Veranstaltung des Potsdamer Informationswissenschaftlichen Kolloquiums der Fachhochschule Potsdam (Fachbereich Informationswissenschaften) für das Wintersemester 2019/2020 statt. Christiane Behrendt von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg wird über das Konzept der Relevanz aus Sicht der Informationswissenschaft sprechen. Die weiteren Themen und Termine: 25.10. Peer Trilcke - Substanz und Perfomanz des Archivs 30.10. Linda Freyberg - Ikonizität der Information: Vollständigkeit, Verständlichkeit und Kontextualisierung als Grundprinzipien der Visualisierung 13.11. Marcus Grum: Wissenstransfer und Wissensklebrigkeit 27.11. Sören Auer: Wissensgraphen für semantische Informationsflüsse in Technik und Naturwissenschaften 11.12. Wolfgang Hofkirchner: Unified Theory of Information als Kern einer Science of Information 08.01. Rüdiger Hohls: Historische Fachinformation und -kommunikation jeweils mittwochs ab 17:15 (red)
„Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“ (Henry Ford)
Blog. Dieses kleine Wort und Selbstverständlichkeit für eine ganze Generation hält mich momentan ganz schön in Bewegung. Bewegung ist auch das Stichwort. Im Gegensatz zur klassischen Webseite hat ein Blog, oder auch das Blog, eine eigene Dynamik. Mein Blog wird als Dokumentation für Webtechnologien und Informationssysteme fungieren. In unserer heutigen Informationsgesellschaft für mich eine persönliche Herausforderung. Das muss ich zugeben.
#00-1th Dataupload
Hallo Welt!
Mit diesen Worten, so glaube ich, fängt jeder an der das Programmieren lernt. Doch dieser Block soll sich nicht nur mit diesem Thema beschäftigen, sondern auch das weite Feld der Informationswissenschaften beleuchten. Was sind überhaupt Informationen und wie werden diese vermittelt? Und was ist das überhaupt: Informationswissenschaften?
Dieser Blog soll keinesfalls ein journalistischer Wissenschaftlicher Blog sein, er ist vielmehr eine Ansammlung an Gedanken eines Studenten der Technik begeistert und an der Welt interessiert ist.
Was für Themen werden vermutlich behandelt:
- Politik
- Technik
-Archiv, Bibliothekstemen
- Programmieren
- Schauspiel
- Sozialpädagogik
Zu mir: Ich bin ein junger Potsdamer Student und studiere Informationswissenschaften ( Bereich: Bibliotheksmanagement) ich habe einen Sozialpädagogischen background und bin sehr stark im Schauspiel- und Kulturbereich tätig.
Was aus diesem Blog wird werde ich sehen, lasst euch einfach überraschen und versucht meinen Gedanken hier zu verfolgen. :-)
Zitat des Tages: Niels Ole Finnemann über die Herausforderung der Archivierung digitaler Inhalte.
Niels Ole Finnemann (2017): Hypertext configurations: Genres in networked digital media. Journal of the Association for Information Science and Technology, 68: 845–854. doi:10.1002/asi.23709
In einem Aufsatz in der aktuellen JASIST-Ausgabe reflektiert der dänische Informationswissenschaftler Niels Ole Finnemann über die zentrale Herausforderung für Bibliothek und auch Archiv, wenn sie sich mit digitalen Materialien befassen. Gemeint sind die den gegenwärtigen digitalen Kommunikationsstrukturen grundlegend eingeschriebene Veränderlichkeit und Relationalität und nicht zu vergessen die Herausforderung des nicht minder veränderlichen Phänomens des Interfaces, das vom eigentlichen Inhalt abgetrennt als Interaktionsfläche zwischen Mensch und Inhalt steht. Es übernimmt damit in gewisser Weise die Rolle des Trägers, allerdings immer temporär, instabil, ohne direkte Einschreibung und prinzipiell austauschbar. Die entsprechende Hardware spielt zudem auch noch eine Rolle. Wie Bibliotheken und Archive diese Konfigurationen sichern, über lange Sicht aufbewahren sowie schließlich verfügbar halten, ist das zentrale Problem für aktuelle und mehr noch kommende digitale Bibliotheken und die Bibliothekswissenschaft. Und dazu eine sehr notwendige, sind diese Daten und Interaktionsstrukturen doch das, was weite Teile der Gegenwartskultur auszeichnet. Wer zukünftig Aussagen über die digital geprägte Kultur der aktuellen Gegenwart treffen möchte, braucht dieses Material als Analyse- und Forschungsobjekt. Kultur- oder auch Politikwissenschaften sind dabei nur die naheliegensten Adressaten. Dass Dienste wie das Internet Archive nicht mehr als eine erste - und äußerst wichtige - Annäherung darstellen, zeigt sich bei der Nutzung solcher Angebote, die sehr schnell Bestandslücken und unvermeidliche Darstellungsfehler aufzeigt. Die Dynamik und daraus folgende Effekte, die Social-Media-Anwendungen in die Diskurse und Kulturen einprägen, wird ohnehin so gut wie nicht erfasst. Entsprechend formuliert Niels Ole Finnemann nicht weniger als die Forschungsfrage für die Bibliotheks- und Informationswissenschaft und im Grunde auch für eine digitale Archivwissenschaft, wenn er schreibt:
Hypertext systems are inherently unstable, and the instability increases due to an increase of sources incorporated in the configuration. Thus, the question is raised as to how they should be documented, what can be preserved, and who should be responsible for the preservation. As Facebook is increasingly used as a forum for public debates, intermingling with Twitter, Instagram, mass media, and so forth, it also raises issues of how to archive such materials in ways that actually allow us to study these distributed public fora of relevance for writing or for otherwise visualizing the history of the 21st century.
Zu ergänzen wäre, dass neben der Auseinandersetzung mit den technischen Bedingungen auch eine mediensoziologische Frage eine zentrale spielt, nämlich wie sich die Einstellungsmuster von Kultur, Gesellschaft und Individuen zu viel stärker volatil ausgelegten Aufzeichnungs- und Kommunikationsformen (Stichwort: Snapchat) entwickeln. Parallel differenzieren sich nahezu beliebig viele Wissens- und Kommunikationskulturen, während die Idee des Kanons erodiert. Die Partikularisierung auch dessen, was lange als Massenmedien verstanden wurde, rückt die soziale Dimension von Information als eine zentrale Stelle.
Genaugenommen müsste man daher, um ein Kommunikationsgeschehen zutreffend analysieren zu können, mehr denn je alle drei semiotischen Bausteine von Kommunikation erfassen und möglichst archivieren: die Zeichenebene, die Bedeutungsebene (Mapping von Zeichen und Konzepten) sowie die pragmatische Ebene, also die jeweiligen Einstellungen von Adressat und Empfänger zu einer Botschaft (und nicht zu vergessen ihre Kommunikationskompetenzen). Dass wir derzeit hauptsächlich an Strategien für die Zeichenebene arbeiten, während sich die beiden anderen Ebenen möglicherweise auch grundsätzlich und dauerhaft einer unmittelbaren Aufzeichen- und Archivierbarkeit entziehen werden, ist klar. Aber es scheint dennoch möglich und als Forschungsziel sinnvoll, semantische und pragmatische Kontextangaben zu explizieren und zu erfassen. Eine sich daraus ergebende Aufgabe für Bibliotheks- und Informationswissenschaft wäre folglich, Verfahren zu entwickeln, die es ermöglichen, diese sich entziehenden Ebenen mit den Möglichkeiten, die Zeichen und explizierte Relationen bieten, praktikabel und möglichst eng einzukreisen, zu dokumentieren und zu überliefern.
(Ben Kaden / Berlin, 11.04.2017)
Rezensionen können als Teil der Fachinformationsversorgung verstanden und verwendet werden. Meint Jan Brademann.
Jan Brademann: Für eine informationswissenschaftliche Aufwertung von Rezensionen. In: Information - Wissenschaft & Praxis, Band 68, Heft 1, Seiten 38-46. DOI: 10.1515/iwp-2017-0001
Kernaussagen
Rezensionen lassen sich in vielen Fächern (insbesondere den so genannten Buchwissenschaften) als wichtiger Baustein der wissenschaftlichen Informationsversorgung (bzw. Fachinformation) sehen.
Ihre Bedeutung für die Filterung von Informationen bzw. des Publikationsaufkommens ergibt sich aus ihren Funktionen einer "institutionalisierten Kritik" sowie der "kontextuellen Einordnung in die Forschungslandschaft".
Die Informationspraxis soll daher Rezensionen auch aus dokumentarischer Sicht, also als Dokumentationseinheiten, berücksichtigen.
Für Bibliotheken empfiehlt sich eine kontextnahe Abbildungen von Publikation und dazugehöriger Rezension zum Beispiel in Online-Katalogen. (Catalogue Enrichment)
Aus informationswissenschaftlicher bzw. dokumentationstheoretischer Sicht ist es in diesem Zusammenhang notwendig, den Anspruch der Objektivität des Abstractings zu relativieren.
Der Autor sieht eine "hermeneutische Wende" in der Informationswissenschaft im Anschluss an die Arbeiten von Rafael Capurro und Birger Hjørland, die einen offeneren Umgang mit der Rezension als wissenschaftlicher Kommunikationsform aus Perspektive der Fachinformationsversorgung begünstigt.
Der Autor regt zudem an, disziplinär spezifische Formen eines review behavior als Teilkonzept des information seeking behaviour zu untersuchen.
(red. 14.03.2017)
Social-Media-Daten sind das Forschungsmaterial zukünftiger Geschichtswissenschaften. (+ zwei Herausforderungen für die Bibliotheks- und Informationswissenschaft.)
Eine Notiz zu:
Jenna Wortham: The internet as an archive of history. In: International New York Times, June 25-26, 2016, S.11 und 14
von Ben Kaden (@bkaden)
Sehr sicher weder als einziger noch als erster betone ich regelmäßig das Verständnis, dass die digitalen Kommunikationsdaten, die in der Gegenwart in die Social-Web-Strukturen einfliessen, naheliegend und eher früher als später relevante Forschungsdaten und -korpora für Kultur-, Sozial- und Sprachwissenschaften und sicher auch für eine Vielzahl weiterer Forschungsbereiche werden dürften, (die vermutlich, ich bitte um Nachsicht für diesen Griff in die Wortspielkiste, nicht unter dem Label der Social-Mediaevistik operieren werden..).
Entsprechend angenehm bestätigt fühlte ich mich, als ich in der Samstagsausgabe der International New York Times unter der Überschrift The internet as an archive of history diese Position noch einmal ausformuliert las. Jenna Wortham schreibt:
“Social media might one day offer a dazzling, and even overwhelming, array of source material for historians. Such an abundance presents a logistical challenge (the total number of tweets ever written is nearing half a trillion) as well as an ethical one (will people get to opt out of having ephermal thoughts entered into the historic record?) But this plethora of new media and materials may function as a totally new type of archive: a multidimensional ledger of events that academics, scholars, researchers and the general public parse to generate a more prismatic recollection of history.”
Wie nebenbei findet sich in dieser kurzen Passage eine Forschungsperspektive jeweils sowohl für die Bibliothekswissenschaft wie auch die Informationswissenschaft formuliert. Die Bibliothekswissenschaft als Disziplin, die sich mit der Organisation der Sammlung, Organisation und Zugänglichhaltung publizierter / aufgezeichneter Kultur beschäftigt, muss sich zwangsläufig mit digitalen Spuren befassen, was sie unter dem Label “Digital Library” auch seit mindestens zwanzig Jahren intensiv tut. Dabei hebt sie allerdings noch selten ihren Blick über digitale (potentielle) Verlagspublikationen hinaus. Social-Media-Kommunikationen sind zugegeben schwerer greifbar und kaum mit bestehenden Bestands- und Nachweisstrukturen integrierbar. Das dürfte aber für jede kommende genuin digitale Publikationsform (Stichwort: Enhanced Publications) gelten. Social-Media-Plattformen sind, wie man auch an Trends des digitalen Journalismus sieht, eine mutmaßlich kommende dominante Form auch des formalisierten bzw. professionellen Publizierens, oft mit sehr direktem Diskursanschluss. Für Gedächtnisinstitutionen wird es unvermeidlich, auch Texte von Plattformen wie medium.com in einer angemessenen Form zu erfassen, nachzuweisen und zu archivieren, wenn sie ihrer Aufgabe perspektivisch gerecht werden wollen.
Für die Informationswissenschaft und ihr Untergebiet Informationsethik benennt Jenna Wortham eine sich aus diesem Zusammenfließen von formeller und informeller Kommunikation ergebende Herausforderung, die bereits in der Phase der Bibliothek 2.0 (also circa 2004-2008) an- aber nie befriedigend ausdiskutiert wurde: Nach welchen Kriterien und in welchem Umfang werden digitalschriftliche Äusserungen Teil des systematischen digitalen Kulturspeichers? Opt-out-Optionen finden sich bestenfalls in den Privacy-Einstellungen der Social-Media-Plattformen, dort allerdings aus anderen Gründen. Generell scheint sich das Bewusstsein, dass Tweets und Postings sammelns- und archivierenswerte kulturelle Aufzeichnungen, bei vielen Beteiligten noch wenig durchgesetzt zu haben, was der von der Autorin des INYT-Artikels gewählten Konjunktiv auch irgendwie unterstreicht. Für den diskurshistorisch bewussten Beobachter ist freilich sofort einsichtig, wie wir, wenn wir Social-Media-Kommunikationen nicht bewahren, auch eine große Menge von Information zum Verständnis des frühen 21. Jahrhunderts verlieren. Das betrifft nicht allein die Inhalte selbst, sondern auch die Mechanismen und Dispositive der Etablierung und Dissemination von Themen in öffentlichen Diskursen. Medienhistorisch ist das #Hashtag vermutlich eine Innovationsleistung, die es mit der Einführung der Paginierung (oder passender, vielleicht, des Indexes) in die Buchkultur aufnehmen kann.
Finden wir einen Weg, die Vielfalt dieses Kommunikationsaufkommens mit seinen Referenzstrukturen zu bewahren, dann lässt sich die aktuelle (digital)kulturelle Gegenwart in einer Plastizität dokumentieren, wie es vermutlich noch nie möglich war. (Allein die Wikipedia ist schon ein erheblich Schritt in diese Richtung und weg vom unvermeidlich sehr engen Kanon der Enzyklopädien.) Die gewiss auftretenden Effekte einer medienstrukturellen Homogenisierung (=alle benutzen den selben technischen Darstellungsrahmen) fügen zweifellos eine weitere informationsethische Aufgabe hinzu: Wie sichern wir, dass auch nicht digital vorliegende Kulturelemente Teil der Überlieferung werden? Hier ist eine Überlieferungsethnologie mit einer entsprechenden Dokumentationskompetenz gefragt. Abgesehen davon zeichnet sich, so kann man jedenfalls Jenna Wortham interpretieren, ein kommendes, wahrlich postmodernes Archiv ab:
“We’ve long known that this is how human history works - an unimaginable number of small stories, compressed into one big one. But maybe now we finally have the ability to record and capture them all, and history can become something else entirely: not a handful of voices, but a cacophony.”
Es wäre - erstens - spannend zu sehen, welche Art von Gesellschaft, welche Identitätsmuster aus dieser Vielstimmigkeit entstehen. Es wäre - zweitens und wenigstens aus der Sicht der Bibliothekswissenschaft - schön zu sehen, wenn sich Bibliotheks- und Informationswissenschaft sowie Bibliotheken und andere Gedächtniseinrichtungen souverän, konstruktiv und mit einem feinen Gespür für ihre soziale und historische Verantwortung an dieser Entwicklung beteiligten.
(Berlin, 27.06.2016)
Informationswissenschaft der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf vor der Schließung.
Wie heute zu erfahren war, plant die Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität parallel zur Pensionierung des bisherigen Lehrstuhlinhabers Wolfgang Stock, dass Fach der Informationswissenschaft aufzufgeben. Als Grund der Schließung des Studiengangs werden Sparzwänge angeführt. Die Schließung soll auf der nächsten Sitzung der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität, also bereits am kommenden Dienstag (26. Januar 2016), beschlossen werden.
P.S. Und das, übrigens, geschieht an anderen Hochschulen in puncto Informationswissenschaft: Computing and Information Science receives $10M grant
Update 21.01.2016: Stellungnahme des Vorstands des LIBREAS e.V. zur angekündigten Schließung der Düsseldorfer Informationswissenschaft. (LIBREAS. Weblog)
Update 27.01.2016
Leider konnte sich der Fakultätsrat in der vom Dekan der Philosophischen Fakultät der Heinrich Heine Universität Düsseldorf, Ulrich Rosar, geleiteten Sitzung am 26.01.2016 keine andere Entscheidung als der Beschluss der Auflösung des Studiengangs Informationswissenschaft erreicht werden:
Das Ergebnis ist da: 10 sind für die Schließung, 2 dagegen, 3 Enthaltung. Das könnte das Ende für Info-Wiss @HHU_de gewesen sein. #saveiws
Der Sitzungsverlauf findet sich bei Open Password protokolliert.
(red. 20.01.2016)