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„Ich boykottiere dich, Realität. Du bist es nicht wert, dass sich die Welt um dich dreht!“
Unwirklichkeit
Zu wenig Geduld aber unendlich viel Zeit
Tagträume befreien mich aus der Wirklichkeit
Wenn Worte meine Sprache wären*
Dann hätte ich längst gesagt
Wie viel mir an dir lag
Doch Worte vermögen nicht
Mein Innerstes auszudrücken
Verwirre mich in Gedanken
Verheddere mich in Ausdrücken
Laufe blind durch Gedankengänge**
Verlaufe mich in selbst erschaffenen Traumwelten
*Liedzeile von Tim Bendzko
**Rapvers von Azad
Schlüssel-los
Sie möchten ja so gerne heraus aus mir, die Geschichten. Aber sie finden die Türe nicht. Jetzt sitzen sie eingepfercht in mir drin und gehen sich gegenseitig auf die Nerven. All die Figuren stolpern sich über die Füße und bringen Zeit und Raum durcheinander. Ich brauche unbedingt einen Schlüssel um dieses Tor aufzuschließen, damit ich sie herauslassen kann. In die vermeintliche Freiheit, die…
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[DAD] - Picture in the Puzzle
"Eigentlich wolltest du mir etwas über Namensgebung erzählen", wirft er mir vor. "Ja", seufze ich, "aber darauf habe ich keine Lust mehr." Ich lasse ihn ein wenig patzig durch die Gegend laufen, bevor er sich setzt. "Aber du kommst trotzdem auf Graziella Schazad zu sprechen, oder?" - "Ja", nicke ich ihm zu. "Ihr Album "Feel who I am" ist wirklich herzerwärmend." - "Frauenstimme." - Frauenstimme", bestätige ich ihn mit Ausrufezeichen. Diese innere, gefühlvolle Harmonie. Der weiche Klang und die fließend weichen Bewegungen der Stimme einer Frau. Beruhigend und verführerisch, Geborgenheit und purer Sex zugleich. Ich lächele leicht. "Es ist schon lustig, wie sehr die Fragmente alle ineinander passen müssen. Aussehen, Körpersprache, Kleidung, Tonalität, das, was gesagt wird, das was nicht, so dass es fast schon an ein Wunder grenzt, wenn sich zwei Menschen verstehen, oder zumindest meinen es zu tun." Ich unterstreiche meine Worte mit den üblichen Gesten und dirigiere sie, als wären sie mein Orchester. Ich sehe in seinen Augen, wie er die Eisprinzessin ins Spiel bringen möchte. Dafür kennen wir uns zu gut und zu lange. Ihn, sie, mich.
Ich greife den nächsten Faden auf und krame eine alte Geschichte aus. "Es ist schon erstaunlich", spreche ich weiter, "dass das eine Puzzle nicht mehr ist als ein Puzzleteil eines anderen Puzzles. Du löst also viele kleine, um ein neues Teil für ein größeres zusammenzusetzen, welches im Endeffekt auch nur ein kleines Teil des nächstgrößeren." - "So ähnlich wie bei Matroschkas, nur umgekehrt." - "Auch so eine Frau mit M", lache ich, "aber ja. Du blickst hinter die erste Fassade und denkst irgendwann die Wirklichkeit zu sehen, bis irgendwann auch dieses Bild zerbrochen wird. Oder gedeckelt. Oder sich der Gegenüber hinstellt, die Wahrheit unter ein Hütchen legt und dann mit anderen hin und her schiebt, du dich für eins entscheidest und Gott wer weiß was zu sehen bekommt."
Ich schließe die Augen und lasse mich fallen. Seine unausgesprochene Frage ist die meine: "Was impliziert das für mein Leben?"
Ich rausche dem Abgrund entgegen. Wände voller Wissen, Erfahrung, Erkenntnis, Unsinn und Kritzeleien fliegen an mir vorbei. Das größte, eigentliche Puzzle würde sich wohl erst im Moment des Sterbens, dem Untergang der Menschheit offenbaren, wenn überhaupt. Die Vergangenheit als Teil der Gegenwart, die Gegenwart als Vergangenheit der Zukunft. Die Zukunft als... Gegenwart der Vergangenheit?
Der kalte, stehende Wind flog an ihm vorbei. "Die Zukunft als Gegenwart der Vergangenheit." Seine Hand griff ins Nichts und steckte das Teil in seine Tasche.
"Und", fragt er mich und reißt mich aus meinem Gedanken, "was bedeutet das für unser Leben?"
"Puzzlen", grinse ich ihn an, greife in meine Tasche, und schmeiße ihm das neuste Bruchstück entgegen.