Folgt man heute einem Aufruf zu handeln, so vollzieht sich diese Handlung bzw. dieser Akt nicht im leeren Raum, sondern innerhalb der hegemonialen ideologischen Koordinaten. Diejenigen, die ›wirklich etwas tun wollen, um den Menschen zu helfen‹, werden sich an (zweifelsohne ehrenwerten) Projekten wie Medecins sans frontières, Greenpeace, feministischen und antirassistischen Kampagnen beteiligen, die von den Medien nicht nur toleriert, sondern sogar unterstützt werden, selbst dann, wenn sie auf ökonomisches Gebiet vordringen (etwa indem sie Unternehmen anprangern und boykottieren, die ökologische Vereinbarungen mißachten oder in ihren Betrieben Kinder beschäftigen); solange sie eine gewisse Grenze respektieren, werden derartige Projekte toleriert und unterstützt. Dennoch ist genau diese Form von Aktivität ein perfektes Beispiel für Interpassivität, dafür, daß man bestimmte Dinge nicht tut, um etwas zu erreichen, sondern um zu verhindern, daß wirklich etwas geschieht, sich etwas Grundsätzliches ändert. Alle diese beherzten, humanitären, politisch korrekten usw. Aktivitäten lassen sich auf die Formel bringen ›Laßt uns ständig irgend etwas verändern, damit insgesamt alles beim Alten bleibt!‹
Slavoj Žižek











