1975 bis 2025
Wäsche waschen im Wandel der Zeit
Im Juli 2025 fülle ich die Waschmaschine. Das Waschmittel gebe ich in Blattform dazu, es ist rosarot, 14 x 11 cm groß, etwa einen Millimeter dick und fühlt sich an wie die Moosgummiplatten, die man zum Basteln verwendet.
Der Waschmittelsektor hat sich ganz schön gewandelt, seit ich zum ersten Mal damit in Berührung komme. Das ist in den 1970ern. Ich wasche keine Wäsche. Als Kleinkind verschmutze ich sie nur, das aber gründlich. Für die Reinigung ist meine Mutter zuständig, sie kauft Waschpulver in Zehn-Kilo-Packungen. Die zylinderförmigen Trommeln sind aus stabiler Pappe gefertigt und wenn sie leer sind, werden sie weiterverwendet. Zum Beispiel als Papierkörbe, aber auch als Aufbewahrung für Spielzeugautos oder -steine. Im umgebördelten Rand bleiben immer ein paar Krümel Waschmittel zurück, die Spielsachen duften deshalb stets frisch.
Im Werbefernsehen hängen zu dieser Zeit Frauen glückselig strahlend weiße Wäsche auf die Leine. Männer treten auf, um die Waschkraft der Pulver zu mansplainen. Im Informationsfernsehen mehren sich Ende der 1970er Jahren die Berichte über Schaumberge auf Gewässern und umkippende Seen durch zu viel Phosphat. 1986 werden in Deutschland flächendeckend phosphatfreie Waschmittel eingeführt. Im Zuge der Umstellung der Rezepturen verschwinden Füllstoffe, die Packungen werden immer kleiner. Die Produkte sind konzentrierter, man braucht weniger Pulver pro Waschgang. In dieser Zeit kommen auch die ersten Flüssigwaschmittel auf den Markt. Ich benutze sie Mitte der 1990er Jahre, als ich meine Wäsche längst selbst wasche. Allerdings mit einer altersschwachen Maschine, die Probleme mit dem Auflösen von Waschpulver hat und Krümel in der Wäsche zurücklässt. Ich bleibe bei der flüssigen Variante, auch als ich längst eine technisch einwandfreie Waschmaschine besitze.
Irgendwann missfällt es mir, dass für Flüssigwaschmittel eine Menge Wasser durch die Gegend transportiert wird, noch dazu in Plastikflaschen. Also kehre ich zum Pulver im Pappkarton zurück und beobachte interessiert die Entwicklung bei den Formulierungen. Von Waschblättern höre ich erstmals 2022, sie kosten aber mehr, als ich für saubere Wäsche ausgeben möchte. 2023 tauchen sie beim Discounter auf, ein sicheres Zeichen, dass ein Produkt im Mainstream angekommen ist. Im Juli 2025 kostet eine Waschladung mit Blättern 14 Cent, vergleichbar mit dem Pulverwaschmittel der Eigenmarke des Drogeriemarktes. Markenware kostet etwa 50 Prozent mehr.
Im Drogeriemarkt ist den Flüssigwaschmitteln mehr Regalplatz gewidmet als den pulverförmigen.
Um 4,5 Kilogramm Wäsche zu waschen brauche ich vier Gramm Waschmittelblatt, meine Mutter brauchte 1975 für die gleiche Menge 275 Gramm Waschpulver, sagt der Industrieverband Körper- und Waschmittel e.V..
Diesen Fortschritt finde ich eindrucksvoll. Schade ist nur, dass man in der Waschmittelverpackung 2025 keine Spielsachen aufbewahren kann.
(Marlene Etschmann)














