Weiße Sachsen im Holz - eine Serie in Kooperation mit Augusto, Teil 8: Weingut Matyas “2013er Grauburgunder im Barrique gereift”
Von wegen, jung austrinken: Sächsische Winzer kreieren auch Weißweine, deren ganzes Potenzial erst beim Ausbau im Holzfass zum Tragen kommt. Das Augusto-Jahresheft 2016 widmet sich unter anderem diesen Tropfen, deren Menge meistens sehr begrenzt ist. Jana Schellenberg, Sommelière im Sternerestaurant “Caroussel” des Dresdner Relais & Châteaux Bülow Palais Hotel, hat die von dresdenwein.de ausgesuchten Weine verkostet. Monatlich wurde an dieser Stelle einer der acht Weine vorgestellt. Heute endet die Serie.
8/8 - Weingut Matyas “2013er Grauburgunder im Barrique gereift”
Zurückhaltend und etwas schüchtern hat Sommeliére Jana Schellenberg den Grauburgunder aus dem Weingut Matyas bei der Verkostung im vergangenen Sommer zuerst in der Nase empfunden. Das Aroma erinnere an Quitten und grüne Birnen. Am Gaumen sei der Wein von Newcomer Hendrik Weber dann viel kräftiger, der Alkohol und auch die Holznoten seien im Abgang deutlich zu spüren. Gut gekühlt passe der Wein zu einem kräftigen Essen, durchaus zu Gänsebraten oder – als Alternative zum Rotwein – auch zu Wild.
Eine Premiere aus dem Holz für Hendrik Weber
Der Wein ist eine Premiere für Kellermeister Hendrik Weber vom Weingut Matyas in Coswig. Bei dem 2013er Grauburgunder handelt es sich um eine Spätlese, die sechs Monate im neuen medium getoasteten Fass aus slowenischer Eiche mit einem Volumen von 300 Litern lag. „Der Wein ist als Spezialität gedacht, die unser Sortiment frischer, klassisch sächsischer Weine ergänzen soll“, sagt der Geisenheim-Absolvent. „Wir verwenden nur absolut gesundes und vollreifes Lesegut für den Ausbau im Holz“, so der 28-Jährige.
Winzer und Oenologe Hendrik Weber hat die Rebstöcke im Weingut Matyas das ganze Jahr über im Blick.
Die Reben sind teilweise schon 30 Jahre alt gewesen. Der studierte Oenologe Weber hat den Rebstöcken im Sommer über schon besondere Aufmerksamkeit geschenkt, um wirklich optimale Trauben zu erhalten. Der Most stand dann über Nacht auf der Maische, wurde geklärt und sofort ins Holzfass gelegt. „Wichtig ist die Batonnage, wobei der Wein auf der Hefe im Fass regelmäßig umgerührt werden muss“, betont der Winzer. Die Weine sind in der Flasche mindestens drei bis fünf Jahre lagerfähig und dann ein perfekter Essensbegleiter.
Lesedatum: 24. Oktober 2013, 97 Grad Oechsle
Alkohol 13,5 % vol. / Säure 5,6 g/l / Restzucker 2,5 g/l
Mit Geschäftsführerin Andrea Leder bespricht Hendrik Weber frühzeitig, welcher Wein das Zeug für einen Ausbau im Holzfass hat.
Aktuelles Angebot des Weinguts - Weißwein aus dem Holz:
Weißweine im Holz sind für viele Winzer in Sachsen nur ein Nischenprodukt und deshalb in den Weingütern nicht immer verfügbar. Im Weingut Matyas ist ab Mitte Juli die 2015er Grauburgunder Spätlese Barrique (Alkohol 13,0 % vol. / Säure 5,3 g/l / Restzucker 2,2 g/l) erhältlich. Die Flasche wird 15,90 Euro kosten. Der Wein hat wieder hohes Lagerpotential.
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Sachsens Winzer stellen 59 Jungweine in Freyburg vor
Knapp 20 Winzer und Weingüter aus Sachsen stellen in diesem Jahr Weine und Sekte auf der Großen Gemeinsamen Jungweinprobe mit Saale-Unstrut in Freyburg vor. Die Traditionsveranstaltung findet am 15. April zum inzwischen 26. Mal statt. Vom Jahrgang 2015 können 59 frische Weißweine, sieben Rosés und Schieler (Rotlinge) sowie ein Blanc de Noir aus Trauben von sächsischen Rebflächen verkostet werden. Hinzu kommen Sekte und gereifte Rotweine. Wie aus der Anstellungsliste hervorgeht, können insgesamt 75 sächsische Tropfen verkostet werden.
Nicht dabei ist nach Angaben des Weinbauverbandes Sachsen in diesem Jahr die Sächsische Winzergenossenschaft Meißen. Sachsens größter Weinerzeuger musste in den vergangenen Wochen auf amtliche Anordnung seine Jungweine auf Rückstände des unerlaubten Pflanzenschutzmittels Dimethoat untersuchen lassen und füllt die freigegebenen Weine erst nach und nach ab. Die gemeinsame Jungweinprobe ist öffentlich. Sie findet in jährlichem Wechsel in Sachsen und im Anbaugebiete Saale-Unstrut statt - in diesem Jahr in der Rotkäppchen-Sektkellerei in Freyburg an der Unstrut. Wer Weine präsentieren will, muss eine Anstellgebühr zahlen und kostenlos Weine für die Verkostung zur Verfügung stellen.
Die sächsischen Winzer füllen in diesen Tagen unermüdlich den Jahrgang 2015 ab. Vier Weingüter haben vergangene Woche ihre Jungweine den Fachkunden aus Handel, Großhandel und Gastronomie präsentiert, darunter Jan Ulrich in Diesbar-Seußlitz und Matyas in Coswig. Mit dem Jahrgang 2015 ist Winzer Jan Ulrich zufrieden. Einziger Wermutstropfen waren die mit dem nicht erlaubten Dimethoat belasteten Trauben eines Lieferanten, die dazu führten, dass zwei Weine nicht verkauft werden dürfen. Das verunsichere noch immer einige Weinfreunde, wenngleich die Stammkundschaft treu bleibe, sagt der Winzer.
Jan Ulrich blickt optimistisch in die Zukunft und setzt auf Stammkunden.
Immerhin 20 Tropfen haben die Ulrichs im aktuellen Sortiment. Darunter sind auch halbtrockene und feinherbe Weine sowie mit der Kernling Spätlese sogar ein lieblicher Tropfen. Von Unwetterschäden blieb das Weingut 2015 verschont, sagt Kellermeister Ronny Koch, sodass ein hoher Ertrag bei guten Qualitäten eingefahren werden konnte. Nachteilig habe sich der frühe Frost mit anschließendem Blattfall Anfang Oktober lediglich auf die Rebsorte Souvignier gris ausgewirkt, die noch einige Zeit hätte reifen können. Die robuste pilzwiderstandfähige Rebsorte, die an den klassischen Grauburgunder erinnert, habe 2015 nicht ein einziges Mal gespritzt werden müssen, betonte Koch. Die Weine dieser Sorte liegen noch im Holzfass und sollen ab Herbst angeboten werden.
Auch im Weingut Matyas blickt man zufrieden auf den Jahrgang 2015. Lediglich beim Bacchus habe man ein Drittel des Leseguts durch Sonnenbrand eingebüßt, so Seniorchefin Ingeborg Probocskai. Anfang dieses Jahres war das Weingut quasi bis auf die letzte Flasche ausverkauft, inzwischen gehören auch hier wieder mehr als 20 Weine zum Sortiment. Von einem angeblichen Imageschaden des Sachsenweins durch die belasteten Weine in drei anderen Kellereien sei bisher nichts zu spüren, sagte die Winzerin. Lediglich eine einzige besorgte Kundin habe genauer nachgefragt.
Geschäftsführerin Andrea Leder, Kellermeister Hendrik Weber und Seniorchefin Ingeborg Probocskai vom Weingut Matyas stoßen auf einen gelungenen Jahrgang 2015 an.
Die 2015er Weine von Matyas tragen klar die Handschrift des ambitionierten Kellermeisters Hendrik Weber, bleiben aber zugleich dem Stil des Familienweingutes treu, das klare, fruchtige, spritzige und damit regionaltypische Weine anbietet. Mit einer Neuheit überraschte der studierte Oenologe die Stammkunden: Erstmals wird ein Rotweinlikör aus Spätburgunder und Regent angeboten. Die Maischegärung im offenen Holzfass wurde dazu mit Neutralalkohol gestoppt, erklärte Weber. Nach weiteren Wochen der Mazeration, bei der die intensiven Aromen aus den Beerenschalen gelöst werden, durfte der danach abgepresste edelsüße Likör ähnlich eines Portweins im Barrique reifen und wird demnächst abgefüllt. Noch wurde eine Fassprobe präsentiert.
Text/Fotos: Lars Müller
(auch in den DNN erschienen)
Ein bisschen Urlaub zu den Tagen des offenen Weinguts
Wer zu den Tagen des offenen Weinguts bei Matyas in Coswig einkehrte, dem fehlte für einen richtigen Urlaub eigentlich nur noch der Plattensee. Schon am Vormittag strömten die Weinfreunde in den Familienbetrieb.
Felix Meutzner hat im Weingut Matyas in Coswig zu den Tagen des offenen Weinguts geholfen.
Zu den hauseigenen Cuvées "Sächsisches Gezwitscher" gab es die inzwischen legendäre deftige Gulaschsuppe nach dem ungarischen Familienrezept des Firmengründers Matyas Probocskai. Bei Musik und immer gut gekühlten Weinen verweilten vor allem Stammgäste stundenlang. Es gab mehr Auschank-Stationen als in den Vorjahren, so musste niemand lange auf seinen Rebensaft warten.
Bereits am Sonnabendvormittag genehmigten sich viele Gäste einen ersten Schoppen des leichten Goldrieslings, der gelegentlich auch schon mal als Frühstückswein vermarktet wird. Im Weinhaus Schuh in Sörnewitz gab es dazu unter anderem ganz stilecht Flammkuchen nach elsässischer Art. Von dort kam vor gut 100 Jahren auch der Goldriesling nach Sachsen. Die Schuhs folgten von der Mosel vor 25 Jahren und bauten den Familienbetrieb neu auf. Die Feste im romantischen Gutshof sind inzwischen auch überregional bekannt und locken mit Live-Musik feierwütige Weinfreunde aus nah und fern an.
Mehr zu den Tagen des offenen Weinguts 2015 gibt es hier.
Hoch hinaus: Coswiger Weine auf der Paris Air Show in Le Bourget
Le Bourget, Inbegriff für eine der wichtigsten Luftfahrtmessen weltweit. In diesem Jahr hat die Wirtschaftsförderung des Freistaates Sachsen einen Gemeinschaftsstand finanziert. Nach Angaben des Kompetenzzentrums Luft- und Raumfahrttechnik Sachsen/Thüringen haben fünf Hightech-Firmen aus der Region ihre Neuentwicklungen der Branche präsentiert. Und wer in Frankreich gute Geschäfte machen will, sollte bekanntlich schon auch einen brauchbaren Wein dabei haben.
Jan Zimmermann hat auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris Weine des Coswiger Familienbetriebs Matyas ausgeschenkt. - Foto: Sammlung The Barman
The Barman Jan Zimmermann war für das Catering am Sachsenstand zuständig. “Da wir selbst ja aus Dresden stammen, liegt uns der regionale Wein am Herzen - und wir möchten ihn bekannter machen und repräsentieren”, sagte Zimmermann auf Anfrage. Für die Paris Air Show hat er Weine des Coswiger Weinguts Matyas ausgewählt. Die Fachbesucher konnten zwischen Müller-Thurgau und Bacchus wählen. Am 21. Juni geht die diesjährige Ausgabe der Branchenschau in Le Bourget zu Ende.
Text: Lars Müller
Im Weingut Matyas in Coswig prägen derzeit Baufahrzeuge das Bild. Der Familienbetrieb lässt einen Erweitungsbau für Vermarktung und Produktion direkt neben dem im Jahr 2000 gebauten Weingut errichten. Damit wird insbesondere die Logistik erleichtert. Bisher hat der kleine Weinbaubetrieb noch eine ehemalige Obstlagerhalle in Neusörnewitz gemietet, wo die gefüllten Weinflaschen gelagert und etikettiert werden. Die Wege dahin sind mit Zeit und Kosten verbunden, hinzu kommt der Mietzins.
Kellermeister Hendrik Weber hat das Bauvorhaben im Blick, für ihn bedeutet die Erweiterung mehr Platz in der Kellerei. - Foto: Lars Müller
„Es war ein Traum von mir, endlich alles unter dem eigenen Dach zu haben“, sagt Ingeborg Probocskai, die zwar das Unternehmen im vergangenen Jahr ihrer Tochter Andrea Leder übergeben hat, aber noch immer mit ganzem Herzen am Betrieb hängt und ihre langjährigen Erfahrungen als Winzerin einbringt. Das ganze Vorhaben kostet mehr als eine halbe Million Euro, wird zu 25 Prozent von Land und Bund gefördert - über ein Programm zur "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“, sagt Ingeborg Probocskai und muss beim Wort „Küstenschutz“ ein wenig schmunzeln. Der Flachdachanbau mit einer Grundfläche von 500 Quadratmetern erhält eine moderne Glasfront und schmiegt sich sanft in den dahinterliegenden Weinberg. Für Kellermeister Hendrik Weber werden sich die Arbeitsbedingungen nach Fertigstellung merklich erleichtern. Einige der Stahltanks finden im gekühlten Bereich des Anbaus künftig ihren Platz. Damit können auch die Holzfässer in der bisherigen Kellerei demnächst separat von den Edelstahltanks gelagert werden. Immerhin hat der Familienbetrieb eine Tankkapazität von 70.000 Litern. Zudem können die Trauben nach Fertigsstellung direkt in der Halle gepresst werden, und auch die Abfüllanlage eines externen Anbieters kann in die Produktionshalle hineingefahren werden.
Diese Grafik zeigt, wie das Weingut Matyas nach Fertigstellung im Herbst aussehen wird. - Grafik: Büro für Bauplanung und Statik und vorbeugender Brandschutz C. Scholz, Radebeul
Kellermeister Weber weist auf noch einen Vorteil hin: „Wir können flexibler agieren“, sagt er. Wenn beispielsweise bei einem Regenschauer die Arbeiten in den Rebzeilen unterbrochen werden müssten, könne die kleine Mannschaft des Weinguts problemlos zwischendurch Etiketten kleben und gleich wieder raus, wenn die Regenwolken abgezogen ist.
Unabhängig vom Produktions- und Vermarktungsanbau entsteht bis zum Sommer auf der anderen Seite des Weinguts noch eine kleine Vinothek. Diese wird in Form eines Wintergartens gestaltet und ist über den bisherigen Verkaufsraum zu erreichen. Mitte Juni bis Mitte Oktober können an regnerischen Tagen die dortigen 40 Plätze auch für die Gäste der Straußwirtschaft genutzt werden. Üblicherweise wird aber draußen quasi inmitten der Rebstöcke ausgeschenkt. Zurzeit bietet das Weingut ausschließlich eigene Weine zum Verkauf an. „Wir denken aber darüber nach, auch wieder ungarische Weine ins Sortiment zu nehmen“, sagt Ingeborg Probocskai. Ihr Gatte Matyas, auch Winzer und der Namensgeber des Weinguts, stammt aus Ungarn. Das wissen Stammgäste und fragen vor allem nach Rotweinen aus seiner Heimat, die sie von ihren Urlauben kenne. Vor einigen Jahren hatten die Probocskais schon einmal ungarische Weine neben ihren eigenen Tropfen angeboten.
Andrea Leder ist seit vergangenem Jahr die Chefin im Weingut Matyas in Coswig. - Foto: Lars Müller
Mit dem Neubau für die Produktion und für die Vermarktung würden auch einige Rebflächen umgestaltet, erklärt Ingeborg Probocskai. Mehrere Zeilen Kerner und Grauburgunder mussten bereits für die Baustellen weichen. Demnächst soll alter Grauburgunder, der 1982 noch von Wackerbarth mit einem für große LPG-Traktoren geeigneten Zeilenabstand von drei Meter gepflanzt wurde, gerodet werden. Die neuen Rebzeilen würden dann in einer Breite von zwei Metern gezogen, der Stockabstand beträgt 90 Zentimeter bis zu einem Meter – je nach Rebsorte. Welche Rebsorten das Familienweingut pflanzen werde, stünde noch nicht fest, hieß es. Insgesamt stehen im Weingut Matyas sechs Hektar im Ertrag. Ein weiterer halber Hektar sind Junganlagen, von denen die Trauben zur Stärkung der Weinstöcke noch entfernt werden.
Um Trauben der benötigten Qualität ernten zu können, strebt Kellermeister Weber eine Ertragsreduzierung auf durchschnittlich 45 Hektoliter je Hektar an. Wegen des feucht-warmen Wetters während der Lese hat das Weingut vom Jahrgang 2014 trotz Traubenzukaufs von ausgewählten sächsischen Winzern nur 35.000 Flaschen füllen können. Mittelfristig kalkuliert das Unternehmen mit 50.000 Flaschen pro Jahrgang. Aus anderen Anbaugebieten werde man aber nie mehr Most oder Grundweine zukaufen, stellt Ingeborg Probocskai klar.
Matyas präsentiert frischen Auftritt zur Jungweinprobe
Das Coswiger Weingut Matyas hat sich zu seiner hauseigenen Jungweinprobe mit einem frischen Auftritt präsentiert. Unter anderem tragen die Flaschen ab sofort neue Etiketten. Der Namen des Weinguts mit dem markanten “M” prangt jetzt in erhabenen goldenen Lettern auf den Weinen. Mit der runderneuerten Identität soll auch der Generationswechsel in dem Familienbetrieb dokumentiert werden, sagte Seniorchefin Ingeborg Probocskai. Seit September vergangenen Jahres ist ihre Tochter Andrea Leder die Geschäftsführerin.
Ingeborg Probocskai, Kellermeister Hendrik Weber und Andrea Leder präsentieren einen spannenden Jahrgang 2014.
Der Jahrgang 2014 war für den Familienbetrieb, wie für viele Winzer in Sachsen, nicht ganz einfach. Die Menge habe der des Jahres 2013 entsprochen, erklärte Andrea Leder. Bei der Qualität kündigte die Weingutschefin durchweg “gute Qualitätsweine” an.
Der Fachkundschaft aus Handel und Gastronomie wurden elf Jungweine des Jahrgangs 2014 präsentiert, dazu längere gereifte Rotweine sowie ein 2012er Regent Rosé und ein Grauburgunder aus dem Barrique des Jahrgangs 2013. Die Weine tragen deutlich die Handschrift des Kellermeisters Hendrik Weber. Ihm scheint es zu gelingen, dass der frische Wind seines Tatendrangs der Tradition des 15 Jahre alten Betriebs noch genug Platz lässt - und somit die neuen Tropfen junge Weinfans und die Stammkunden des Hauses gleichermaßen ansprechen könnten. Hendrik Weber ist Geisenheim-Absolventen mit besonderer Leidenschaft für Sekt. So ist es auch kein Wunder, dass er einen selbst versekteten Kerner brut des Jahrgangs 2013 vorstellte, der durch sein Feinperligkeit auffällt. Tipp: Unbedingt den Spätburgunder Blanc de Noir (2014) probieren, vielleicht noch ein wenig liegenlassen vorher.
Text/Foto: Lars Müller
Vorm Federweißerfest: Ein Besuch im Weingut Matyas
Wohl kaum irgendwo wirkt Coswig so mediterran, wie am Weingut Matyas. Der kurze Weg den sanften Hügel hinauf zum Weingut – gesäumt von Rebflächen – verspricht eine Auszeit vom Alltag. In der Vinothek gibt es das ganze Jahr über gutseigene Weine, in den Sommermonaten ist an den Wochenende eine Besenwirtschaft geöffnet. Die rustikalen Sitzgruppen sind von üppig blühenden Sommerblumen gesäumt. Hier wird die berufliche Herkunft der Seniorchefin Ingeborg Probocskai sichtbar. Sie stammt aus einer Gärtnerfamilie, hat selbst Gärtnerin gelernt, bevor sie in 1965/66er auf Schloss Wackerbarth zur Winzerin umschulte.
Jahrzehnte lange Erfahrung im Weinbau und neueste Erkenntnisse von der Hochschule: Weingutsgründerin Ingeborg Probocskai und Kellermeister Hendrik Weber.
Erfolge bei der Gebietsweinprämierung
Die meisten Rebflächen sind so flach, dass sie maschinell bearbeitet werden können. Zwei Angestellte beschäftigt der Familienbetrieb, darunter Kellermeister Hendrik Weber, der mit seinem Geisenheim-Abschluss auch eine gewisse Frische in die Weine bringt. „Wir wollen uns ständig weiterentwickeln“, sagt Inhaberin Andrea Leder. Dass die Matyas-Weine keinen Vergleich zu scheuen brauchen, beweist unter anderem die Tatsache, dass bei der diesjährigen Gebietsweinprämierung alle sechs angestellten Weine Medaillen erhielten. Bacchus und Grauburgunder sahnten Gold ab, der aromenreiche Bacchus übrigens schon zum zweiten Mal in Folge. Längst ist der Bacchus ausverkauft.
Diese Weine überzeugten die regionalen Verkoster
Ingeborg Probocskai, die 2001 die ersten Bacchus-Rebstöcke setzte, schätzt an der Sorte vor allem, dass die Aromatik in jedem Jahr variiert, die Fruchtaromen von grüner Stachelbeere bis Exotik reichen können. Ansonsten dominieren auf den Rebflächen des Guts Grauburgunder, Müller-Thurgau, Weißburgunder, Kerner und Goldriesling. Von den roten Sorten, die etwa zehn Prozent ausmachen, kultiviert der Familienbetrieb Spätburgunder, Regent und Dornfelder. Einen Teil des Rotweins sowie etwas von Grauburgunder legt Kellermeister Hendrik Weber ins Holzfass.
Ingeborg Probocskai betont: „Wir wollten von Anfang an auf die Region typische Rebsorten setzen.“ Ziel sei es zudem gewesen, Wein anzubieten, die sie sich die Menschen in der Region auch leisten können.
Im Keller kümmert sich Hendrik Weber, ein Geisenheim-Absolvent, um die Weine des Familiebetriebs.
Ab Gut kosten die Weine derzeit zwischen 8,90 und 15,90 Euro je Flasche. Kommt man mit den Winzerinnen und dem Kellermeister ins Gespräch, fallen die Bodenständigkeit und die Verbundenheit mit der Region auf. Ehrliche Weine gehen auch ohne elitäres Gehabe. Es würden derzeit ausschließlich Weine aus eigenen Trauben ausgebaut, hieß es. Ein Zukauf sächsischer Trauben ist in diesem Weinjahr geplant.
In den zurückliegenden Jahren hatte der Betrieb wiederholt erhebliche Ertragsausfälle durch Hagel und Frost verkraften müssen. So sind insbesondere die flachen innenstädtischen Flächen am Weingut frostgefährdet, da durch die angrenzende Bebauung die kalte Luft nicht weiter in Richtung Elbe abfließt. Selbst Jahrzehnte alte Rebstöcke wurden dabei so geschädigt, dass die Winzer an ihnen aufwändig neue Stämmchen gezogen haben, um längere Ernteausfälle durch Rodung und Neuaufrebung zu umgehen.
Chefin Andrea Leder und ihr Kellermeister, der in dem kleinen Betrieb auch im Weinberg mit anpackt
Etwa 60 Prozent der Weine werden direkt ab Gut verkauft, in der Besenwirtschaft ausgeschenkt oder über den Online-Shop versandt. Der Rest wird über den Großhandel unter anderem an die Gastronomie und Hotelerie vertrieben. In Durchschnittsjahren füllt der Betrieb 35.000 Flaschen ab.
Am Wochenende (4./5. Oktober) lädt das Coswiger Weingut jeweils ab 12 Uhr zum Hoffest mit Live-Musik, Federweißer, gutseigenen Weinen, Zwiebelkuchen und ungarischem Gulasch ein.
Radebeuler Wandertheater-Wein kommt erstmals aus Coswig
Der Förderverein des Internationalen Wandertheaterfestivals Radebeul hat die diesjährige Weinsonderedition mit Künstleretikett vorgestellt. Erstmals kommt der Wein aus Coswig, sagte Vereinsmitglied André Wirsig. 350 Flaschen wurden vom Förderverein etikettiert - im Hof des Weinguts Matyas.
Kulturamtssprecherin Ina Dorn und Mitglieder des Fördervereins haben 350 Künstleretiketten geklebt.
Der Weinmacher, Kellermeister Hendrik Weber, servierte unterdessen seinen Müller-Thurgau den Helfern beim Etikettenkleben.
Die Weinedition des Förderverein hat inzwischen Tradition, immerhin ist es schon die achte Auflage. Die Weine der Vorjahre stammten von der Hoflößnitz, Aust, Fourré, Haus Steinbach, Wackerbarth, Rößler und Große. Restflaschen des vergangenen Jahres seien noch erhältlich, so Wandertheater-Freund Wirsig.
Weinkönigin Katharina Lai freut sich schon auf die Weinfestsaison.
Die aktuelle Auflage wird im Laden von Bauer Reiche in Altkötzschenbroda verkauft sowie in der Radebeuler Galerie Weitblick. Zudem bietet der Förderverein zum Herbst- und Weinfest an einem eigenen Stand auf dem Anger den Wein an - zum Preis von 14 Euro mit ablösbarem Sammleretikett.
350 Flaschen gibt es von der Jubiläumsedition mit Künstleretikett.
Mit dem Erlös wird alljährlich eine Theaterinszenierung finanziert, erklärte Wirsig. Bleibt für Fans noch die Frage nach der Kunst auf dem Etikett: In diesem Jahr wurde es von Markus Retzlaff gestaltet unter dem diesjährigen Festivalmotto "Vivat William".