Meine kleine grüne Raupe beim zerlegen von Mamas Magazinen...
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Meine kleine grüne Raupe beim zerlegen von Mamas Magazinen...
Das Zerreissen
Ich war gerade dabei Tüten zu zerreissen als sich mir von hinten ein großer Mann näherte und mich um Hilfe bat. Ich folgte ihn durch einen Flur, dessen Boden mit Spiegelscherben übersät war.
Früh am Morgen hatte ich den Spiegel mit der Kante eines Kartons von der Wand gerissen, ihn in der Luft aufgefangen und sehr fahrlässig erneut an der Wand befestigt. Einige Zeit später hatte ein Windhauch den »Rest« erledigt und es war vergeblich nach dem Schuldigen gesucht worden.
Der große Mann führte mich zum Fahrstuhl. Neben den Türflügeln war ein Controlpanel angebracht, dessen Abdeckung entfernt worden war. Allerlei Knöpfe und Schalter hingen aus dem dunklen Viereck.
Der große Mann sagte: »Ich werde gleich ins Innere des Schachtes klettern, um gewisse Dinge, die aus dem Gleichgewicht geraten sind, zu richten. Im Schacht herrscht absolute Finsternis und nicht selten verliere ich dort drin die Orientierung. Etwa könnte es passieren, dass ich versehentlich nach oben statt nach unten klettere und den Halt verliere.« Er zeigte mir seine Saugnapf- Handschuhe. Dann wies er mit seinen Pranken auf das Controlpanel. »Siehst du den roten Drehschalter?« Ich nickte. »Wenn ich nach 10 Minuten nicht zurück sein sollte, will ich, dass du den Schalter bis zu der Markierung drehst. Das schaltet das Notlicht an.«
Im Stillen fragte ich mich, warum er das Notlicht nicht von Anfang an anschaltete, doch die schiere Größe des Mannes hemmte mich.
Er verschwand im Spalt zwischen den Türen und es war nur das Schmatzen der Saugnäpfe zu hören. Ich schaute verbissen auf meine Armbanduhr, stocksteif stand ich knöcheltief in Scherbenhaufen, ein Mörder, der an den Tatort zurück- kehrt.
Nach einer Weile drangen Reperatur- geräusche aus der Finsternis und meine Angespanntheit lockerte sich. »Es tut gut, zu wissen, dass etwas, was aus dem Gleichgewicht geraten ist, wieder ins Lot gebracht wird«, dachte ich unschlüssig und lauschte aufmerksam. Die Geräusche verstummten. Die zehn Minuten verstrichen, ich betätigte den Schalter auf die spezielle Art, die der große Mann mir aufgetragen hatte.
Im Schacht war ein elektrisches Knacken zu vernehmen. Dann wurde es hell. Sekunden vergingen. Spinnenhaft kroch der große Mann von oben zwischen den Türen heraus, mit den Saugnäpfen an der Decke des Flures klebend atmete er schwer.
»Ist alles wieder im Gleichgewicht?« traute ich mich schließlich zu fragen. Der große Mann würdigte mich eines Blickes, zu dem nur große Männer wie er fähig sind.
Ich widmete mich wieder dem Zerreissen von Tüten. Später sah ich den großen Mann in der Küche am Tisch sitzen. Auf seinem Organizer schob er als bunte Boxen visualisierte Termine in einem Kalender in leere Slots.
35. Tragen und fallen lassen
"Deine liebe ist das was mich trägt...und deine trauer ist das was mich zerreißt..."
Bei dem Versuch mich zusammen zu reißen, hab ich mich ausversehen selbst zerrissen.
Wie sehr die Sehnsucht einen zerreissen kann...