Ist unser Stadtrat “völlig zerstritten”?
Ich finde unseren Stadtrat gar nicht so "zerstritten".
Es wird ganz normal debattiert - ok, der inhaltliche Gehalt und die gewählten Worte je Beitrag sind schon unterschiedlich, da pflegt jeder seinen eigenen Stil, der nicht jedem anderen passt - und am Ende wird die Entscheidung mehrheitlich getroffen.
Wenn der Stadtrat also nicht debattieren würde, müsste das bedeuten, dass wir Bürger alle einer Meinung sind ... das ist zwar in manchen Fällen ein wünschenswerter Zustand, tritt aber selbst bei vielen Entscheidungen innerhalb der eigenen Familie nicht ein.
Warum regen sich einige immer wieder über den "Streit im Stadtrat" auf?
Weil aktuell mehrheitlich gegen die Vorschläge der Stadtverwaltung entschieden wird? Da wären vielleicht Vorgespräche (z. B. die in der Geschäftsordnung mehrheitlich beschlossenen Fraktionsvorsitzendenbesprechungen) sinnvoll, wenn der Stadtrat und die Bürgermeisterin bei den Stadtratsentscheidungen nach außen hin ein einheitliches Bild vermitteln wollten.
Weil in den Beiträgen einiger Stadträte “unschöne” oder “persönliche” Worte oder “Angriffe” vorgetragen werden? Da pflegt eben jeder so seinen eigenen Stil, den jeder Zuhörer nun gut oder schlecht finden und sich bei der nächsten Stadtratswahl auch an solchen Eigenschaften orientieren kann - denn die Stadtratswahl ist eine Personenwahl(!) (Das mit dem Kreuz für eine Gruppierung ist ja nur, damit die Wähler im Zweifelsfall es etwas einfacher haben und sich nicht überlegen müssen, wen genau sie denn nun wählen sollen.)
Weil die Presse immer über “Streitereien im Stadtrat” berichtet? Da ist wahrscheinlich auch etwas Wahres daran, drängt aber den Starnberger Stadtrat meiner Meinung nach in eine falsche Ecke, aus der er alleine (ohne die Presse) gar nicht wieder herauskommen kann. “Debatte” klingt ja auch langweilig und “Streit” weckt sicher viel mehr Leserinteresse? Ich weiß, dass die Begriffe “Debatte” und “Streit” selbst lauf Wikipedia sehr nah beieinander liegen.
Ich empfehlen allen Bürgern, wenigstens einmal im Jahr einer Stadtratsdebatte beizuwohnen. Da lernt man die gewählten Stadträte viel besser kennen, als in irgendwelchen Wahlkampfbroschüren.
Und ich bitte alle, sich beim nächsten Mal genau zu überlegen, ob der Stadtrat sich wirklich streitet (so wie man sich vielleicht innerhalb der Familie streitet) oder ob das eigentlich nur die für eine Demokratie üblichen und gewollten Debatten sind, bei denen nur manchmal der Stil etwas zu wünschen übrig lässt.













