Tag 14: Der politische Tag
Hallo ihr alle da draußen,
es ist Bergfest in Amerika und Wahlkampf im Heimatland.
Die Hälfte ist geschafft und vielleicht sollte man jetzt schon ein kleines zwischen Fazit ziehen.
Ich probier’s einfach mal. Ja, ich weiß zwar nicht mehr genau was ich an Tag 0 geschrieben hab und verkneife mir daher eine Bilanz zum Vorhaben, aber was man ja schon mal ganz sicher sagen kann ist, dass es wohl nicht so gelaufen ist wie es das laut plan hätte sollen. Das lag natürlich an der Planung, also an mir, aber ich will jetzt hier auch keine ollen Kamelen aufwärmen. Es ist nun mal so, dass ich mir etwas vorgenommen habe, was ich mir durchaus sehr schön ausgemahlt habe, aber was es dann in der Endausführung nicht wurde. Eigentlich wollte ich ja mal am 26. August von Chicago aufbrechen und mich ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt von Tag zu Tag nach Springfield/St. Louis durchkämpfen. Wenn kein Kampingplatz in der Nähe gewesen wäre wollte ich bei Wildfremden im Garten zelten und meinen Weg selbst suchen und bestreiten. Ich finde immernoch, dass dies ein sehr schönes Vorhaben ist und das ich das auch durchaus gerne machen würde, aber ich glaube, die Welt, Amerika, dessen Gesellschaft und vor allem ich sind noch nicht bereit dafür.
Eins steht schon mal fest, ich werde diese Tour noch machen in meinem Leben, es kommt auf jeden Fall auf meine to-do-Liste schreiben. Da steht schon so Zeugs drauf, wie: einmal die Mongolei sehen oder die großen Slams in Deutschland alle besucht zu haben. Jedoch ist für dies alles noch Zeit. Ich hatte diese zwar jetzt grade zwischen Schule und Studium, aber es wäre doch Klüger gewesen vielleicht die Tour nach Deutschland zu verschieben. Den Rhein entlang und dann die großen Ruhrgebiet Slams machen. Ja, das hört sich schön an. Vielleicht wäre ich danach bereit für hier. Denn es ist ja nicht nur mein Körper der mir hier im Wege steht. Es ist viel mehr der Kopf.
Er bestimmt so viel in meinem Leben. Nichts lässt er unkommentiert und unbedacht. Dabei muss er ja nicht mal tief rein gehen in die Materie oder sich die richtigen Fragen stellen, denn das tut er ja offensichtlich nicht, sonst wär ich nicht hier. Er will darüber nach gedacht haben. Der Gedanke ist egal. Hauptsache es gab mindestens einen dazu. So entstehen die wüstesten Welten in meinem Hirn. Manche kann ich auf Papier bannen, aber das meiste lässt sich nicht in vernünftige Bahnen bringen.
Ich weiß auch nicht was ich so recht mit ihm anfangen kann. Er lässt sich ja sehr oft nutzen. Ich habe eine große Datenbank auf die ich zugreifen kann, ich bin logisch, auch in vielem durchdacht. Aber im Gegenzug muss ich ihn halt auch in manchen Sachen sein Ding machen lassen. Auch wenn er mir dann nicht zu arbeitet, im Gegenteil.
Das der Plan gescheitert ist, daran ist er ja nicht ganz unschuldig und ich hab mich zu einer vielleicht überstürzten Reaktion hinreißen lassen. Zumal es nun wirklich “deutlich” kühler werden soll. Naja, es ist wie es ist und am Ende hat mich auch eine Tatsache dazu bewegt, dass ich den Plan erstmal zurück gestellt habe, die ich jetzt noch nicht nennen will. Sie bekommt ihren Platz im Nachbericht.
Kennengelernt habe ich mich auch ein wenig, aber wenn ich mal ehrlich bin, um das heraus zu bekommen hätte ich nicht unbedingt nach Amerika fahren müssen. Jedenfalls habe ich jetzt Gewissheit.
Soweit das Zwischenfazit. Kommen wir zum Tag und da herrscht ein Thema vor. Das TV-Duell. Ja ich habe es hier gesehen und wegen ihm habe ich mich heute auch fast nicht aus dem Haus begeben (war nur einmal bei Subway zu Mittag) aber ich wollte den zukünftigen deutschen Kanzler im TV sehen und wissen ob er sich gut präsentiert. Hier möchte ich auch kurz vorweg greifen um meine Position schon frühzeitig verständlich zu machen (Und ich weiß jetzt auch nicht ob ich es schon in Tag 0 geschrieben habe). Ich bin Mitglied der SPD und als dieses glaube ich auch daran, wenn auch nur sehr gering, es ist vielleicht auch eher ein hoffen, dass wir Ende September eine rot-grüne Koalition in Berlin sitzen haben. Ich bin zwar auch mit dem Kandidaten nicht 100% konform, aber wer in einer Partei kann sagen, dass er mit dieser vollkommen überein stimmt. Und damit kommen wir auch schon auf das was ich ansprechen möchte. Wir wählen in Deutschland nicht den Amtsträger sondern die Zusammensetzung des höchsten deutschen Organs der Legislative. Die Bundesversammlung zähle ich da jetzt nicht dazu, da diese nicht ständig ist und auch keine Gesetze erlässt. Durch die Wahl der Zusammensetzung fällt für mich die Bedeutung des Kandidaten zurück. Es geht um die Partei und das Programm. Durch Fraktionszwang sollte am Ende ja auch das entschieden werden was die Partei sagt und nicht was einzelne, in manchen Ansichten extreme Stimmen sagen. Sie können sich gerne äußern und ihre Meinung kund tun. Wenn sie finden, dass ihre Partei das nicht für sie widerspiegelt, dann sollen, ja müssen sie sogar, in der Partei Gleichgesinnte suchen, finden und mit denen dann versuchen den Kurs zu korrigieren um am Ende einen besseren zu finden. Dabei muss dieser aber auch in einer sachlichen Disskusion entstehen und aus einem Konsens hervor gehen. Dies ist nun mal Demokratie.
Jedenfalls stellt der Kandidat nach außen die Partei da. Stellt das vor was diese will und versucht dies, und hier kann er auch gern seine Person nutzen, dem Wähler nahe zu bringen.
Wenn ich das so betrachte, auch wenn die Sicht wirklich nicht neutral ist, da hat für mich der Peer, man darf ihn ja duzen, das eindeutig bessere Bild abgegeben. Er hat sachlich konkrete Programmpunkte genannt, hat versucht Lösungen für Probleme zu bieten, hat nichts versprochen von dem er sich nicht sicher sein kann, das er es auch nicht halten kann und hat sich auf Fakten gestützt. Er hat dabei auch konkrete Unterschieden zwischen Union und SPD deutlich gemacht.
Und jetzt sind wir auch bei einem Punkt der mir in der täglichen Debatte so zu wieder ist wie das Wort Wachstum. Die Parteien sind sich nicht ähnlich. Im Großen und Ganzen ja. Sie wollen das gleiche System, wirtschaftlich und sozial, und sie wollen durchaus auch gleiche Gesetze verabschieden (Mindestlohn, Krankenversicherung, Rente) aber und da ist des Pudels Kern: Wie so häufig im Leben entscheidet das Detail. Hier kann man sich schön auf die Schachtelmetapher von Peer (ich duz ihn jetzt einfach mal durchweg. Herr Steinbrück hört sich irgendwie komisch für mich an) beziehen. Es sind in den beiden Schaufenstern der großen Parteien durchaus die gleichen Schachteln zu finden, aber wenn man den Deckel mal hebt, dann wird man sehen wo der konkrete Inhalt ist. Und diesen Inhalt hat Peer heute verkauft. Deshalb kann man auch in der täglichen Diskussion nicht sagen “Öh, ich geh nicht wählen. Ist doch alles das gleiche. Da gibt’s doch keine Unterschiede. Hat doch für mich keinen Sinn.” Es ist halt die Sache ob man einen Mindestlohn bekommt, der auf einen zugeschnitten ist oder einen der bei anderen besser passt oder dass man vielleicht gar keinen will (Ich glaub jedoch es wird einer kommen), dann wählt man halt was ganz anderes. Man kann heut zu Tage nicht mehr einfach sein Kreuz machen und vom Namen her weißt du schon was von der Partei zu erwarten ist. Man muss sich mit Politik beschäftigen. Man muss sich auf eine Wahl vorbereiten wie auf eine Klassenarbeit. Und am Ende wie beim Multiplechoicetest die “Antwort” ankreuzen, die man für richtig hält. Demokratie ist nichts mehr was man ein mal alle vier Jahre an einem Sonntag so neben her mal verlängert. Man muss sie warten und sie erhalten und deswegen ist es verdammt wichtig im Wahlkampf seine Hausaufgaben zu machen, damit man am Ende nicht mit leeren Händen da steht.
Aber genug. Ich muss Morgen nen Zug erwischen.