Wiederholung in Kunst und Medien
Ein unschuldiger Fernsehnachmittag auf der Couch, man bleibt irgendwie beim RTL-Nachmittagsprogramm hĂ€ngen und bereits nach zwei oder drei Sendungen hat man den wohl unĂŒbersehbaren Beweis der SerialitĂ€t im TV gefunden. Man meint alle diese Sendungen seien nach ein und derselben Anleitung geschrieben und unterscheiden sich wenn nur im Namen.
Unterhaltung ohne viel Nachdenken zu mĂŒssen, zum Abschalten ganz nett, aber muss man sich das wirklich antun?
Umberto Eco schreibt: âDie Serie tröstet den Konsumenten auch deshalb, weil sie scheinbar seine prognostischen FĂ€higkeiten prĂ€miiert: er ist glĂŒcklich weil er entdeckt, daĂ er voraussagen kann, was geschehen wird, und weil er den Eintritt des Erwarteten genieĂt.â (Eco 1988 [1983], 160).
Das erklÀrt also schon einmal warum solche Formate immer noch die Einschaltquoten hoch genug treiben um ausgestrahlt zu werden.
Schaut man sich aber generell mal in der Literatur und auch in Film und Fernsehen um, so findet man schon alleine Unmengen an Wiederholungen was die Themen und Motive angeht:
âKampf um Reichtum und Macht, Leben, Tod, Niederlage, Sieg, Ehebruch, Liebe, HaĂ, Neid, TĂ€uschung und EnttĂ€uschung.â (Eco 1988 [1983], 162).
Das findet man wohl bei GZSZ, Rote Rosen, LindenstraĂe, Alles was zĂ€hlt und wie auch immer der Rest heiĂen mag.
Alleine die âGeschichte von Romeo und Juliaâ findet man fast immer: In Westside Story, A Cinderella Story uvm.
Ein ebenfalls klassisches und auch beliebtes Schema: Junge und MÀdchen aus unterschiedlichen Schichten (sei es der soziale Rang oder der finanzielle Hintergrund): High School Musical, Die Twilight-Reihe, Grease, Dirty Dancing.... ach da könnte man ewig so weiter machen.
Innerhalb des âSerien-Universumsâ, Eco gibt neben diesem auch noch Reprise, Saga und âintertextuellen Dialogismusâ an (vgl. Eco 1988 [1983], 158-167), ist mir noch etwas besonderes aufgefallen, was nichts mit der Story dahinter zu tun hat als mehr mit der Charaktergestaltung:
In einer Vielzahl Serien gibt es eine clevere, eine merkwĂŒrdige und eine dumme Person. Das können Geschwister sein, oder aber Freunde und Verwandte.
Hier noch ein paar Beispiele dazu:
Roseanne: Becky ist hier die Dumme, Darlene die Clevere und D.J. der MerkwĂŒrdige.
Hör mal wer da hĂ€mmert: Brad = dumm, Randy = clever, Mark = merkwĂŒrdig.
Der Prinz von Bel Air: Hilary ist dumm, Carlton ist merkwĂŒrdig und Ashley clever.
Malcolm Mittendrin: Malcom ist clever, Reese ist dumm und Dewey ist merwĂŒrdig.
Alle unter einem Dach: Steve ist definitiv merkwĂŒrdig, Laura ist clever und Eddie der Dumme.
Die wilden 70er: Fez ist merkwĂŒrdig, Hyde ist clever und Kelso dumm.
Ich denke trotz all dieser Wiederholungen und der SerialitĂ€t kann man sich die Serien, Filme und auch mehr oder weniger BĂŒcher gut antun.
Es sind gÀngige Motive und sie scheinen uns ja auch irgendwie gut zu gefallen.
Wieso also Altbewertes Àndern?
Wie schreibt Eco immerhin: â... daĂ alles schon gesagt und schon geschrieben worden ist....â (Eco 1988 [1983], 175).
Irgendwo wurde alles schon mal verwendet, was kann dann noch zum Original werden?
Eco, Umberto (1988 [1983]): âDie Innovation im Seriellenâ. In: Ders.: Ăber Spiegel und andere PhĂ€nomene. MĂŒnchen, S. 155-180