Über das Verurteilen
Sobald Menschen sich die unangenehme Angewohnheit des verurteilens angewöhnen, begehen sie einen folgenschweren Fehler. Sie stellen sich mit dem von Ihnen gefällten Urteil über andere. Was sie für einen Moment zu der Annahme bringt, dass sie etwas erkannt haben, oder wissen, was der andere noch nicht weiß.
Damit stellen sie sich über die von ihnen verurteilte Person. was für einen kurzen Moment zu einer Bedürfnisbefriedigung führt.
Ich denke, es handelt sich hier um die Befriedigung eines inneren Mangels. Also dem kurzen Gefühl, genug zu sein, mehr, als der andere zu sein.
Was sich jedoch mit der Zeit einstellt, und was die Menschen, die immer urteilen, nicht bemerken, ist folgendes:
Wie ein Spinnennetz weben sie sich ein, in ihr eigenes enges, unbewegliches Gefängnis aus Urteilen, Bei jedem Gang den sie tun, bei jedem Vorhaben hallen in ihnen ihre gesprochenen und gedachten Urteile über andere wieder. Sie sind stets damit beschäftigt, sich in dem immer enger werdenden Kreis aus Möglichkeiten zu bewegen, deren Existenz sie noch nicht verurteilt haben.
Dadurch ergibt sich ein ganz enger Handlungsspielraum. Vieles, was passiert, haben sie schon einmal bei jemandem anderen als falsch abgetan. Was bleibt dann noch, was sie tun können, um sich selbst treu zu bleiben?
Mit jedem Mal wird das Netz enger. Die schlechten Worte, die sie über andere verloren haben, kommen direkt zu den Absendern zurück. Wenn einem das einmal ganz klar geworden ist, versteht man die Wichtigkeit der untadeligen Rede.






