Wir erleben gerade den Beginn einer Spaltung: zwischen âpre-AIâ und âpost-AIâ Kultur, Ă€hnlich wie zwischen pre-atomic und post-atomic Materialien.
Stahl, der vor 1945 (vor dem ersten Atombombentest âTrinityâ am 16. Juli 1945) produziert wurde, wird als âpre-atomic steelâ oder âlow-background steelâ bezeichnet und hat fĂŒr bestimmte hochsensible Anwendungen einen klaren Vorteil gegenĂŒber modernem Stahl, weil er frei von radioaktiver Kontamination ist.
Literatur vor der KI-Ăra (also vor ca. 2022/2023) besitzt eine Ă€hnliche âReinheitâ: Sie ist frei von algorithmischer Durchmischung, statistischer MittelmaĂ-Optimierung und synthetischer GlĂ€tte.
Das Lesen von KI-Texten macht tendenziell dumm: Menschliche Texte enthalten regelmĂ€Ăig subtile emotionale Inkonsistenzen, stilistische BrĂŒche und authentische AmbiguitĂ€t. KI-Texte tendieren dagegen zur GlĂ€tte. Langfristig wird das die emotionale und empathische Resonanz beim Lesen stetig verringern. Dies erscheint zunĂ€chst nicht als dramatische Vergiftung, ist aber mehr als eine schleichende geistige MangelernĂ€hrung.
Folgen sind eine laufende Verarmung des Denkens, der Aufmerksamkeit und der emotionalen Tiefe. Das Denkvermögen und die EmotionalitĂ€t sinken unter den Level der RealitĂ€t. Die Wirklichkeit wird dadurch zu einer zunehmend unĂŒberwindbaren HĂŒrde.
Je besser die KI wird, desto wertvoller werden die âunverfĂ€lschtenâ menschlichen Werke aus der Zeit davor. Nicht weil alles Alte automatisch besser wĂ€re, sondern weil es eine Reinheit der Herkunft besitzt, die spĂ€ter nie wieder hergestellt werden kann
Ein groĂer KI-Konzern (z. B. OpenAI, Anthropic, Google oder Meta) scannt derzeit jĂ€hrlich zwischen 800.000 und 2,5 Millionen BĂŒcher ein. Die Kosten fĂŒr das Einlesen eines Containers mit BĂŒchern fĂŒr KI-Training belaufen sich derzeit auf etwa 22.000 bis 48.000 Euro pro 20-FuĂ-Container, wobei realistische Projekte meist zwischen 32.000 und 38.000 Euro liegen.
Darin enthalten sind der Ankauf der BĂŒcher aus Antiquariaten oder NachlĂ€ssen (zwischen 8.000 und 25.000 Euro), der Transport zum Scan-Zentrum (3.000 bis 6.000 Euro), das eigentliche industrielle Scannen und die OCR-Erfassung (4.000 bis 8.000 Euro), die anschlieĂende KI-gestĂŒtzte Textbereinigung und Strukturierung (3.000 bis 6.000 Euro) sowie Nebenkosten fĂŒr Lagerung, Versicherung und Entsorgung der physischen BĂŒcher (1.500 bis 3.000 Euro).
Pro Buch ergeben sich damit durchschnittliche Kosten von etwa 1,40 bis 1,80 Euro fĂŒr den kompletten Prozess. Besonders gĂŒnstig wird es, wenn die Scan-Zentren in Polen, Litauen oder SĂŒdostasien liegen. Nach dem Scannen werden die meisten BĂŒcher geschreddert, um keine Spuren zu hinterlassen.
Es ist, als ob wir gerade Zeuge werden, wie eine ganze kulturelle Epoche in âlow-background literatureâ verwandelt wird â wĂ€hrend gleichzeitig eine Flut von âkontaminiertemâ Material entsteht.
Dr. Ulrich Eder war als internationaler Rechtsanwalt und Steuerberater in DĂŒsseldorf, Bangkok und Panama-Stadt tĂ€tig. Nach seinem RĂŒckzug aus dem Berufsleben genieĂt er nun die Freiheit, schöne StrĂ€nde und faszinierende StĂ€dte zu erkunden und manchmal ĂŒber seine Erfahrungen, Beobachtungen und Reflexionen zu schreiben. FĂŒr Rechts- oder Steuerberatung steht er nicht mehr zur VerfĂŒgung und hat such die Berufslizenzen zurĂŒck gegeben. Hierauf gerichtete Anfragen werden nicht beantwortet. Man ist entweder drin â oder drauĂen.