Wieder einmal finde ich mich in jener Dunkelheit wieder… immer wenn ich denke, dass ich mich endlich auf dem Weg der Besserung befinde steigen mir meine Dämonen entgegen und zeigen mir womit mein unreines Blutbild vergiftet wurde. Hoffnung lediglich ein Schimmer mit fatalsten Folgen, nur wer hofft kann enttäuscht werden. Der Verstand verlässt meine sterbliche Hülle, das Fleisch handelt im Eigensinn… wie automatisiert bewege ich mich einst erfüllenden Arbeiten zum Nikotin und wieder zurück, jedoch missfallen mir mittlerweile beide Aktivitäten. Die Glut entzündet sich lediglich aus Unzufriedenheit, immer und immer wieder neige ich dazu in Todessehnsucht zu versinken, ein nun erneut vollkommener Traum. So sitze ich hier im Gedanken mich endlich vom irdischen Sein zu befreien und denke an Gott… Das Unwissen was folgt verunsichert mich, scheint mich aber keine Zweifel hegen zu lassen… der Tränensammler hat es mir immer prophezeit, für mich gibt es weder Sinn noch Grund… es scheint als würde ich mich im Orbit meiner Emotionen verlieren, nachdem ich sie so lange unter meiner Kontrolle behielt… Schande über mein Haupt, ich werde der Regungslosigkeit verfallen und verwesen.
Meine Welt zerbricht, aber jenes Brechen bleibt ungehört. Ich sehe mich buchstäblich am Ende, keine Ziele, kaum Wege von Interesse… ich versinke in jener Musik welche mir jahrelang durch die schwersten Zeiten geholfen hat, mit dem Unterschied, dass sie mich nun in die Tiefe zieht, plane den Abschied von geliebten Personen und schreibe dieses Zeugnis aufgrund der letzten Hoffnung meine Emotionen damit ausgleichen zu können, so wie es immer war…
Das Scheitern meiner Existenz rührt mich zu Tränen. Ich habe lange nur für die anderen gelebt, ich wäre schon längst gegangen wenn man mich nicht darum gebeten hätte zu bleiben. Der Sensenträger ruft meinen Namen, er hält bereits mein vernarbtes Herz mit den knochigen Fingern seiner Rechten… er fordert mich zum letzten Tanz auf… und ich strecke meine Hand aus…
Zwanzig Jahre verschwendete Zeit… ich bin eine Last für jene die mir nahe stehen und auch alle anderen, doch am meisten für mich selbst. Wer konnte ahnen, dass ich nun vor dem sechsten Versuch stehe mich zu töten? Ich war so voller Hoffnung, ich dachte es würde nie mehr soweit kommen… doch die Trauer schlägt Wellen, welche mich vollends einschließen… gestrandet in mitten eines Ozeans, das Salz meiner Tränen zieht mich langsam in die Tiefe…
Während ich jene unschönen Worte formuliere, zittert mein gesamter Leib, die Zähren fließen… haltlos schweife ich ab und verliere mich immer wieder im unstrukturierten Denken und dem Finden unpassender Zusammenhänge, mein Denken scheint meine Emotionen zu reflektieren und sorgt dafür mir das nehmen zu wollen, was mir gegen meinen Willen gegeben wurde… ich habe es mir nie ausgesucht zu leben, doch kaum entscheide ich mich dafür, folgt ein Schlag nach dem anderen…
In der Vergangenheit wurde ich oft für die Dinge gelobt, die mir nie etwas bedeutet hatten… das Schaffen, welches ich mit Herzblut pflegte, blieb entweder unerkannt oder bewusst ignoriert…
Es kommt mir Vieles in den Sinn, was mich halten könnte, allerdings scheint erscheint es mir in jener dunklen Stunde so, als erscheint es mir fast sinnlos daran zu denken… das Kreisen der Gedankenraben schürt frustrierendes Bedauern, schafft jedoch keinen Nährboden für das Fortführen meines Elends.
Der Stahl fordert seinen Tribut… ich habe lang davon geträumt, mit dem Hals im Strick zu sterben, allerdings flüstern mir die Klingen zu… das Schneiden meiner Lebenskanäle, den Schmerz im roten Kleid, welcher sich aus meinem Körper schleicht, so leise und doch weinend… es scheint fast wie eine überstürzte Entscheidung, aber dennoch überlegt.
An Menschen habe ich kein Interesse mehr, ich rede nur noch mit Papier…
Die Wände atmen die fade Einrichtung altbekannter Räume. Die maskierende Emotion wandert vom Gesicht, wieder blicke ich in den Spiegel und sehe wie es ihm ergeht… ich frage mich wer von uns beiden real und wer lediglich eine Reflexion ist. Es macht den Anschein als wäre er unzufrieden… ich wünschte ich könnte ihm helfen…
Ich beobachte wie wir dünnes Metall zwischen die Finger nehmen… der Gesang gequälter Seelen streicht von den Lippen, Seelen für den Tränensammler von den Augen… der Blick folgt dem kalten Stahl ins zitternde Fleisch, doch der Schmerz bleibt aus, stattdessen beruhigt ihn die Angst im roten Kleid, welche sich zu Zeiten finsterer Kälten aus der Wunde gleitet…
Okkulte Symbole zieren das verletzte Selbst, Worte toter Sprachen gleiten samt Klinge erneut unter die Haut… das schreiende Kind im inneren verstummt, ein Lächeln geschlossenen Mundes begleitet die Zähre in den Abgrund. Die ständige Hitze und der Zorn scheinen abzukühlen, stattdessen finden sich unbeantwortete Lieder von tiefster Trauer wieder…
“Lass uns den Platz tauschen.”
So stieg ich mir entgegen… und entschied mich zu gehen, doch wohin? Die Frage nach dem Jenseits nur die metaphorische Manifestation von Atemnot… von Reue erfüllt blicke ich durch das Fenster und sehe mich sterben… was habe ich mit mir gemacht?
Täglich das gleiche grausame Lied, schiefe Töne der Flöte des Todes… mein Leben wie das Pfeifen des Windes… das Schauspiel tanzender Todgeweihter beginnt in der Spiegelwelt, schaffe ich es erneut dort hinauszusteigen? Der Wille besteht, nur die Zweifel suchen mich heim… es scheint alles verloren, ich ziehe am Leben vorbei, schwebe neben mir her und betrachte mich beim Scheitern…