Das Eintrittsgeld für die Kölner Kathedrale hat für Aufsehen gesorgt. Bestsellerautor Wladimir Kaminer hat dazu einen „frommen“ Vorschlag ge

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Das Eintrittsgeld für die Kölner Kathedrale hat für Aufsehen gesorgt. Bestsellerautor Wladimir Kaminer hat dazu einen „frommen“ Vorschlag ge
Russendiskonews August 2026
Die Angreiferarmee schrumpft. Der Plan für das laufende Jahr war, eine halbe Million neue Rekruten an die Front zu schicken, der Plan stockt.
Ob man es glaubt oder nicht, es gibt kaum noch freil herumlaufende Männer im kriegstauglichen Alter im größten Land der Welt. Das heißt, es gibt schon welche, aber sie sind hinter der Frontlinie unersetzlich. Die Konzerne und Militärfabriken brauchen ihre Arbeitskräfte, es sind ein Paar Millionen Menschen, die mit einer Befreiung vom Armeedienst gesegnet sind.
Das gleiche gilt für den über eine Million Kader zählenden Polizeiapparat, dazu kommen noch die Nationalgarde und andere Abteilungen der Sicherheitskräfte, die unantastbare russische Innenarmee, insgesamt auf vier Millionen Menschen geschätzt, die für ein autokratisches Regime unabdingbar ist, um die drohenden Gefahren von innen im Schach zu halten. Auch sie suchen Personal.
Dabei fehlen in der aktiven Armee an der Front Soldaten, darüber wird permanent von den Militärbloggern berichtet.
Die Kriegslehre besagt, dass eine Armee, die eine Offensive führt, dreimal so hohe Verluste haben kann wie die Seite der Verteidigung. Doch im Fall des russische-ukrainischen Krieges wird dieser Unterschied von mehreren unabhängigen Beobachtern mit 1 zu 7 berechnet, bei manchen sogar mit 1 zu 8.
Als Grund für solche hohen Verluste auf der russischen Seite wird gewöhnlich die Überlegenheit der Ukrainer in der Luft und ihre von den Drohnen geschaffene „Kill Zone“ genannt.
Doch es gibt bei diesem Rätsel noch einen anderen Grund, der kaum beleuchtet wird. Der russische Krieg ist in vielerlei Hinsicht eine Modernität.
Er wird mit Söldnern geführt. Die Willigen unterschreiben die Kontrakte und gehen an die Front, dafür bekommen sie sogleich für ihre Unterschrift einen runden Batzen Geld. Diese Unterschrift verwandelt arme Menschen in wohlhabende, umgangssprachlich in „Millionäre“.
Ihre diensthabenden Offiziere, die beruflich verpflichtet sind, bekommen nicht einmal annähend so viel wie diese Soldaten. Sie haben eine militärische Ausbildung absolviert, einen Eid geschworen; sie sind dementsprechend in der Pflicht zu kämpfen und wenn nötig zu sterben.
Wenn ein Oberleutnant oder ein Major unter seine Führung hundert „Millionäre“ hat, so möchte er, ob aus Gier oder Gerechtigkeitssinn, an ihrem Gewinn beteiligt sein, er will an deren Geld. Letzten Endes ist das Leben der „Millionäre“ ganz allein von ihm, seinen Handlungen und Entscheidungen abhängig.
Sein Businessplan sieht dementsprechend wie folgt aus: so viel wie möglich von den Soldaten zu bekommen und sie danach möglichst schnell zu entsorgen, um neue noch nicht verdroschene frische „Millionäre“ unter seine Fittiche zu bekommen.
Und je mehr Verluste ein Offizier meldet, als desto kampffähiger wird seine Einheit anerkannt. Daraus entsteht eine paradoxe Situation.
Möglicherweise ist diese vom Staat gekaufte Armee die einzige der Welt, in der die Offiziere ein großes Interesse daran haben, möglichst viele Soldaten zu verlieren.
Laut Berichten der überlebenden Deserteure hat diese Art Geschäfte ein phantastisches Ausmaß erreicht. Zuerst werden die Soldaten vor die Wahl gestellt: Sie können sich von einer aussichtslosen Attacke freikaufen. Für die Ausrüstung, für einen bevorzugten Kampfplatz...für alles wird ein Preis verlangt.
Wenn das Geld alle ist, müssen sie dran glauben. Die neuen Soldaten sollen von den Regionen Russlands zur Verfügung gestellt werden, doch weil die Masche sich inzwischen herumgesprochen hat, sind sie nicht aufzufinden. Angefixt von dieser kannibalistischen morbiden Turbokorruption dreht sich der Fleischwolf des Krieges immer schneller.
Russendiskonews Juli/2 2026
Was denken die Russen über ihren Krieg? Die Kritik am Krieg gehört inzwischen im Angreiferland zum Alltag. Wenn es früher hauptsächlich um die stagnierende Situation an der Front und klägliche Eroberungen in den besetzten Gebieten der Ukraine ging, wird heute über den Krieg im russischen Himmel laut und hektisch diskutiert. Erstaunlich, aber wahr: In den ultrapatriotischen Kreisen der Militärblogger, unter den ins Ausland geflüchteten Kriegsgegnern und bei der verzweifelten und erbosten Bevölkerung herrscht zum ersten Mal seit Beginn der Speziellen Operation in einer Frage Konsens: Die Lage ist schlecht.
Überall im großen Land brennt es. Vor allem haben es allen die ukrainische Drohne angetan, die eine der größten Raffinerien des Landes in Omsk erwischte, im tiefsten Sibirien, 2500 Kilometer von der Front entfernt. Wie konnte das passieren, von wo war der Vogel geflogen und war es überhaupt eine Drohne?
In allen vergangenen Kriegen, die Russland führte, blieb Sibirien verschont, weder Napoleon im Ersten Vaterländischen Krieg noch Hitler-Deutschland im Zweiten konnten Sibirien gefährlich werden. Die patriotischen Beobachter scheinen verunsichert zu sein. Gegen wen kämpfen wir überhaupt? Wer ist der Feind?
Die Propagandisten im Fernsehen hatten große Mühe ein passendes Feindbild zu malen, das zu diesem vergeigten Krieg paßt. Die Ukraine als Feind kam nicht infrage. Es wäre einem dummen Märchen gleich, wenn das größte Land der Welt mit einer Millionenarmee und schier endlosem Waffenarsenal seit beinahe fünf Jahren um ein kleines Dorf in der Ostukraine kämpfen würde, nur weil die Ukrainer so tolle Soldaten wären?
Die Propagandisten waren sich einig, es war die Nato, die uns in die Quere kam, die Nato hegte schon immer böse Pläne und wollte mit Russland abrechnen. Doch die Nato wurde in den russischen Medien stets als eine von Amerika abhängige, ineffektive Vereinigung dargestellt, ein Haufen Bürokraten, ein Papiertiger ohne Zähne. Wie konnte dieser Papiertiger so erfolgreich werden?
Ist unser Feind vielleicht das Pentagon? Hat der amerikanische Präsident in aller Öffentlichkeit die Militärhilfe für die Ukraine nicht verweigert? Er hat eigentlich genug mit den eigenen Kriegen zu tun. Lange suchten die kremltreuen Welterklärer nach einer neuen Wahrheit, die diese missliche Lage erklären konnte. Die neue Antwort lautete: Wir kämpfen gegen Big Data, gegen die neue, aufstrebende Weltmacht: die künstliche Intelligenz. Eine fortschrittlichere Generation der Mittelstreckendrohnen, ausgestattet mit Wasserstoffmotoren und mit K.I. brauche keine Drohnenführer mehr, mit nötigen Informationen gespickt, kann sie ihre Ziele selbst auswählen und die beste Route ausrechnen, schnell, präzise und für die Raketenabwehr unsichtbar.
Eine Gruppe von Computerfreaks, die die Weltherrschaft anstreben, nutzen nun den russischen Angriffskrieg, um die neue Generation ihrer Waffen zu perfektionieren und deswegen ginge es mit der Armee nicht voran. Zwar habe der russische Präsident in mehreren Sitzungen des Sicherheitsrates und des Generalstabs schon mehrmals Anweisungen gegeben, dringend eine eigene souveräne K.I. herzustellen, doch seine Befehle wurden augenscheinlich von den zuständigen Wissenschaftlern und Ingenieuren verweigert. „Der Opa hat doch keine Ahnung vom Internet und deswegen sind wir verloren!“ Ein fatalistisches Stöhnen geht durch die militanten patriotischen Bloggerkanäle, eine Panikstimmung breitet sich dort aus.
Und die Bevölkerung? Sie verbringt währenddessen den Sommer auf dem Sofa vor dem Fernsehen. Die Urlaubssaison ist im Eimer, auf der Krim gibt es keinen Strom und an den Tankstellen kein Sprit. Der einzige Spaß: die Fußball WM. „Match TV“ soll zur Zeit der beliebteste Sender im russischen Fernsehen sein, mit sagenhaften Quoten. Ohne Nachrichten von der Front, ohne aufdringliche, langweilige Sendungen über die „traditionelle Werte unseres Landes“ und über den „Triumph des russischen Geistes“ bringt der Sender den ganzen Juli die Fußballweltmeisterschaft, Spiel für Spiel und hat eine unglaublich hohe Aufmerksamkeit in der Bevölkerung errungen. Wen juckt schon der Krieg, wenn Argentinien spielt! Die Moderatoren erinnern sich beim Kommentieren der Spiele nostalgisch an den Sommer 2018 als die Fußball WM in Moskau stattfand und die ganze Welt die Russen mochte. Und viele fragen sich, was ist bloß mit uns passiert? Nur 8 Jahre später summen die Drohnen Richtung Omsk, Japan spielt gegen Brasilien, im Ersten Programm spuckt ein glatzköpfiger Professor Gift und Galle, „Ein Atombombenabwurf auf ein Nato-Land ist unabdingbar, damit der Wahnsinn endlich aufhört!“ Keiner hört ihm zu. „Die Japaner haben die gleichen schönen Trikots, wie damals 2018“, bewundert gleichzeitig auf Match. TV der Fußballmoderator die japanische Mannschaft für ihren guten Geschmack. Alle wollen zurück ins Jahr 2018, doch das Rad der Zeit lässt sich leider nicht zurückdrehen.
Russendiskonews Juli2026/I
Einige Anmerkungen zur Sicherheitsfrage
Zum vierten Mal seit Beginn des Krieges hat der russische Präsident den Kern seines Sicherheitsdienstes FSO erweitert. Das Zentralkomitee der Präsidentenbewachung wurde vergrößert und aufgemotzt, von 780 auf 812 Personen, berichteten die regimtreuen Medien des Landes. Die Beobachter wundern sich, warum das mitten im Sommer passiert, und nicht wie vorher am Ende jedes Jahres aufgrund des fluiden Sicherheitskonzeptes, das permanent verändert und angepasst werden soll an die Erfordernisse der Zeit.
Möglicherweise haben die neuesten Ereignisse im Iran und in Venezuela dazu beigetragen, das eigene Sicherheitskonzept noch einmal zu überdenken. Die amerikanische Führung hat die Weltpolitik in ein Spiel ohne Regeln verwandelt, es scheint zu einer validen politischen Geste zu verkommen, die Machthaber eines anderen Staates gezielt und direkt anzugreifen.
Vielleicht aber ist es im Fall Russlands dem fortgeschrittenen Alter des Präsidenten geschuldet, dessen Bedürfnis nach Sicherheit immer größer wird.
Selbst ein ehemaliger Sicherheitsoffizier, betonte er immer wieder, dass die Frage der Sicherheit über alle anderen Fragen Vorrang hat.
Für ein autokratisches Regime stimmt das sogar.
Denn was nützen diesem Staat wirtschaftliche oder militärische Erfolge, wenn das Oberhaupt, also der Kopf, nicht mehr da ist.
Deswegen bekommen die Sicherheitsdienste in Russland immer mehr Macht, ganz vorne FSO.
Dazu muss man wissen, das Zentralkomitee der Bewachung ist nur die Kernabteilung des Sicherheitsdienstes, es sind ausgewählte Personen, die im direkten Kontakt mit dem Präsidenten arbeiten, sein Essen vorkosten, seine Trinkflasche kontrollieren, den Koffer mit seinen Exkrementen (die persönliche Biotoilette) mitschleppen. Die anderen Abteilungen, die für Drohnen- und Raketenabwehr des Präsidenten zuständig sind, für den Schutz seiner Reiserouten und für die Logistik seiner öffentlichen Auftritte, gehören nicht zum engen Kern.
Der Gerechtigkeit halber muss an dieser Stelle gesagt werden, das Bedürfnis nach Sicherheit ist nicht nur in Russland, sondern überall auf der Welt gestiegen, die Branche verschluckt unheimliche Summen, er werden keine Kosten gescheut. Von Politologen wird es oft als eine humanistische Entwicklung aufgefasst, die Wertschätzung des menschlichen Lebens ist größer geworden, die Sicherheitsexperten bieten ihre Dienste an.
Dagegen ist erst einmal nichts zu sagen, natürlich ist die Sicherheit wichtig, man darf bloß sein Leben nicht allein nach den Anweisungen der Sicherheitsexperten richten, weil diese Menschen dir dein Leben zur Hölle machen können. Sie werden Dir ein sicheres Haus bauen, natürlich ohne Fenster, um die Gefahren zu vermeiden, die durch die Fenster reinfliegen können. Sie werden deine Möbel und dein Bett an den Boden festschrauben, damit sie im Fall eines Erdbebens nicht verrutschen, sie werden dir jeden Ausgang verbieten, das Internet abschalten und am Liebsten auch noch deine Identität löschen, damit niemand mehr weiß, wer Du bist. Noch vorteilhafter für Deine Sicherheit wäre es natürlich, wenn Du selbst auch nicht mehr weiß, wer du bist, dann kannst Du deine Identität nämlich niemandem mehr verraten. Die totale Sicherheit ist ein Mischwesen aus Klapse und Knast. Es bringt sogar die Präsidenten in eine missliche Lage, sie werden von ihren Bewachern abhängig.
Oft wird die heutige Diktatur Russlands mit der Sowjetunion verglichen. Die Hoffnung dabei: Irgendwann kommt ein neuer Gorbi und das Volk lässt es sich nicht mehr gefallen. Ich halte diesen historischen Vergleich für falsch.
In meiner Heimat, der Sowjetunion war die Kommunistische Partei das alles durchdringende Institut der Machtausübung, alle anderen, auch und gerade die Sicherheitsdienste waren ihr untergeordnet.
Die Partei hatte eine Ideologie, sie beanspruchte eine eigene politische Ökonomie und verknüpfte ihre Philosophie mit Marx und Engels. Die kommunistischen Ideale waren ein wichtiger Teil ihrer Daseinsberechtigung, ihrer Legitimität.
In dem neuformatierten Russland spielt die Regierungspartei, wie alle übrigen Parteien nur eine formale Rolle, das Zepter der Macht hält ein Collegium der Sicherheitsdienste in der Hand, in seiner Mitte der FSO und ihr Kern: das Zentralkomitee der Bewachung des Präsidenten.
Diese Macht hat keine ideologischen Ansprüche, das politische Leben des Landes wird allein von Sicherheitsexperten organisiert:
Es gestaltet sich als permanente Suche nach Bedrohungen von außen und innen mit ihrer abschließenden Beseitigung. Damit sind all die Kriege an den Grenzen (Nato-Bedrohung) und die Repressionen im Land gegen Andersdenkenden (feindliche Agenten) zu erklären. So gesehen ist gar nicht der Präsident, sondern der Mann mit dem Exkrementenkoffer der Chef.
Ein auf Sicherheit fixierter Staat bedroht die Sicherheit auf dem Planeten.
Meine letzten Auftritte vor der Sommerpause in Brandenburg und Mecklenburg: Am 03.07. in Kremmen und am 04.07. tagsüber in Priborn, beides mit "geheimen Leben der Deutschen", so ein schöner Titel, eine Geschichte, die immer weiter erzählt werden kann. Alle sind willkommen!
Russendiskonews Juni 26/2
Feierlichkeiten im Gorki Park, Jazzfestivals, Filmpremieren, in Juni fiel es den Russen besonders schwer, sich auf den Krieg zu konzentrieren. Der Krieg ist alt und trödelt vor sich hin, die Bevölkerung hat sich an den Krieg gewöhnt, wie man sich an Tinnitus gewöhnt, extrem unangenehm, aber leider unheilbar. Die allgemeine Meinung der Bevölkerung geht dahin zu sagen, das sei nicht unser Krieg, sondern von „denen da oben“. Die-da-oben kaufen sich Soldatenleben, die immer rarer und teurer werden, sie versuchen damit ihren Krieg weiter anzuheizen, der mehr qualmt als brennt. Auch der Kriegsherr macht einen müden, überforderten Eindruck. Zum „Tag Russlands“, einem Nationalfeiertag, der am 12 Juni gefeiert wird, traf er sich im Kreml mit den sogenannten „Veteranen der Spezialoperation“, einige von Ihnen für grausame Verbrechen vorbestraft, hatten eine kriminelle Vergangenheit, sie wurden direkt aus dem Knast rekrutiert.
Der Präsident erzählte Ihnen von großen Rüstungsplänen, von neuen, streng geheimen Waffen und russischen Satelliten, die schon sehr bald aus dem All heraus die Lage an der ukrainischen Front drastisch verändern. Die aufmerksamen Beobachter sorgten sich über die physische Verfassung des Präsidenten. Während seiner Rede verdrehte er den Hals, schaute schräg an den Veteranen vorbei, zog die Laute in die Länge und nuschelte. Ist der Oberbefehlshaber möglicherweise überarbeitet? Bei seinem Pokerface konnte man noch nie wissen, ob er wirklich an seine Erzählungen glaubt oder nur so tut als ob.
Lange ist es her, als er mit nacktem Oberkörper auf einem Ross durch die mittelrussische Ebene galoppierte, in einem Taucheranzug wertvolle Amphoren vom Boden des Schwarzen Meeres hochholte, die von gefälligen Archäologen speziell dort platziert worden waren. Er flog mit einem Kranich zusammen unter den Wolken und kuschelte mit einem Tiger in der Taiga – der muskulöse Anführer des größten Landes der Welt. Das größte Land schien unbesiegbar und mächtig zu sein, allein durch seine gewaltige Endlosigkeit. Dann beschloss das größte Land noch mehr zu wachsen und zog gegen ein viel kleineres Land in den Krieg. Plötzlich erwies sich gerade die Größe des Landes als ein Nachteil. Die kleinen Länder können sich besser gegen tief fliegende Angriffe schützen, sie können sich unter einer eisernen Kuppel verstecken, Raketen und Drohnen abwehren. Das größte Land der Welt passt unter keine Kuppel. Auf der ganzen Welt gibt es nicht genug Luftabwehrsysteme, um das große Russland vor ukrainischen Drohnen zu schützen, die Nacht für Nacht zu Hunderten ins Landesinnere fliegen und Ölverarbeitungsfabriken, Militärbetriebe und Strommasten in die Luft sprengen. Das ist ärgerlich und deshalb wird darüber in den regimetreuen Medien nicht berichtet. Es gibt auch bessere, interessantere Themen: Das Glamourleben hat wieder grünes Licht, die bunte Welt der russischen Fernsehstars, Modedesigner und Schlagersänger. sie dürfen wieder Partys veranstalten, sie müssen sich nicht mehr wie in den letzten Jahren vor den Veteranen und Patrioten für „ungebührliches Verhalten“ entschuldigen. Noch vor kurzem wurden sie scharf bestraft, ihre Partys wurden verboten, die landesweit bekannten Schlagersänger mussten sich schwarze Pullover statt goldige Dolce Gabbana anziehen und an die Front fahren, um für die Soldaten zu singen.
Das Land sollte wie ein Mann im Clash der Zivilisationen stehen, patriotisches Verhalten wurde verlangt. Damit scheint jetzt Schluss zu sein. Die russischen Medien füllen sich mit Glamournews. Der Sänger Kirkorov hat eine neue Nase! Ein Wunder der kosmetischen Chirurgie! Die neue Nase stehe ihm viel besser als die alte, der Minirock mit Rüschen wurde zum Modestück des Sommers erklärt, die Buchmesse „Roter Platz“ wurde feierlich auf dem Roten Platz eröffnet und die russische Fußballnationalmannschaft hatte mit Bestleistung die Mannschaft von Trinidad und Tobago 3:0 geschlagen. Deswegen durften sie auch nicht zur Weltmeisterschaft reisen, weil die anderen Länder zu viel Angst vor einer Niederlage gegen die russische Elf hatten.
Jede Nacht brennen Fabriken und Militärstützpunkte, jede Woche werden tausend Soldatenleben vernichtet, die Halbinsel Krim wurde in die Zange genommen, die Lebensmittel werden knapp, große Schlangen an den Tankstellen, die dringliche Frage „Wie geht es weiter?“ wagt jedoch niemand laut zu stellen.
Das Land führt ein Doppelleben, ein Leben im Traum seines Präsidenten und ein reales, mit einer Million getöteten und verletzten in einem sinnlosen Krieg und der neuen Nase von Kirkorov im Hinterland. Diese zwei Welten werden zwangläufig irgendwann aufeinanderprallen, je später, umso knalliger wird es werden.
Russendiskonews 06/2026
Monumentale Propaganda gestern und heute.
Überall in Russland werden an öffentlichen Plätzen merkwürdig ausdruckslose Denkmäler aufgestellt. Wie am Fließband angefertigt, zeigen sie einen vermummten Soldaten, der eine kugelsichere Weste und ein Maschinengewehr trägt. Neben dem Soldaten stehen ein Kind und eine Katze. Es handelt sich hiermit um ein Bildnis des so genannten „grünen Männchens“, wie diese Vermummten im Volk genannt werden.
Das erste Denkmal dieser Art wurde auf der Halbinsel Krim, gleich nach der Annexion 2014 aufgestellt. Damals gelang es der russischen Führung mit einer Spezialeinheit die Halbinsel blitzschnell und fast ohne Verluste zu besetzen. Die Soldaten, die allen Regierungsgebäuden einkesselten, waren vermummt und trugen dunkelgrüne Uniformen ohne Abzeichen. Seit dieser Spezialoperation sind die „grünen Männchen“ zu einem Sinnbild der russischen Großoffensive gegen das Nachbarland und die ganze Welt geworden.
Wenn im russischen Fernsehen Drohungen gegen Europa ausgesprochen werden, geht es stets darum, die „grünen Männchen“ dorthin zu schicken. Erst einmal breiten sie sich jedoch als Skulpturen im innerrussischen öffentlichen Raum aus.
Den Schätzungen der Kollegen zufolge wurden seit Beginn der Großoffensive über 170 solcher Monumente aufgestellt, angefertigt unter der Führung von Salawat Tscherbakov, dem lizensierten Bildhauer-Chefdesigner des russischen Kulturministeriums. Wie in der Sowjetzeit, als nur ausgewählte Bildhauer über das Patent zur Herstellung der Leninköpfe verfügten, das ganze Land mit diesen Köpfen überzogen und dadurch zu den reichsten Sowjetbürgern wurden, wird heute in Russland mit den grünen Männchen kräftig verdient. Doch selbst die Leninbüsten hatten mehr Ausdruck, zumindest waren sie nicht vermummt. Und manche Lenindenkmäler strahlten so etwas wie Freude aus. Aber vielleicht bilde ich mir das nur ein.
Meine Kindheit und Jugend habe ich unter unzähligen Leninbüsten verbracht. Sie gehörten zur Innenausstattung jedes Amtes, in jeder Parkanlage konnte man einen Lenin im Busch finden. Auch in der DDR wurden die Köpfe der Parteikader in großer Zahl angefertigt und später darüber unzählige Witze gemacht. Mein Lieblingswitz zu diesem Thema geht so: Ein kleines Mädchen hat sich verlaufen, es steht auf der Straße und weint. Der Ordnungshüter fragt sie, wie ihre Eltern heißen und ob sie überhaupt jemanden in dieser Stadt kennt?
Ja, sagt das Mädchen. Walter Ulbrecht und Rosa Luxemburg.
Es gibt keine offizielle Statistik, wie viele Büsten von Walter Ulbricht es in der DDR gab. Sie wurden ebenfalls wie die von Lenin und Karl Marx aus allen möglichen Materialen hergestellt: aus Bronze, aus Gips und aus Metall. Es gab sogar welche aus Porzellan. Manche wurden in Regierungsgebäuden und Schulen aufgestellt oder sie wurden in kleineren Auflagen als Ehrengeschenke für andere Diktatoren und Autokraten angefertigt. Nach dem Machtwechsel zu Erich Honecker im Jahr 1971 und Ulbrichts Tod 1973 wurden sie systematisch aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt, die Bürsten wurden entfernt, teilweise eingeschmolzen oder eingelagert. Von Erich Honecker gab es in der DDR keine staatlich geförderten Denkmäler oder öffentlichen Monumentalbüsten. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger verzichtete Honecker auf diese Art Kunst, er mochte lieber Malerei. Die Bilder von ihm hingen in allen staatlichen Behörden und sind auch heute noch auf diversen Flohmärkten zu finden. Der aktuelle russische Präsident macht es Honecker nach, auch seine Bilder hängen tausendfach in sämtlichen Amtsstuben des Landes, immer am gleichen Platz, an der Wand hinterm Chefsessel. Von da aus kann der Präsident alle Amtsinhaber mit seinem strengen Blick kontrollieren. Die Straßen und Plätze werden dafür mit den vermummten grünen Soldaten in Menschengröße geschmückt.
Die heutige monumentale Propaganda unterscheidet sich allerdings durch die erstaunliche Ausdrucklosigkeit von ihrer sozialistischen Oma. Pikanterweise beschäftigte sich ihr Autor Salawat Tscherbakow, bevor er zum Staatsbildhauer wurde, mit dem Design von Spielhallen und hat im Auftrag von Wachsfigurenmuseen gearbeitet.
Sein Wachsfiguren-Realismus ersetzt in neuem Russland die Kunst. Denn Kunst kann sich in einer Diktatur nicht realisieren. Die Künstler neigen zur Reflektion, sie üben Kritik, halten der Gesellschaft den Spiegel vor, sie regen auf, sie drucken Emotionen aus und laden die Betrachter zum Nachdenken ein.
Das alles kann der russische Staat heute nicht gebrauchen, deswegen werden die Künstler aus dem Land gemobbt und durch Wachsfiguren- Anfertiger ersetzt.
Trotz dieser hyperrealistischen Darstellung wird man beim Betrachten der neuen Monumente das Gefühl nicht los, mit einer postmodernen Täuschung zu tun zu haben. Ist das ernst gemeint oder alles nur ein Spiel?
Auf jeden Fall warten große Aufgaben auf die russischen Stadtreinigungsbetriebe der Zukunft. Sie werden nach dem Krach des Regimes hunderte von diesen vermummten Puppen einsammeln und irgendwo einschmelzen müssen. Hoffentlich werden sie von den Künstlern der Zukunft zu einer großen „Kugel des Friedens“ eingeschmolzen, einem Mahnmal mit der Aufschrift „Nie wieder Krieg“, das auf dem Roten Platz anstelle der Zarenkanone aufgestellt werden wird.
Der Sommer ohne Literatur ist wie Eierlikör ohne Eier (finde ich bedenklich, ist aber jetzt Mode).
Ich habe folgendes in Planung: Eine Sommerlesung in der Volksbühne am 8.06. und eine Sommerlesung in Alexandrowka am 18 Juli, das ist ein historisches russisches Dorf in Potsdam, mit Baba Yaga Häuschen und Soljanka Restaurant. Es gab nämlich Zeiten, da hatten sich die Preußen und die Russen geduzt und gut verstanden. Damals, als der Eierlikör noch richtige Eier hatte. Alle willkommen.
Wer wird der erste sein?
Nach dem plötzlichen Verschwinden des Buckelwals aus den deutschen Nachrichten scheint das Land schwer mit seiner Regierung beschäftigt zu sein. Die allwichtigste Frage, die man sich stellt, lautet: Warum geht es mit Reformen nicht voran? Laut Umfragen ist die Mehrheit mit der Arbeit der derzeitigen Regierung unzufrieden.
Die Unzufriedenheit der Wähler lenkt das politische Geschehen, die Wähler fühlen sich übergangen, schon wieder falsch gewählt. Was ist nun falsch?
Es fehlt nicht an den Parteien, es sind genug Parteien da, doch ihre Vertreter scheinen bei dem Wahlvolk nicht zu punkten. Die Wähler können nur diejenigen wählen, die kandidieren, sie haben auf die Auswahl der Kandidaten keinen Einfluss.
Und die Kandidaten sind unvollkommen, jeder hat eine Macke. Wenn man bloß die wirtschaftliche Kompetenz des Herrn S. mit der Glaubwürdigkeit der Frau R. dazu den Freigeist von Herrn G. und die dicke Haut von Herrn P. (am besten noch mit dem Dackelblick des Hern H. ist aber keine Bedingung) zusammenschmelzen könnte, das wäre ein idealer Kandidat, der würde Deutschland wachküssen, denken die Wähler. Ist ein solcher Kandidat bloß Wunschdenken oder kann man da was drehen? Ja, man kann. Der technische Fortschritt macht es möglich.
Mit Hilfe der künstlichen Intelligenz wäre ein solcher preiswerter Kandidat leicht herzustellen und mit regelmäßigen Updates auf dem neuesten Stand zu halten, er könnte tagelang Reden halten, er würde alle Sprachen der Welt beherrschen und niemals stolpern. Nun steckt die KI noch am Anfang ihrer politischen Karriere, die Menschen sind träge und konservativ, sie sind wie immer misstrauisch jeder Neuerung gegenüber. Sehr langsam, auf leisen Pfoten nähert sich die neue Technologie dem politischen Betrieb, zuerst als witzige Deepfakes in den Social Media, als Abwesenheitsvertretung eines krank gewordenen Amtsträgers und auch schon mal als erste digitale Ministerin für Korruptionsbekämpfung, wie es in Albanien der Fall ist.
Die Russen vermissten ihren Schirinowski, den verstorbenen Vorsitzenden der Liberal- Demokratischen Partei, die weder liberal noch demokratisch war, was aber niemanden störte. In Russland ist nichts so wie es heißt. Der Witzbold Schirinowski sorgte für Unterhaltung im Parlament.
In der Zeit der Pandemie hatte er allerdings eine übertrieben große Angst vor dem unbekannten Erreger entwickelt und sich mit Vakzinen aller Art zu Tode geimpft, wie es unter seinen Anhängern erzählt wird. Nach seinem Tod schafften seine Leute mithilfe der KI einen ewig lebenden Schirinowski. Der wieder zum Leben erweckte Politiker tritt nun auf allen möglichen Bühnen, Kongressen und in TV- Sendungen auf, spritzig, witzig, frech, ganz wie der alte.
Überall auf der Welt werden Deepfakes von lebenden Politikern als Waffe im Wahlkampf eingesetzt. In der Slowakei kurz vor Robert Ficos Wahl war der Avatar seines Hauptkonkurrenten von der Partei „Progressive Slowakei“ im Netz mit einer provokativen Rede aufgetaucht, im Fall seines Sieges wolle er die Bierpreise erhöhen. Die Bierpreise sind in der Slowakei nationales Heiligtum, das Bier ist Hauptnahrungsmittel.
Die Empörung der Bevölkerung war groß, die Erklärung des Kandidaten, dass es sich um einen Deepfake handele, konnte ihn nicht mehr retten. Es gibt kein Rauch ohne Feuer, argwöhnte das Volk.
In London machte eine Aufnahme die Runde, wie Sadik Chan abwertend von „Remembrance Day“ sprach, er würde diesen Gedenktag am besten aus dem Kalender streichen.
Die Aufnahme war gefälscht, die Empörung darüber echt und kostete dem Bürgermeister beinahe sein Amt.
Während der letzten Wahl in den USA agitierte KI mit einem manipulierten Biden für Trump und in Pakistan sprach der Premierminister frei zu dem Volk, obwohl er in Wahrheit im Knast saß. Beispiele für den Einfluss der KI auf politische Geschehnisse gibt es ohne Ende. Längst gestorbene Politiker werden in Indien und Indonesien zum Leben erweckt und in Albanien kämpft wie gesagt die hübsche KI-Ministerin Diella rücksichtslos gegen Korruption.
Sollte es in naher Zukunft zu einem ersten KI-gesteuerten Präsidenten kommen, tippe ich auf Russland.
Dafür sprechen viele Faktoren. Erst einmal lautete die offizielle Politik der letzten zwanzig Jahre „Ohne Putin kein Russland“, alle haben sich an den Mann gewöhnt, jemand anderer in dieser Funktion ist nicht haltbar. Zweitens hat sich Russland schon öfter als Experimentierfeld der Geschichte zur Verfügung gestellt, siebzig Jahre lang Kommunismus auf- und später abgebaut, die Bevölkerung zeigte sich stets äußerst geduldig und in hohem Maß loyal, auch dem technischen Fortschritt gegenüber.
Der Wille der Eliten, die vorhandene politische Situation auf eine Ewigkeit zu verlängern, ist ebenfalls vorhanden, der Präsident selbst sieht sich im Zeithorizont von 150 Jahren als unersetzlich, wie er in einem Gespräch mit dem chinesischen Kollegen bereits erwähnte, die technischen Kapazitäten sind vorhanden.
In der Wahrnehmung der Bevölkerung existieren übrigens drei Putins, die unter den Spitznamen „Der Festredner“ „Der Jäger“ und „Der General“ bekannt sind. Sie alle könnten als KI-Modelle weiter agieren, vorausgesetzt die Stromversorgung wird nicht unterbrochen.
Russendiskonews Mai 2026/II
Pünktlich zum Internationalen Tag der russischen Sprache, der an Puschkins Geburtstag gefeiert wird, beschloss der Untersuchungsausschuss der russischen Föderation die Werke von Puschkin auf obszöne Lexik zu prüfen. Die Zensur steht vor großen Herausforderungen, sie muss alles jemals in Russland Gedruckte noch einmal mit den Augen des Präsidenten durchlesen und alles Verdächtige vorsorglich verbieten. Jede Woche crasht es in den Literaturkreisen, ein Skandal nach dem anderen, mal verschwinden die biologischen Lehrbücher aus den Buchregalen, weil darin Schnecken vorkommen. Den Schnecken wird eine Verbindung zur LGBTQ nachgesagt, da sie naturbedingt ihr Geschlecht wechseln können, was in Russland strafbar ist und neuerdings als extremistische Propaganda eingestuft wird. LGBTQ gilt als eine extremistische Organisation, die queeren Schnecken müssen nun dafür geradestehen.
Die russischen Parlamentarier haben beim Verfassungsschutz die Kindergedichte von Grigori Oster eingereicht, sie müssten dringend geprüft werden. Grigori Oster galt in Russland als ein Koryphäe der Kinderliteratur, mit seinen „Schädlichen Ratschlägen“ sind mehrere Generationen aufgewachsen:
„Wenn in deiner Hosentasche sich kein einz`ger Rubel findt
Greif dem Nachbarn in die Tasche, denn da liegt das Geld bestimmt.“
Jedes Kind konnte bis jetzt gut über diese Ratschläge lachen, die russische Führung nicht. Lustigerweise hatte Oster vor langer Zeit für die heutige Regierung die offizielle Internet- Seite über das politische System der russischen Föderation in einer für Kinder verständlichen Sprache geschrieben. Dort steht unter anderem über den Präsidenten: „Wenn Dein Präsident nur gelobt und hochgepriesen wird als bester und klügster Mann auf Erden und das viele Jahre lang, so sei auf der Hut, irgendetwas stimmt mit ihm nicht.“
Diese Seite wurde bisher noch nicht gelöscht, ein blinder Fleck in der Arbeit des Zensurkomitees, aber die sind auch eindeutig überarbeitet. Es ist gut nachvollziehbar, warum der russische Präsident diese Kindergedichte nicht mag. Unter anderem hat Oster folgendes geschrieben:
„Wenn Dir Mamas Lieblingstasse aus der Hand gefallen ist,
eile nicht sofort zu beichten „tut mir leid, ach so ein Mist.“
Vielleicht ist morgen Bürgerkrieg und keiner hat die Tassen im Blick“
Der Kampf für die russische Sprache und Literatur ist zum Bestandteil des aktuellen Krieges geworden. Die zensierte und verunstaltete russische Literatur lebt im Ausland weiter. In der ersten Maiwoche fand die russischsprachige Buchmesse in Berlin statt. Diese beispiellose Ansammlung von tollen Autoren, Verlegern und LeserInnen könnte der Leipziger Buchmesse Paroli bieten, nur dass die Messe komplett auf Russisch stattfand. Seit Beginn des Krieges sind dutzende wichtige Autoren ausgewandert, 37 Verlage wurden gegründet, unzählige Buchhandlungen geöffnet. Die Anzahl auf Russisch lesenden Menschen im Ausland wird auf etwa 30 Millionen geschätzt.
Die Folge davon: In jedem europäischen Land werden Bücher in russischer Sprache verlegt, sie werden nicht nur im Ausland gekauft, sie sickern auch nach Russland durch. Es wird für das heutige Regime im Kreml nicht möglich sein, auch die Sprache für seine politischen Zwecke zu vereinnahmen. In zehn oder fünfzehn Jahren, wenn die dunkle Zeit des Autoritarismus zu Ende sein wird, werden die Russen dieses Drama verarbeiten müssen, sie werden darüber reflektieren, was mit ihrem Land passiert ist und warum. Das werden sie selbstverständlich in russischer Sprache tun. Dabei werden ihnen die in Berlin und Prag erschienenen Bücher helfen.
Zur allgemeinen Nachrichtenlage in der Bundesrepublik
Wo ist der Buckelwal? Wann kommt er zurück?
Woche für Woche begleiteten sie mich auf meinen Reisen, egal wann ich die Nachrichten checkte, sie waren immer da. Sie waren beinahe meine Familienmitglieder geworden, der Trump und der Buckelwal.
Bei der Produktion der Topmeldungen lieferten sie sich ein Kopf-am-Kopf Rennen. Mal wurde auf Trump geschossen und der Buckelwal tauchte unter, dann aber drehte sich der Wal und schon war Trump aus den Nachrichten verschwunden.
Die Enthusiasten bauten ein Riesenaquarium, wahrscheinlich für beide, Trump und Buckelwal, hatten zusammen 2 Tonnen abgenommen, passten aber trotzdem nicht rein, dann hatten die Russen ihre Kurzparade und plötzlich waren alle weg. Die Nachrichten wurden von Hantaviren, Ratten und Spahn gekapert. Timmy, komm zurück!
Russendiskonews Mai 2026/1
Ein altes Sprichwort besagt, jedes Land hat die Nachrichten, die es verdient. In Mai beschloss die russische Führung ihre Siegesparade aus Sicherheitsgründen zu verkleinern, keine Panzer auf dem Roten Platz auffahren, keine Flugzeuge im Himmel, keine Kadettencorps und keine Jungoffiziere aufmarschieren lassen. Die einen wie die anderen sind infolge des endlosen Krieges rar geworden. Das Internet sollte für die Zeit der Feierlichkeiten gänzlich ausgeschaltet sein. Auch die Anzahl der ausländischen Gäste hat sich stark reduziert. Die amerikanische und die iranische Führung sind zu sehr miteinander beschäftigt, um nach Moskau zu fahren, der Chinese KP-Chef sagte ab und die Europäer meiden weitgehend die Kontakte zum Kreml. Seit Orban nicht mehr an der Macht ist, hat der russische Präsident keinen Gesprächspartner in Europa mehr. Der slowakische Premier Robert Fico würde zwar gern in Orbans Stapfen steigen, doch ihm fehlt das politische Gewicht. Als einziger europäischer Gast wollte er auf der Bühne in Moskau stehen, doch die baltischen Länder verweigerten ihm den Überflug, Fico drohte deswegen, mit Auto und Blaulicht nach Russland zu fahren.
In der Bevölkerung hat diese Parade nur für miese Laune gesorgt, vor allem in der Hauptstadt. Es macht niemandem Spaß, eine ganze Woche ohne Internet zu sein. Früher sind die Russen traditionell an den Mai- Feiertagen zum Schaschlik grillen ins Grüne gefahren, raus aus der Stadt. Dieses Jahr sitzen sie wie in einer Mausefalle, die Nachfrage für Grillfleisch reduzierte sich auf ein Drittel.
Das Fest, einst ein wichtiger Tag, der die Menschen an die Befreiung Europas vom Faschismus erinnerte, wurde vom Kremlregime einvernahmt und für den aktuellen Angriffskrieg in der Ukraine missbraucht, die so genannten Veteranen der „Speziellen Operation“ sollen nun, statt der echten Veteranen auf dem Roten Platz zu sehen sein. Der Ukraine- Krieg geht jedoch der Bevölkerung schon lange auf den Geist, niemand versteht, was der Sinn dieser Schlachterei ist, dadurch ist auch der Tag des Sieges für viele bedeutungslos und anstrengend geworden.
Die Führung im Kreml hat wirklich eine „Shit hand“, alles war sie anfasst verwandelt sich in eine schlecht riechende Substanz. So wurde das größte Fest des Landes in eine geschmacklose Propaganda-Plörre verwandelt. Sibirien zeigt in Richtung Moskaus den Zeigefinger. In Novosibirsk wurde ein Riesiges Plakat mit Orang-Utan aufgehängt, der zum „Tag des Sieges2 gratuliert. Nun wird der Zoodirektor des Extremismus beschuldigt.
Meine Lesereise geht weiter:
05.05.2026 20:00 Uhr Das geheime Leben der Deutschen Berlin, Die Wühlmäuse 06.05.2026 20:00 Uhr Das geheime Leben der Deutschen Brandenburg, Johanniskirche 07.05.2026 19:30 Uhr Das geheime Leben der Deutschen Eisenhüttenstadt, Friedrich-Wolf-Theater 08.05.2026 19:30 Uhr Das geheime Leben der Deutschen Neuenhagen bei Berlin, Bürgerhaus 09.05.2026 19:30 Uhr Die Kaminer Show 2026 Hansestadt Wismar, Theater 10.05.2026 18:00 Uhr Die Wladimir Kaminer Show Pütnitz,Damgarten, Technikmuseum Pütnitz
Alle sind willkommen!
Russendiskonews Mai 26/1
Kriegsmüdes Land
Die autoritäre gesellschaftliche Ordnung verfügt gegenüber der Demokratie über einige Vorteile für die obere Regierungsriege, vor allem: die Autokraten werden anders als ihre demokratisch gewählten Konkurrenten nicht so gnadenlos beschimpft, mit schlechten Fotos täglich in den Medien verunglimpft und durch den Kakao gezogen. Die Medien in einer Autokratie pflegen höfliche Umgangsformen mit den Regierenden und zweifeln überhaupt nicht an den herausragenden Eigenschaften und der intellektuellen Überlegenheit des Führers. Denn ohne diese besonderen Eigenschaften wäre es schwer, der Bevölkerung zu vermitteln, warum immer das gleiche bleiche Gesicht seit einem Vierteljahrhundert in jedem Büro an der Wand hängt.
Doch auch Autokraten haben schlaflose Nächte, sie müssen sich ständig Gedanken darüber machen, was die Bevölkerung wirklich von ihnen hält.
Sie haben den bohrenden Verdacht, dass niemand Ihnen die Wahrheit sagt. Das ist unangenehm und sorgt für ein ständiges Kribbeln im Rücken. Die Bevölkerung kann sie zwar nicht abwählen, aber sie kann die Autokraten boykottieren, auslachen und ihre Handlungen insgeheim anzweifeln. Und irgendwann einmal nicht mehr mitmachen, jeder an seinem Platz.
Die Autokratie ist eine unsichere gesellschaftliche Ordnung, die Untertanen agieren im Verborgenem, nach außen loyal, hinter verschlossenen Türen rebellisch. Es ist wie an der Front. Man weiß nie, wann es knallt. Jetzt hat sich plötzlich eine in Russland bekannte Livestyle-Bloggerin zu Wort gemeldet, die Millionen Follower hat. Sie hat den ersten Stein in Richtung Kreml geworfen. „Lieber Herr Präsident,“ sagte sie in ihrer Videorede, „niemand sagt Ihnen die Wahrheit, alle haben vor Ihnen Angst. Das ist aber nicht richtig, man soll keine Angst vor dem eigenen Präsidenten haben. Wissen Sie überhaupt, was in unserem Land los ist?“ Nach letzten Schätzungen haben 25 Millionen Menschen diese Videobotschaft vernommen.
Vor allem das Blockieren des Internets hat die schönheitsidealisierende Frau angeprangert. Nach ihr kamen andere Stimmen des Protests, die großen und mittelgroßen Sterne der russischen Celebritys, gar nicht die politisch motivierten Intellektuellen, Gelehrten oder die stark geschrumpfte russische Intelligenzia. Die Kritik kam von einer anderen Ecke, von den Frauen, deren unnatürlich aufgespritzte Lippen von eben dieser Intelligenzia stets mit Verachtung gestraft wurden. Sie haben ihre Stimme erhoben und wurden im Kreml erhört. Der Pressesprecher des Präsidenten versicherte den Frauen, dass die Regierung mit der Problematik vertraut ist und hart daran arbeitet, eine Lösung zu finden. Der Pressesprecher betonte: in dieser außergewöhnlichen Situation sei unser Land verpflichtet, gegen viele Feinde und Spione im Inneren des Landes und im Ausland zu kämpfen, deswegen war die Entscheidung, das Internet zu blockieren, unausweichlich.
Seiner Rede konnte man entnehmen, auch da oben im Kreml wird die heutige Situation in Russland als nicht normal empfunden, als Ausnahmezustand. Auch da oben hegt man die Hoffnung, dieser Zustand ist nur vorübergehend und bald soll alles wie früher werden. Aber wohin werden die ganzen Spione und Feinde dann plötzlich verschwinden? Oder sollen sie mit dem Präsidenten zusammen verschwinden, weil sie nur in seinem Kopf existieren? Das hat der Pressesprecher nicht gesagt, er hat nur gelächelt.
Denn der Präsident interessiert sich nicht fürs Internet, er führt den Krieg und hat nicht vor, halt zu machen. Er hat einen Tunnelblick, ausgelöst durch extremen Stress, Angst und Überforderung, er kann nämlich nur als Sieger aus diesem Krieg hervorgehen, den Sieg kann ihm aber gerade keiner liefern, weder die geschwächte russische Armee noch Trump mit seinen Tänzchen, alle haben versagt und die Ukrainer stehen wie eine eins, sie beschützen ihre Heimat. Der Tunnel, in dem sich der Präsident weiter bewegt, wird mit der Zeit immer enger, die Umfragewerte des Präsidenten sinken.
Die russische Wirtschaft kann die Rezession nicht abwenden, das Geld für den Krieg fehlt, auf der Suche nach einigermaßen preiswerten Soldaten werden inzwischen sogar Patienten in den geschlossenen Abteilungen der Psychiatrien rekrutiert. In diesen Kliniken werden die Kranken zum Fernsehschauen gezwungen, dementsprechend ist der Anteil der Patrioten dort deutlich höher als unter den Gesunden. Ob diese Patrioten wirklich als Soldaten taugen, darüber wird nicht mehr diskutiert.
Die Bevölkerung beginnt langsam Geräusche des Unmuts von sich zu geben, trotz der repressiven Vorgehensweisen der Staatssicherheit. Die Entsorgung jeglicher Bürgerrechte, die Schließung von unabhängigen Medien, Museen und Theatern, die Vernichtung der Bücher, mit für die Führung unangenehmen Inhalten haben die Bevölkerung kalt gelassen.
Aber das Blockieren des Internets hatte ihnen weh getan und plötzlich mehren sich die Stimmen des Protestes, trotz der Angst vor der Staatssicherheit. Laut einer Journalistenrecherche ist für das Blockieren des Internets die 2. Abteilung der Staatssicherheit zuständig, der russische Verfassungsschutz, die rücksichtslosesten Halunken, die auch als Giftmischer bekannt sind.
Es sind diejenigen, die Gifte für die Regimegegner und Überläufer hergestellt und benutzt haben. Gleichzeitig waren dieselben Leute für die Doping-Cocktails bei den Olympischen Spielen 2013 zuständig, damals hatten sie den Auftrag, für den Sieg der russischen Sportler zu sorgen.
Es ist schwer vorstellbar, was passiert wäre, wenn sie die Fläschchen damals vertauscht hätten. Die Sportler wären alle tot und Navalnij hätte wahrscheinlich übermenschliche Qualitäten entwickelt.
Radio Eriwan beantwortet Fragen
Ein junges Mädchen fragt: Was hören diese 50+ Leute in ihren Kopfhörern?
Radio Eriwan: Kirchliche Choräle, das Stöhnen der Dinosaurier und Stimmen längst verstorbener Verwandtschaft.
Und am 1. Mai ist Russendisko gegen den Krieg in SO36 Berlin Kreuzberg. Ab 22:30
Meine erste Lesereise in dem schönen Frühlingsmonat Mai:
05.05.2026 20:00 Uhr Das geheime Leben der Deutschen Berlin, Die Wühlmäuse
06.05.2026 20:00 Uhr Das geheime Leben der Deutschen Brandenburg, Johanniskirche
07.05.2026 19:30 Uhr Das geheime Leben der Deutschen Eisenhüttenstadt, Friedrich-Wolf-Theater
08.05.2026 19:30 Uhr Das geheime Leben der Deutschen Neuenhagen bei Berlin, Bürgerhaus
09.05.2026 19:30 Uhr Die Kaminer Show 2026 Hansestadt Wismar, Theater
10.05.2026 18:00 Uhr Die Wladimir Kaminer Show Pütnitz,Damgarten, Technikmuseum Pütnitz