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Dagur | Nótt
Winterwonderland Reykjavík Pünktlich zum ersten Dezember hat sich Íslands Hauptstadt in eine weiße Märchenlandschaft verwandelt. Schnee ist ja ohne hin schon ein sehr faszinierendes Naturphänomen. Aber nach wochenlanger Dunkelheit, Nässe und Wind lässt die weiße Schneedecke die Stadt besonders hell leuchten und bewirkt bei eigentlich allen eine erhöhte Dopamin-Ausschüttung. Obendrauf gab es dann sogar noch ein paar kurzweilige Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch die Wolkenberge bahnten. Ich wusste schon gar nicht mehr, was "Sonne" überhaupt ist. Und auch diese blaue Farbe da über mir, war ein seltener Anblick. Vor um 11 Uhr geht die Sonne hier nämlich gar nicht erst auf. Das heißt bis ca. 10 / 10:30 Uhr ist es noch stockduster. Wenn dann keine dicken grauen Regenwolken über dem Land hängen, kann man das Tageslicht bis ungefähr 16 Uhr genießen bevor es auch schon wieder finster wird. Aber zum Glück verstehen die Ísländer es, sich die dunklen Tage so angenehm wie möglich zu machen. Alle Straßen sind mit warm leuchtenden Glühbirnen geschmückt und auch die Fenster und Vorgärten der Häuser, die mit kleinen Lichterketten bespickt sind, strahlen in Gold- und Regenbogenfarben. Im Chor haben wir heute dann auch zum ersten Mal Weihnachtslieder angestimmt und somit bin jetzt auch ich entgültig in Weihnachtsstimmung. Doch bevor ich mich an das Plätzchenbacken mache und durch die Straßen bummeln kann, muss ich noch ein paar Prüfungen hinter mich bringen. Aber das wird schon!
ICELAND AIRWAVES FESTIVAL 2014 Auf einem großen Bildschirm sieht man dann leider doch, dass die Bilder mit einem Mobiltelefon aufgenommen wurden. Trotzalledem hier ein paar Eindrücke einer grandiosen Woche in Reykjavik!
...good morning Reyjavik. It looks like 7 or 8 in the morning but it's actually 9:30... can't wait for the real winter...
...an einem Samstag im Oktober mit dem Fahrrad unterwegs.
PROTESTSINGEN AUF EINEM LAVAFELD
In den Ballungszentren Islands fehlt es nachweislich an Wohnraum. Gleichzeitig ist der Großteil der Insel nicht bewohnt. Warum dann nicht ein paar Quadratkilometer uralte Lavamasse „beseitigen“ um darauf Straßen und Wohngebiet zu bauen? Die Menschen hier wollen das nicht. Sie möchten ihre einzigartige Landschaft schützen. Ich habe die wunderschönen Lavakunstwerke bereits in den verschiedensten Formen bewundern können. Die tiefschwarzen Felsen mit leuchtend grünem Moos bewachsen ziehen seinen Betrachter in einen Bann. Eine Landschaft nicht aus dieser Zeit, nicht von dieser Welt. Die Besonderheit im Land der Vulkane ist in meinen Augen die, dass man nicht erst einen umzäunten Nationalpark betreten muss um einzigartige Natur und Landschaft bestaunen zu können. In Island leben die Menschen nicht neben der Natur. So kitschig das auch klingen mag, hier lebt man mit und in der Natur. Die Grenzen verschwimmen.
(Dieses Bild entstand vor gut zwei Wochen an anderer Stelle und als der Wintereinbruch noch vor uns lag)
Vor genau einem Jahr wurde Gunnsteinn Ólafsson von der isländischen Polizei verhaftet. Er hatte sich mit der Regierung Islands angelegt, die eine Straße mitten durch eines der ältesten Lavafelder bauen wollte. Als Zeichen des Protests legten er und ein paar weitere Aktivisten sich den Baggern und Bauarbeitern in den Weg. Ein Jahr später nimmt die Bebauung seinen Lauf. Allerdings nicht nach den ursprünglichen Plänen. Die Gegner der Bebauung haben es trotz Verhaftung geschafft die Ausmaße zu beeinflussen. Gunnsteinn Ólafsson ist Dirigent und Chorleiter des Universitätschors von Reykjavik. Er hat unter anderem in Ungarn, Italien, Deutschland und Finnland studiert und gearbeitet und beherrscht auch all diese Sprachen sehr gut! Ansage am ersten Tag im Chor: „DON’T SPEAK ENGLISH TO ME! Sprecht mit mir in eurer Muttersprache wenn isländisch nicht in Frage kommt!“ …. Spätestens da hatte der einstige Dirigent des Isländischen Symphonie Orchesters meinen Respekt. Heute am 21.10.2014 gab es erneut eine Zusammenkunft der Beteiligten und Gegner der Bebauung an der Baustelle. Neben heißem Kaffee und traditionellem isländischen Gebäck gab es ein paar Andachtsreden und einen Auftritt des Universitäts-Chors. Obwohl ich die Lieder nicht wie gefordert auswendig konnte habe ich mich den Freiwilligen angeschlossen. Es kann ja nicht schaden sich ab und zu mal für den Naturschutz einzusetzen. Besonders wenn das am ersten Wintertag des Jahres mit 5 cm Neuschnee und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt passiert. Gut, dass es da die Heißgetränke gab! Und nicht zu vergessen die absolut unglaublich schmackhaften Kekskuchenteilchen namens „Hjónabandssæla“! Das heißt übersetzt so viel wie „Glückliche Ehe“ und ist bisher mit Abstand meine isländische Lieblingsdelikatesse!
Na jedenfalls trällerten wir bei untergehender Sonne in mitten auf dem mit Schnee bedeckten Lavafeld vor rund 40 Naturliebhabern unsere Lieder. Als ich nach Hause kam und gerade den Schlüssel in die Haustür steckte blickte ich noch mal kurz nach oben. Ich hielt kurz inne und nahm als nächstes meine Beine in die Hand und rannte die Treppen nach oben. Ich schleuderte meinen Rucksack in die Ecke und schnappte mir meine Kamera um so schnell ich konnte wieder nach draußen zu kommen. Ich hab den Dreh noch nicht ganz raus mit der perfekten Einstellung um dieses atemberaubene Naturschauspiel festzuhalten, aber hier ein paar Eindrücke der tanzenden Polarlichter über den Dächern von Seltjarnanes.
Als ich durchgefroren war und beschloss zurück zum Haus zu gehen, habe ich dann noch dieses faszinierende Bild mit der Kamera festgehalten. Ich schwöre hoch und heilig kein Photohop oder dergleichen verwendet zu haben!
HALBZEIT
Die Hälfte des Semesters ist bereits rum und anstatt mich auf meine Zwischenprüfungen vorzubereiten habe ich mich dazu entschlossen einen "kleinen" Zwischenbericht für meine lieben Daheimgebliebenen zu verfassen. Die Zeit vergeht wie im Fluge und nun liegt sogar auch schon der Elternbesuch hinter mir. Wir waren viel unterwegs und haben verschiedenste Ecken des Landes erkundet. Von der Halbinsel Reykjanes, ein Stück hinein in den Norden, die Südküste entlang zum Gletscher bis hin zu einer Umrundung der Halbinsel Snaefellsness. Vier Tage lang "on the road". Glücklicherweise haben wir es immer geschafft dem Regen zu entfliehen und seit ein paar Tagen ist auch in der Hauptdtadt der "Sommer" zurück. 14 °C, blauer Himmel und Sonnenschein! Und durch die klaren kalten Nächte gibt es nun regelmäßig auch Polarlichter zu bestaunen! Ich Glückspilz kann das sogar teilweise währen ich im Bett liege. Jackpot. Aber zurück zur Reise. Ich muss ja sagen, ich habe die kitschigen Fotos mit den Sonnenuntergängen und Regenbögen immer belächelt. Aber nun weiß ich, dass diese Bilder der Realität entsprechen! Die unberührten endlosen schwarzen Sandstrände im Süden Islands sind einfach athemberaubend schön. Daneben hohe Klippen und einzigartige Felsformationen im Meer, an denen das Wasser hohe Wellen schlägt und mit der schneeweißen Gischt einen faszinierenden Kontrast zum schwarzen Untergrund bildet. Nicht weit entfernt ein Stück hinein ins Landesinnere Richtung Berge stößt man auf einmal auf die Anfänge eines riesigen schneebedeckten Gletschers. Und ein Stückchen weiter entlang der Straße ein tosender Wasserfall, der durch die reflektierdende Sonne einen langen Regenbogen zaubert. Zwischendruch immer mal wieder ein paar Schäfchen am Wegesrand, die verwundert ihre Köpfe heben, sobald ein Auto vorbei saust. Der Wind ist teilweise extrem und trotzdem wärmt die Sonne noch. Auf der Halbinsel Snaefellsnes sind wir an einem weiteren beeindruckenen Ort vorbeigekommen. Budir. Man sieht haargenau wo die Lava sich vor Jahren ihren Weg gebahnt hat und bis ins Meer floss. Drum herum rostroter Strandsand und helle Gräser, die im Wind tanzen. Dazu das tosende Meer, das wieder hohe Wellen an die Felsen der Küste schlägt. Auf dem Weg in den Norden der Halbinsel haben wir einen zweiten Versuch unternommen einen Gletscher hinauf zu fahren mit unserem Allradwagen. Leider Vergeblich. Nach einer kurzen Panikattacke, als wir im Schnee stecken blieben, hat mein Papa es gemeistert zu wenden und wir sind am Meer weiter gefahren. Ohne Schnee. Als es schon langsam dunkel wurde kamen wir an einem kleinen Hof an, der fermentierten Haifisch herstellt. Glücklicherweise waren dort zur selben Zeit zwei asiatische Touristen mit zwei Tourguides, die den ausschließlich isländisch sprechenden Besitzer des Hofes übersetzen konnten. Er zeigte uns sein Museum und das Grundstück samt ältester Holzkirche Islands! Der alte Kauz (78) schien sehr angetan von uns zu sein und erwies uns die Ehre uns das Innere der kleinen Kirche zu zeigen, was er wohl für gewöhnlich nur für große Reisengruppen tut. Im Inneren durfte nicht fotografiert werden. Den Altar schmückte ein altes Gemälde, von dem man vermutet es sein von Rembrandt oder von der Schule Rembrandts gemalt worden! Ntürlich haben wir im Museum auch ein Stück fermentierten Hai probiert! Das Zeuch riecht ehrlich gesagt schlimmer als es schmeckt. Es erinnert mich ein bisschen an rohen Speck. Man sag, es hilft bei Magenverstimmungen. Trotzalledem, nochmal muss ich das nicht haben. ;-)
Hier sieht man das hängende Haifischfleisch.
Neben "Haifisch probieren" kann ich auch "einen Vulkan besteigen" von meiner Liste streichen. Am Wegesrand begegnete uns ein uralter Krater. Das wohl windigste Erlebnis meines Lebens. Es hat uns beinahe vom Berg geweht! Da es auch keinen Zaun oder Geländer gab war das Be- und Absteigen ein sehr abenteuerliches Erlebnis!
Abenteuerlich war eigentlich ein Großteil des Urlaubs. Die Aussichtspunkte und Wege sind hier wirklich nicht besonders gut ausgeschildert und ausgebaut. Vor allem sollte man die Wetteränderungen nicht unterschätzen, die einem mit Änderung des Höhengrades begegenen. Von 14°C windstill und Sonnenschein ist man in nur wenigen Minuten mitten in meterhohen Schneebergen bei 0°C und dann wieder an der Küste bei Windstärke 10! Am letzten Tag haben wir noch ein bisschen Sonne in Reykjavik genossen. Allerdings steht der Wind zur Zeit so ungünstig, dass die giftigen Gase vom ausbrechenden Vulkan in den Westen ziehen. Man kann die graue Schicht sehr gut sehen und auch die wunderschönen feuerroten Sonnen- und Mondaufgänge kommen durch die Abgase zustande. Es wird sogar empfohlen im Haus zu bleiben bzw. Gasmasken zu tragen, wenn man starke Beschwerden feststellt. Mir geht es so weit noch gut. Hoffen wir also mal, dass diese Ausstöße bald ein Ende haben.
Impressions of Iceland in October No.3
Impressions of Iceland in October No.2
Some impressions of October in Iceland.
Varmaland, Iceland