“Verdammt es ist Silvester, ich will doch nur Raketen sehen”
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“Verdammt es ist Silvester, ich will doch nur Raketen sehen”
Warum ich Silvester liebe
“Es ist Silvester und dann ist ein neues Jahr, und dann wird alles viel viel besser als das alte bis jetzt war.” (Lumpenpack, Silvester)
In den Tagen rund um den Jahreswechsel habe ich jede Menge Silvester-Hasser getroffen. So viele, wie noch nie. “Silvester ist doch ein Tag wie jeder andere. Da ändert sich die Jahreszahl, sonst bleibt alles beim alten!”
Stimmt nicht, finde ich. Silvester ist ein Neuanfang. Allerdings keiner, bei dem alles, was war, gelöscht wird. Das alte ist noch da, und das ist toll, denn 2015 war doch großartig, und 2014 und 2013 auch und 2012 sowieso, und ich erinnere mich gerne daran.
Trotzdem, Silvester ist ein Neuanfang. Und dem wohnt ein Zauber inne. In diesen Sekunden, in denen der Himmel vom Feuerwerk erfüllt wird, sich die Menschen in den Armen liegen und sich gegenseitig nur das Beste wünschen, da spüre ich es jedes Jahr: Alles ist möglich. Es liegt in mir. Ich muss es nur hervorlocken.
Und diese Zuversicht, dieses Kribbeln, diese Freude - ich spüre sie immer noch, wenn ich um halb vier auf der Silvesterparty den letzten Tanz tanze. Wenn ich dann mit schmerzenden Füßen nach Hause gehe. Wenn ich mich ins Bett fallen lasse. Wenn ich am Neuahrsmorgen aufwache. Und manchmal, wenn es richtig gut läuft, spüre ich es sogar auch am ersten Frühlingstag. In jeder Sommernacht. Und noch mitten im November, wenn die Stadt im trüben Regen versinkt und es gar nicht mehr so lange hin ist, bis zum nächsten Silvester.
Ich glaube die, die sagen, Silvester sei eine ganz gewöhnliche Nacht, haben diesen Zauber nie gespürt. Oder ihn sofort wieder vergessen.
“Soll es das gewesen sein? Ein lauter Knall ein Blitz. Irgendjemand wirft Konfetti. Sekt wird rumgespritzt. Man liegt sich in den Armen. Man ruft ‘Frohes neues Jahr’. Dabei ist gar nicht anders, als es eben gerade war.”
“Ich will doch nur Raketen sehen.” (Lumpenpack, Silvester).
Vom Meer und von der Wüste und von der Bananenplantage
Ich war auf Reisen.
Da habe ich das Meer gesehen. Den Strand, in sandbraun, in sandschwarz.
Ich habe die Wüste gesehen. Mit ihren zerklüfteten Felsen, ihrem ausgedörrten Gesicht.
Ich habe den Dschungel gesehen, satt, grün und ungezähmt. Und mittendrin eine Bananenplantage.
Ich habe den Berg gesehen, den Vulkan, mit seinem tiefen, schwarzen Schlund. Und seine zarte Spitze, von Wolken umhüllt und mit Eis und Schnee garniert.
Ich habe die Stadt gesehen und mich in ihr verirrt. Und dann habe ich in einer Bar gesessen und einen Kaffee getrunken. Und da habe ich das Meer gesehen und die Felsen und den Strand und in der Ferne die Wüste und dahinter den Dschungel. Und über allem thronte der Berg.
Ich habe die Welt gesehen und doch habe ich noch nichts von der Welt gesehen.
Dating
Die Zeit: Nachmittags um 5.
Der Ort: Ein Café. War mein Vorschlag. Damit ich einfach gehen kann, wenn ich will.
Die Protagonisten: Ein Mann, dessen zentrale Attribute in diesem Theater wohl sind, dass er Single ist und dass er sich mit mir treffen wollte. Außerdem: Ich.
Die Handlung: Dating.
Die Hauptrolle spielt heute eindeutig der Mann. Er redet. Viel. Und laut. Das ganze Café hört mit. Er spielt Fußball. Für seine Doktorarbeit fährt er bald nach München. Dass VW bei den Abgaswerten manipuliert, hat er schon vor zwei Jahren gewusst.
Ich stelle abwechselnd höfliche Fragen und verstecke mich hinter meinem Milchkaffee. Dort denke ich nach. Über ihn. Eigentlich ist er ganz ok. Nicht unbedingt mein Traumtyp. Aber der muss ja auch erst gebacken werden, sagt meine Oma. Bleib realistisch, ermahne ich mich.
Er fragt, ob wir noch etwas bestellen sollen. Ich sage, dass ich nach Hause muss. Beim Abschied sagt er, dass er mich gern wiedersehen will. Ich lächle vorsichtig. Vielleicht sollte ich ihn tatsächlich nochmal treffen.
Nicht, weil ich es nicht ertragen könnte, ihn nicht wiederzusehen. Sondern, weil ich mir nicht sicher bin.
- Fortsetzung folgt. (Vielleicht. Er hat noch nicht angerufen.) -
Darum, und egal wie (999)
VON TOBIAS JOCHHEIM (FEAT. SPACEMAN SPIFF)
Warum eigentlich? Also … alles?
Wie bloß nicht wahnsinnig werden oder sogar ein Kind in diese Welt setzen, die voller Finanzdienstleister ist, Waffenlobbyisten, Köpfungsvideos und Menschen, die absichtlich Falschmeldungen über Vergewaltigungen durch Flüchtlinge in Umlauf bringen?
Die Antwort gibt Spaceman Spiff, der so ein Fuchs ist, dass ich ihm 594 meiner letzten 1000 Zeichen vorm Jubiläum überlasse:
„Du kamst für den Strand unter den Füßen und gingst mit Sand in den Schuhen.
(…)
Du rennst erst im Kreis und dann gegen dieses Leben aus Beton und dein Mut baut sich ein Fahrrad aus Zweifeln und fährt darauf davon.
(…)
Deine Augen sprechen Bände deine Narben ein Bücherregal doch du läufst weiter gegen Wände nur noch Wände überall.
(…)
Es kämpft sich ganz gut mit gebrochenen Armen ein gebrochener Wille schlägt dich zu Brei.
Man könnte meinen du hast deinen Willen nicht mehr dabei.
Und ich auf meiner Insel in diesem Meer aus allem was kommt doch meine Angst baut sich ein U-Boot aus Neugier und taucht darin davon.“
“Meine Angst baut sich ein U-Boot aus Neugier und taucht darin davon.” (Spaceman Spiff)
Das werde ich mir merken.
Auf dem Bürgersteig
Es gibt genau zwei Sorten von Menschen. Das ist eine Behauptung, die ich aufstelle, nachdem ich jahrelang das menschliche Verhalten auf dem Bürgersteig beobachtet habe. Womöglich ist die Behauptung falsch, aber mal angenommen: Es gibt genau zwei Sorten von Menschen. Die, die auf der Straße ausweichen, wenn ihnen jemand entgegen kommt. Und die, denen andere ausweichen.
Ob jemand ausweicht oder nicht, daraus lassen sich womöglich Rückschlüsse ziehen auf seine Persönlichkeit. (Auch das ist eine Behauptung.) Wer ausweicht, ist rücksichtsvoll. Kann sich in andere hineinversetzen. Nimmt sich selbst zurück, lässt anderen ihren Raum. Doch wer ausweicht, läuft auch Gefahr, selbst nicht zum Zug zu kommen. Sich nicht durchzusetzen, nicht den eigenen Weg zu gehen, weil er anderen den Vortritt lässt. Wer auf der Straße ausweicht, dem hat im Rest seines Lebens vielleicht jemand anderes den Traumjob vor der Nase weggeschnappt. Und den Traummann oder die Traumfrau sowieso.
Wer nicht ausweicht, zeigt eine starke Persönlichkeit. Er zieht seinen Stiefel durch, notfalls auch ohne Rücksicht auf andere. Erreicht immer seine Ziele, ohne Umwege. Wer nicht ausweicht, der ist erfolgreich im Job und erobert die Frau oder den Mann, den er will. Wer ihnen im Weg steht, wird zur Seite gedrängt - oder weicht ohnehin von sich aus bereitwillig aus.
Denn die, die ausweichen und die, die nicht ausweichen bilden oft genug ein gutes Team.
Doch wenn ich noch einmal nachdenke, fällt mir auf: Die Behauptung vom Anfang, es gebe genau zwei Sorten von Menschen, ist tatsächlich falsch. Denn es gibt noch die, die ausweichen, aber üben, es nicht mehr zu tun. Die den Blick konzentriert nach oben gerichtet halten, wenn sie sehen, dass ihnen jemand entgegen kommt. Die stur auf ihrem Weg bleiben, auch wenn sie wissen, dass die Kollision droht.
Die dann angerempelt und angemotzt werden. “Ey, pass doch auf!” Dabei hätte ja auch der andere ausweichen können.
Und ihr? Weicht ihr auf dem Bürgersteig aus, wenn euch jemand entgegen kommt?
Als ich Ryan Gosling überfuhr
Es war schon dunkel, ich war nach der Arbeit auf dem Weg nach Hause. Ich war müde vom Tag, meine Augen taten weh. Ich fuhr meine gewohnte Strecke, noch zehn Minuten bis Zuhause. Da stand er plötzlich vor mir.
Vor mir auf der Straße, nur wenige Meter entfernt. Und starrte mich an. Es war Ryan Gosling.
Ich trat mit aller Kraft auf die Bremse und schloss die Augen.
Dann spürte ich den Zusammenprall. Ein Ruck ging durch meinen Körper und das Auto, als es mit Ryan Gosling zusammenstieß. Sein Körper fiel auf die Motorhaube und rutschte dann auf die Straße. Ich sprang aus dem Auto, lief zu ihm und beugte mich über ihn. War er tot? Doch Ryan Gosling schlug die Augen auf und, nach kurzem Zögern, lächelte er mich an. Mein Herz schlug bis zum Hals. Immer lauter, immer schneller...
Ich schlug die Augen auf. Das Klopfen kam von rechts, vom Fenster auf der Beifahrerseite. Dort stand Ryan Gosling und klopfte gegen die Scheibe. Ich ließ die Scheibe herunter. “Sorry”, sagte Ryan Gosling, “ich hatte dich nicht gesehen. Nichts passiert, kannst weiterfahren.” Er winkte und ging.
Ich fuhr die Scheibe wieder hoch und fuhr nach Hause. Ich habe keinen Zweifel, dass es wirklich Ryan Gosling war. Typisch, dass ich es nicht hingekriegt habe, ihn nach seiner Telefonnummer zu fragen.
Aylan
Ich möchte etwas über Aylan schreiben. Den kleinen Jungen, dessen Körper leblos an den Strand von Bodrum gespült worden ist. Dessen Foto um die Welt geht. Dessen Vater unter Tränen davon berichtet, wie er auf der Flucht vor Krieg, Terroranschlägen, Zerstörung, Angst, auf der Reise in ein hoffentlich besseres Leben seine beiden Söhne und seine Frau verlor.
Doch mein Kopf ist leer. In meinem Hals ist ein Klos. Ich kann immer nur denken: Ich verstehe das nicht. Was auch immer ich schreibe, es wird nicht reichen.
Er war so klein, er war ein Schatz für die Welt, so wie es jedes Kind ist. Sein Bild erinnert mich an meinen Neffen. Der lernt gerade laufen und lacht mich an, wenn er nach zwei Schritten wieder hinplumpst. Die ganze Welt liegt im zu Füßen. Er hat sein ganzes Leben, er kann damit anstellen, was er will.
Ich bin sicher, Aylan wollte auch etwas anfangen mit seinem Leben. Vielleicht wusste er noch lange nicht, was genau, vielleicht einfach nur glücklich sein, vielleicht einfach nur leben. Ist das denn so viel verlangt? Doch dann kamen die Politiker, die Behörden, die besorgten Menschen in den reichen Ländern. Die sagten: “Das geht nicht, dass hier jeder einfach reinkommt in unser Land”.
Warum?
Zeitreise rückwärts
Manchmal wünschte ich, ich wäre wieder Studentin. Dann könnte ich mir meine Zeit frei einteilen. Statt jeden Tag aufs Neue ins Büro zu eilen, würde ich manchmal eine Vorlesung besuchen, manchmal zuhause seitenweise Aufsätze über Philosophie lesen. Manchmal würde ich in die Bibliothek fahren, manchmal ins Café, um mit einer Freundin den Tag zu verquatschen. Und manchmal würde ich einfach im Bett bleiben.
Manchmal wünschte ich, ich wäre wieder Studentin. Aber nicht die Studentin, die ich einmal war. Denn die war verbissen. Die wollte “es durchziehen”. Die hat nie eine Vorlesung verpasst und ständig gelernt. Die hatte während des Semesters einen Neben- und in den Semesterferien einen Vollzeitjob. Die ist auf Partys immer früh gegangen und hatte selten Zeit, um Tage im Café zu verquatschen. Der Schreibtisch rief.
Nur einmal, einmal hat sie sich getraut. Hat gelebt. Es war eine Studentenparty im Winter, auf den Straßen lag Schnee. Da hat sie getanzt bis um 5 und ist danach lachend mit ihren Freunden durch den Schnee nach Hause gestapft. Dann zwei Stunden schlafen, um 10 Uhr Vorlesung. Danach zur Arbeit. Sie war noch nie so müde. Sie war noch nie so lebendig.
Das Studium habe ich mit Auszeichnung beendet, Durchschnitt 1,4. Schon heute, nur anderthalb Jahre später, interessiert das niemanden mehr. Im Job werde ich trotzdem genauso mies bezahlt wie alle anderen, fange wie alle anderen ganz unten an. Was im Studium war, ist jetzt egal.
Was dagegen nicht egal ist, ist das Leben. Glücklich sein, das ist es, was zählt. Ich habe das spät gelernt. Spät, aber nicht zu spät. Heute stapfe ich durch den Schnee, durch den Regen, durch den Sonnenschein. Nutze jede freie Minute, um mich lebendig zu fühlen. Doch ich weiß, dass ich als Studentin viel freier war, viel mehr dieser Minuten hatte, die zum Leben da gewesen wären.
Manchmal wünschte ich, ich wäre wieder Studentin. Aber nicht die Studentin, die ich einmal war.
Jetzt wäre es natürlich von Vorteil... uns mal Dein "lovely sweetheart face" zu zeigen ... und dann das, welches Du gerade übst ☺️
Haha, guter Hinweis! Aber ich bleibe hier lieber anonym ;-)
My resting bitch face
Es passiert mir mindestens einmal pro Woche. Es passiert mir in jeder Stadt. Nicht nur in der Stadt, in der ich wohne, sondern auch in all den Städten, in denen ich vielleicht nur für einen Wochenend-Trip gelandet bin. In denen ich vielleicht nicht einmal die Sprache der Einwohner spreche. Paris, Brüssel, London. Hamburg, München, Bielefeld. Egal wo, immer fragt mich irgendwer nach dem Weg. Nur selten kann ich weiterhelfen. Mein Orientierungssinn gleicht dem eines Blumentopfes.
Seit Kurzem weiß ich, woran es liegt, dass die Leute trotzdem immer mich nach dem Weg fragen: Ich sehe so nett aus. Nicht hübsch oder klug oder attraktiv, sondern nett. So, als würde ich den Fragenden nicht anfallen, auch wenn ich gerade total spät dran bin oder einfach keine Lust habe, einem Wildfremden den Weg zu erklären. Und tatsächlich: Auch wenn ich nicht weiß, wo es lang geht, lächle ich jedes Mal freundlich, zeige mit dem Finger in eine der vier Himmelsrichtungen und sage: “Dort entlang, dann die vierte links, dann weiter geradeaus und dann die zweite rechts. Dann sind Sie schon da”. Und schicke die Leute in ihr Unglück. Mir fehlt das “resting bitch face”.
Über das Phänomen “resting bitch face” habe ich bei der Lektüre einer Frauenzeitschrift erfahren. Ich lese normalerweise ganz genau zwei Mal im Jahr eine Frauenzeitschrift, und zwar dann, wenn sie als Extra eine Shopping-Karte enthält, mit der man überall Prozente kriegt. Letzte Woche bin ich von dieser Regel abgewichen und habe mir aus der Reihe eine Frauenzeitschrift gekauft. Und ich glaube, das mache ich jetzt öfter. Da kann man echt was lernen.
Eine Betroffene schrieb über ihr “resting bitch face”. Darüber, dass sie einfach immer schlecht gelaunt ausschaut. Das kann sie gar nicht abstellen. An jedem Tag, ganz egal, wie sie wirklich gerade drauf ist, spiegelt ihr Gesicht nur Hass und Abscheu und erweckt den Einduck, sie würde augenblicklich explodieren, wenn man sie nur falsch anguckt. Die Betroffene klagte darüber, dass sie abends in der Bar nie angesprochen werde. Dass Kollegen sie nie um Hilfe bitten würden. Dass sie noch nie im Leben jemand nach dem Weg gefragt hat.
Im ersten Moment dachte ich: “Wow, mit einem ‘resting bitch face’ muss das Leben so einfach sein”. Die Frau muss bestimmt keine einzige Überstunde machen, weil sie der verschusselten Kollegin zwei Stunden lang erklärt hat, wie sie ein Bild aus einer E-Mail herunterladen kann. Sie kommt nicht zu spät zur Arbeit, weil sie dem Fremden auf der Straße den Weg erklärt hat. Oder weil sie eine Petition zur Befreiung von politisch Gefangenen - oder der Rettung des Regenwaldes - unterschrieben hat. Und abends in der Bar kann sie ihr Glas Wein trinken, ohne von einem einzigen aufdinglichen Verehrer genervt zu werden. Perfekt!
Doch die Betroffene in besagter Frauenzeitschrift beschrieb ihr “resting bitch face” als großes Leiden. Alle hielten sie fälschlicherweise für eine gemeine Zicke, niemand wolle mit ihr befreundet sein. Dabei sei sie eigentlich total nett. Da bekam ich Mitleid. Und versöhnte mich mit meinem “lovely sweetheart face” (das ist das offizielle Gegenteil eines “resting bitch face”, soeben von mir erfunden). Trotzdem trainiere ich jetzt täglich eine halbe Stunde vor dem Spiegel im Bad. Ich arbeite an einem “occasional bitch face”. Das kann ich dann an- und ausknipsen. Für den Fall, dass mich mal wieder jemand nach dem Weg fragen will.
Uneins (971)
VON VERENA BLINDOW
Eigentlich bin ich gerade ganz zufrieden. Ich habe einen Job, der mir Spaß macht. Tolle Freunde. Eine wunderschöne Wohnung ganz für mich allein. Ein schnelles Fahrrad und das Tempelhofer Feld um die Ecke. Ich freue mich über kleine Dinge, etwa einen glühenden Abendhimmel oder ein Eichhörnchen, das eine Kastanie mit sich herumschleppt, die größer ist als sein Kopf. Und trotzdem ist da diese eine große Lücke. Ich möchte mich verlieben und eine Beziehung führen und eine Familie gründen. Ganz bestimmt.
Ganz bestimmt? Sind wir mal ehrlich: Alles würde sich ändern. Wer weiß, ob ich mein Zuhause genauso genießen und meine Freundschaften genauso pflegen könnte. Wer weiß, ob der, mit dem ich zusammen wäre, das Tempelhofer Feld so lieben würde wie ich. Auf einmal würde ich darüber nachdenken, ob meine Beine glattrasiert sind und ob ich morgens frische Unterwäsche einpacken muss, weil ich nachts woanders schlafe.
Ich bin uneins mit mir selbst. Ein kleiner Wirbelwind wäre aber sicher nicht verkehrt.
mit all
mit all den innigkeiten die es mit sich bringt man selbst zu sein werde ich dein sein wenn du mich lässt wenn du mich trotzdem weiter mich sein lässt mit all den innigkeiten die es mit sich bringt man selbst zu sein
© 2015 — Freitag ist Rosa
Aus der Haut
Einmal hat mir jemand gesagt: “Man kann eben nicht aus seiner Haut”.
Ich weiß noch, wie ich damals erschrocken bin, als ich die Worte hörte. Ich dachte, das soll wohl so viel bedeuten wie: Du bist eben, wer du bist, du wirst nie etwas daran ändern können. Finde dich damit ab! Du bist eben nicht reich. Nicht schön. Nicht selbstsicher. Nicht gewitzt. Nicht geistreich. Nicht schlagfertig. Nicht mutig.
Doch diese Gedanken waren Quatsch. Ich habe eine Zeit gebraucht, genau genommen ein paar Jahre, bis ich den Satz “Man kann eben nicht aus seiner Haut” richtig verstanden habe. Es ist nichts Negatives an diesem Satz. Wenn er uns negativ erscheint, dann deshalb, weil wir ihn so verstehen. Doch tatsächlich enthält er keine Wertung. Er ist ein Feststellung.
Eine Feststellung, die Kraft gibt. Ich bin, wer ich bin. Das ist kein Problem, im Gegenteil: Es ist gut. Denn alle anderen gibt es schon.
Ich bin einzigartig. Ich bin liebenswert. Ich bin klug. Ich bin attraktiv. Ich bin herzlich. Ich bin nicht perfekt.
Und übrigens: Manchmal kann ich eben doch aus meiner Haut. Ich kann aus meiner Haut fahren. Wenn mich jemand verändern will, wenn mich jemand nicht so akzeptiert, wie ich bin. Denn ich bin gut, so wie ich bin. Genau richtig.
Lieben und lassen
Das Leben ist entweder ein verrücktes Abenteuer - oder gar nichts.
Nach Plan
Es lief alles nach Plan. Aber der Plan war halt kacke.
Wir bringen jeden Tag Ordnung in unsere Haare, warum nicht auch in unser Herz?