beforeigners, eine kleine rezension
beforeigners ist eine bislang 6-teilige norwegische hbo serie, die bis zum 12.04.21 kostenlos in der ard mediathek verfügbar ist. Staffel 2 soll schon abgedreht sein.
und da ich in der quarantäne zeit habe, habe ich mir die teile an zwei tagen angeschaut.
ich werde versuchen, hier einige möglichst spoilerfreie kommentare niederzuschreiben, kann aber nicht garantieren, dass nicht doch hinweise dabei sind, die von nachdenkenden menschen als spoiler interpretiert werden könnten. also bitte: seid gewarnt, wenn ihr euch die spannung zum fall erhalten wollt.
es geht in der serie darum, dass auf unerklärliche weise menschen aus drei anderen zeitepochen - steinzeit, wikingerzeit und 19. jhd - im wasser auftauchen und dann in die moderne gesellschaft integriert werden müssen. die hauptcharaktere sind ein polizist aus unserer zeit und eine wikingerin, die erste polizistin mit zeitmigrationshintergrund wird. es spielt in norwegen, man erfährt aber, dass es weltweite phänomene sind.
in 6 folgen kann die geschichte nur grob strukturiert aufgebaut werden; es werden sehr viele themen aufgeworfen - und kaum eines wird wirklich vertieft betrachtet. ich war nach den ersten besprechungen, die ich gelesen habe, von einem üblichen “case of the week” schema mit zeitmigranten als rahmenhandlung ausgegangen. aber die 6 folgen erzählen eine fortgesetzte ermittlung, bei der am ende auch noch fragen für staffel 2 offen sind. (wer genauer oder mehrmals hinsieht wird bemerken, dass viele kleine brotkrumen gelegt werden, die in eine nächste staffel führen - einige hängen noch mit dem fall zusammen, andere mit dem geheimnis der zeitreisewelle).
mich stört insbesondere, dass der eine protagonist mal wieder ein (skandinavienkrimitypisch) kaputter typ ist. er ist (am ende der staffel supendierter) polizist mit suchtproblem, erfolgter scheidung und einem pubertierenden kind, das alterstypische herausforderungen zwischen getrennten eltern und stiefvater-zeitmigrant aufwirft. der polizist hat eine verletzung an der hand (später auch am bein); was es mit der handverletzung auf sich hat oder obs nur eine ausrede für die sucht ist... bleibt komplett im unklaren.
über alfhildr, die wikinger-polizistin, erfährt man leider nur sehr zäh etwas mehr.
die idee der massenmigration von fremden aus der vergangenheit gefällt mir sehr (catweazle, der sich aufdrängt, war ja nur einer) die umsetzung hakt aber. und dies ist der machart - kurzstaffel mit 6 folgen - geschuldet. 4 1/2h können nur der anfang sein, um eine solch weittragende geschichte zu erzählen... der blick auf staffel 2 ist mir aber an manchen stellen zu aufdringlich und aufgesetzt. was, wenn die serie durchgefallen wäre?
die nachstehenden themen sind drin, können aber nur angerissen werden: migration, verelendung der migranten, diskriminierung, kulturelle missverständnisse bis hin zu konflikten, christlicher fundamentalismus, nationalismus, incels und inländischer terrorismus, sucht durch eigentlich legale substanzen, rache, aber auch: krebserkrankung.
es ist zu viel nebenhandlung in der kurzen zeit, so dass vieles nur gestreift wird - dh es wird einmalig thema, bleibt im kopf, aber... fortsetzung folgt dann wohl erst ab folge 7. eine idee ploppt auf, wird dargestellt... und dann gehts schon weiter. dabei gibts einen handlungsstrang, der für die gesamthandlung (aber auch die ihn betreffende figur) komplett unwichtig ist: man hätte einiges an zeit für die anderen figuren verwenden können, wenn man davon abgesehen hätte, einen der (neben)charaktere mit einer krebsdiagnose zu belasten. hier gilt aber: würde die zeitmigration krebs verursachen, hätte es wiederum einen dramaturgischen sinn (wäre dann aber das problem der auf spätere staffeln vertagten ideen, die nur angerissen werden). ansonsten war es vergeudete sendezeit.
was dramaturgie und casting angeht: nachdem ich am ende von folge 6 angekommen bin und jmd verhaftet wurde, musste ich feststellen, dass ich mit einer vermutung recht hatte, die ich schon in folge 1 hatte. insofern war für mich ein puzzleteil der auflösung zu offensichtlich.
mit krista kosonen eine finnin als wikingerin in einer norwegischen serie zu besetzen... nun, das ist halt so. kosonen musste für die serie aber erst noch zwei sprachen lernen: das ausgedachte altnordische, und norwegisch. und da ist mein problem, nämlich mein eindruck. sie spielt reserviert, sparsam im ausdruck... das kann konzentration sein, oder langeweile. nur passt dieses spiel nicht zu ihrer andererseits so forschen und effektiven polizeiarbeit.
ich muss leider zugeben, dass beide hauptdarstellerInnen mich nicht überzeugt haben. ich bekomme keinen bezug zu ihnen. mit den nebencharakteren ergeht es mir ähnlich. so richtig kommen die emotionen bei mir nicht mit.
auf der seite der guten gibts (nur) einen todesfall... und der ist so vorhersehbar, dass das an dieser stelle nicht einmal ein spoiler wäre, wenn ich schreiben würde, wer’s ist.
und dann gibt’s natürlich das problem, dass zeitreisegeschichten immer haben: die zeitreiselogik und das zeitreiseparadox, denn: fehlen all die menschen in der vergangenheit nicht? und was ist mit den berühmten figuren, die in den geschichtsbüchern stehen? hier ist es zb tore hund, vielleicht auch andere. wenn er in unserer zeit ist, dann kann er ja in seiner nicht mehr vollenden, was in den geschichtsbüchern steht.
staffel 2 kommt, vielleicht auch noch weitere. die idee bietet potential für eine durchaus auch sehr lange serie. dann können auch die charaktere fortgeschrieben werden. da ich jedoch normalerweise kein fan von serien mit einer durchgehenden handlung bin... muss ich abwägen, ob ich der serie treu bleiben werde. da sind dann staffeln mit nur 6 episoden ein vorteil, denn es kostet nicht tage, sie zu schauen, und nicht lebensjahre, um (am ende sinnlose) fantheorien zu entwickeln.
in schulnoten bekäme die serie von mir eine 2- (wenn ich positiv werte, dass es eben der anfang einer längeren serie ist), die darsteller allerdings durch die bank eine 3-