Alles geht zu Ende und nun?
Reich gefüllte acht Tage liegen nun hinter uns: Zahlreiche Begegnungen mit Verantwortlichen, Ausbildungsleitungen und Teams vor Ort sowie unendliche Diskussionen über Kirchenentwicklung in unseren Bistümern, die beim Frühstück um 07:30 Uhr begannen und um 22:00 Uhr beim Bier im Pub noch lange nicht abgeschlossen waren. Wir haben vielfältig und auch kontrovers die Themen diskutiert, immer kundig begleitet durch Pfarrerin Dr. Sabrina Müller, Zürich. Sie stand uns sowohl bei Übersetzungsdetails (Vorsicht!: evangelical = evangelisch oder evangelikal / community = Gemeinde oder Gemeinschaft ...) als auch bei detaillierten Nachfragen zur Situation der anglikanischen Kirche mit ihrem unerschöpflichen Wissen und Erfahrungen zur Verfügung. Ihre Beziehungen machten die vielen intensiven Begegnungen mit den Vertreterinnen und Vertretern der anglikanischen Kirche erst möglich. Vielen Dank! (Sie ist auch Autorin zahlreicher Aufsätze in diesem Bereich - einfach googeln!)
Ohne den Leiter des TPI in Mainz, Dr. Christoph Rüdesheim, wäre jedoch die Reise nicht zustande gekommen. Hier haben wir für die reibungslose Organisation und den fachlichen Input ebenso herzlich Danke zu sagen!
Zunächst den Eindruck, dass wie in Freiburg auch in Trier, Speyer, Limburg, Mainz und St.Gallen der Bedarf an neuen Antworten und Austausch über die Situation im Themenfeld Kirchenentwicklung wächst, bei allen Unterschieden, die vor Ort bestehen. Es ist ein neuer Teil eines Netzwerkes entstanden und erste Verabredungen für gemeinsame interdiözesane Initiativen getroffen worden, wissend dass es auch immer gilt, die Daheimgebliebenen von den Ideen zu überzeugen.
In der Schlussreflexion wurde deutlich, dass es zunächst sehr schwer fällt aus der Menge der Impulse, die herauszufiltern, die weitertragen. Aber erste Tendenzen sind sichtbar: Die klare missionarische Ausrichtung der anglikanischen Kirche und ihrer z.T. sehr unterschiedlichen Gemeinden. Es geht um Wachstum in der Christusbeziehung und in der Anzahl der Personen. Dies bei einem Bewusstsein, dass auch die Kirche “sinken” kann (Pfarrerin Tracey: Die Kirche habe sie an die Titanic erinnert, auch von dieser glaubte man, dass sie unsinkbar ist, bis der Eisberg kam - unser Eisberg ist die Postmoderne). Aus dieser Einsicht folgt jedoch nicht jammern sondern eine positive Haltung, die neue Initiativen für neue Gemeinden entstehen lässt. Man würde die Impulse aber unsachlich verkürzen, wenn man sie als Kirchenwachstumsprogramme versteht, sondern die Menschen stehen im Mittelpunkt. Es beindruckte, die in Theorie und Praxis immer wieder erlebbare eindeutige Orientierung am Kontext. Inkulturation wird hier ernst genommen. Dabei ist man gegenseitig nicht unkritisch, doch geprägt durch die anglikanische Tradition, die unterschiedliche Richtungen schon lange unter einem Dach vereint, kann die Vielfalt gut nebeneinander bestehen. Lange werden aber die Menschen, denen wir begegnet sind, in Erinnerung bleiben: Es ging ihnen nicht um einen Job, sondern es ist ihr Leben. Sie sind wirkliche “burning people”, von der Botschaft des Evangeliums und ihres Auftrages erfüllt.
Fragen, die bleiben, seien kurz angerissen: Unsere Pfarreien bestehen in der Regel nicht aus einer handvoll Menschen, sondern die Gruppen, die sich bei uns versammeln, sind viel größer. Wie können hier neue Gemeinden gefördert werden? Müssen wir auch erst quasi die Klippe herabstürzen oder mit dem Eisberg eine erste Kollision haben, um zu einer missionarischen Ausrichtung zu kommen? Wie lässt sich diese Art der Gemeindebildung ermöglichen, die zunächst mit Beziehungsaufbau mit den Menschen vor Ort beginnt - angsichts unserer großen pastoralen Räumen? Was bedeutet das Erlebte für die Gewinnung und die Ausbildung zukünftiger pastoraler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Wie müssen wir unsere pastorale Arbeit organisieren, dass das Feuer, das zu Beginn auch bei uns durchaus lebendig brennt, erhalten bleibt und immer wieder Nahrung erhält? Wie erreichen wir eine neue Vielfalt in der Art unserer Gottesdienstfeiern und unserer spirituellen Ausdrucksformen? Wie kann es gelingen, dass wir unseren Glauben nicht nur still bei uns tragen, sondern auch bekennen ohne wie frömmelnde Eiferer zu wirken? Welche Sprache benötigen wir?
Neue Bilder sind in uns entstanden, bei mancher Frage ahnen wir die Antwortmöglichkeiten ohne den konkreten Weg zu kennen. Wir werden an den Themen weiterarbeiten und laden alle ein, uns zu fragen nach unseren FreshX - Erfahrungen. Wir berichten gerne und möchten die Impulse, die wir erhalten haben, teilen, damit auch bei uns Wachstum möglich wird.