Nur für's Protokoll (Gabriele und Elisabeth)
Samstag, 28. Dezember, 17.20 Uhr Ortszeit Salvador: 28, gefühlt 31 Grad.
Zum Thema Heimflug: es geht uns am bum bum...
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Nur für's Protokoll (Gabriele und Elisabeth)
Samstag, 28. Dezember, 17.20 Uhr Ortszeit Salvador: 28, gefühlt 31 Grad.
Zum Thema Heimflug: es geht uns am bum bum...
Was wir (nicht) vermissen werden
Gabriele:
VERMISSEN
§ das Licht im Cerrado in der Dämmerung
§ die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen
§ Freitagabende am Markt von Santa Maria da Vitória
§ Baden im Fluss
§ abenteuerliche Fahrten auf unwegsamen Straßen
§ unendliche Weiten
§ Umarmungen
§ Live-Konzerte auf der Straße
§ Pferdekutschen und Reiter in den Straßen
§ stundenlange Busfahrten, bei denen man die Landschaft in sich aufsaugen kann
§ Besuche der Quilombos und Comunidades
§ Frühstück mit pão com requeijão in der Vaquejada-Bar am Markt von Correntina
§ Mittagessen bei Valmira
§ Kaffeetrinken am Praça Jacaré
§ suco de caju und alle anderen frischen sucos
§ pão de queijo
§ Cachaça als remédio
NICHT VERMISSEN
§ das unglaublich dünne WC-Papier
§ komische schwarze Käfer, die mich anpinkeln und verätzen
§ Moskito-Stiche
§ übermotivierte Hähne um 4 Uhr morgens
§ Autofahrten mit Pe. Albanir
§ extrem süßer Kaffee
§ x-faches Nachfragen, bis man eine Mini-Info verstanden hat
Elisabeth:
Was ich vermissen werde
- neu gewonnene Freund/innen und viele Menschen, die ich kennenlernen durfte
- Mango, Ananas, Papaya, Maracuja, Acerola und viele andere Früchte
- Sundowner mit Gabriele (= mit Caipi)
- dass Menschen nach dem Evangelium klatschen, weil sie sich über das Wort Gottes freuen
- Offenheit und Herzlichkeit der Menschen
- Offene Türen, nicht nur sprichwörtlich
- Einige Wörter: infelizmente, todopoderoso, flexibilidade, e aí, und andere mehr
- Die absolute Entspanntheit der Menschen
- Dass die Wäsche nach spätestens 1,5 Stunden trocken ist
- Umarmungen
- Die Sonne am morgen
- Die Ungezwungenheit der Menschen
- Dass alle gleich sind (es gibt keinen Titelwahn)
Was ich nicht vermissen werde
-Angst vor Spinnen (zum Glück KEINE gesehen!)
- Käfer, die nach dem Regen zu Hunderten auftauchen (es hat trotzdem viel zu selten geregnet)
- Autos mit megalauten Werbeankündigungen
- übermotivierte Hähne zu allen Tages- und Nachtzeiten
- das Gefühl, völlig blöd zu sein, wenn ich nach zwei Monaten nach „Brot“ frage und nur verständnislose Blicke ernte (gilt auch für Bier und Zigaretten – es muss wohl an der Aussprache liegen, die Wörter kann ich schon)
- Kaffee mit viel zu viel Zucker
Weihnachten in Bom Jesus da Lapa (Elisabeth)
Für mich war Weihnachten heuer etwas ganz besonderes. Der Hauptgrund war natürlich, dass ich in Brasilien feiern konnte, aber es war ehrlich gesagt auch ganz wunderbar, die Festtage einmal ganz ohne Verantwortung zu verbringen und mich nur auf’s Feiern konzentrieren zu können.
Am 24. Dezember ging ich mit Mara von der Umweltpastoral und ihrer Familie zuerst zum Weihnachtsmusical und dann zur Vigil-Feier (vergleichbar mit unserer Christmette, allerdings viel früher) um 20.00 Uhr.
Das Musical war ein Krippenspiel, das besondere daran war, dass die Darsteller/innen alles Erwachsene waren. Lustig fand ich den Auftritt der Heiligen Drei Könige.
Stille Nacht durfte natürlich nicht fehlen.
Danach feierten wir die Messe mit. Die Darsteller/innen des Musicals waren auch hier wieder im Einsatz.
Zum Gloria brachten Maria und Josef das Jesuskind feierlich in die Kirche und legten es in die Krippe.
Auch mein Lieblingsweihnachtslied wurde zur Gabenbereitung gesungen.
Nach der Messe wurde das Jesuskind in einer feierlichen Prozession zur Krippe gebracht, die auf dem Vorplatz des Heiligtums steht.
Dort gab es eine Gruppe, die einen Reisado aufführte. Das sind Sänger/innen, Musiker/innen und Tänzer/innen, die normalerweise durch die Straßen gehen, singen und tanzen und die Geburt des Messias verkündigen. Diese alte Tradition kommt aus Portugal und wird in Bahia vor allem in ländlichen Gemeinden noch gepflegt.
Am Platz trafen wir natürlich noch einige Bekannte, und dann fuhren wir zur Familie von Peterson. Wir trafen uns im Haus einer seiner Tanten. Nach einem wunderschönen Gebet startete das Abendessen so ca. um 23.00 Uhr. Es war alles ganz ungezwungen und herzlich.
Am Christtag feierten wir die Messe am Vormittag in der Grotte von Bethlehem mit. Hier ist ganzjährige eine Krippe aufgestellt. Es waren nicht viele Meschen da, und es war eine schlichte und berührende Feier.
Danach ging es zu einer anderen Tante von Peterson, wo sich wieder die ganze Familie zum Mittagessen versammelte. Ich wurde wieder herzlichst aufgenommen, und es war ein sehr angenehmer und ruhiger Nachmittag. Es begann dann auch endlich ein wenig zu regnen - ein kleines Weihnachtswunder :)
Feliz Natal!
Wir wünschen allen unseren Leser/innen frohe Weihnachten!
Aconteceu que, naqueles dias, César Augusto publicou um decreto, ordenando o recenseamento de toda a terra. Esse primeiro recenseamento foi feito quando Quirino era governador da Síria. Todos iam registrar-se cada um na sua cidade natal. Por ser da família e descendência de Davi, José subiu da cidade de Nazaré, na Galileia, até a cidade de Davi, chamada Belém, na Judeia, para registrar-se com Maria, sua esposa, que estava grávida. Enquanto estavam em Belém, completaram-se os dias para o parto, e Maria deu à luz o seu filho primogênito. Ela o enfaixou e o colocou na manjedoura, pois não havia lugar para eles na hospedaria. Naquela região havia pastores que passavam a noite nos campos, tomando conta do seu rebanho. Um anjo do Senhor apareceu aos pastores, a glória do Senhor os envolveu em luz, e eles ficaram com muito medo. O anjo, porém, disse aos pastores: “Não tenhais medo! Eu vos anuncio uma grande alegria, que o será para todo o povo: Hoje, na cidade de Davi, nasceu para vós um Salvador, que é o Cristo Senhor. Isto vos servirá de sinal: Encontrareis um recém-nascido envolvido em faixas e deitado numa manjedoura”. E, de repente, juntou-se ao anjo uma multidão da coorte celeste. Cantavam louvores a Deus, dizendo: “Glória a Deus no mais alto dos céus, e paz na terra aos homens por ele amados”.
Bom Jesus da Lapa (Elisabeth)
Zwei Monate lang war ein Zimmer bei den Barmherzigen Schwestern in Bom Jesus da Lapa sozusagen mein head quarter :) Hierher bin ich nach diversen Pfarrbesuchen oder Besuchen mit der CPT immer zurück nach Hause gekommen. Die Schwestern haben mich sehr lieb aufgenommen und ich fühle mich hier ausgesprochen wohl.
Bom Jesus da Lapa ist eine Stadt mit fast 70.000 Einwohner/innen und liegt am Rio São Francisco. Der Rio São Francisco ist ein 3199 km langer Fluss, der im Süden von Minas Gerais entspringt und durch die Bundesstaaten Bahia, Sergipe, Pernambuco und Alagoas in Richtung Südatlantik fließt.
Der Name der Stadt bedeutet “Der gute Jesus von der Felsenhöhle”. Die Stadt entstand Ende des 17. Jahrhunderts, als der Einsiedler Francisco de Mendonça Mar sich in einer der Grotten am Rio São Francisco niederließ.
Der wichtigste Wirtschaftszweig hier ist die Beherbergung der vielen Pilger/innen, gefolgt von Fischerei und Handel.
Seit 1962 ist Bom Jesus da Lapa Sitz des gleichnamigen Bistums. An der Kathedrale, dem Bischofssitz, wird seit 16 Jahren gebaut, aber aufgrund von Geldmangel ist kein Ende in Sicht.
Bom Jesus da Lapa ist keine wirklich schöne Stadt. Es gibt sehr viele arme Menschen hier, die eher am Rand wohnen. Für mich hat es aber trotzdem einen gewissen Charme.
Zur Geschichte des Heiligtums (Santuario) von Bom Jesus da Lapa:
Francisco de Mendonça Mar war ein portugiesischer Goldschmied und nahm den Auftrag an, die Wände des neuen Palastes des Gouverneurs in Salvador zu schmücken. Als er seine Arbeit beendet hatte, wollte der Gouverneur ihn aber nicht bezahlen und ließ ihn ins Gefängnis werfen. Dort schmiedete Francisco Rachepläne. Diese begrub er allerdings nach seiner Freilassung und wurde Einsiedler. Er fand in der Nähe des Rio São Francisco ein Bild des Guten Jesus und der Schmerzensmutter und ließ sich hier nieder. Er begann sich um die Kranken und Obdachlosen zu kümmern. 1705 wurde er zum Priester geweiht. 1722 starb er und wurde in einer der Höhlen begraben. Innerhalb weniger Jahre wurde Bom Jesus da Lapa zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte Brasiliens.
Santa Maria da Vitória (Gabriele)
Ich möchte euch heute die Stadt kurz vorstellen, die 10 Wochen meine Heimat war.
Santa Maria da Vitória (abgekürzt Samavi) hat ca. 40.200 EinwohnerInnen (Stand 2010) und liegt am linken Rand des Rio Corrente, der durch eine Brücke und einen Fußweg mit der Stadt São Félix do Coribe verbunden ist. Samavi liegt 866 km von Salvador und 220 km von Barreiras entfernt.
Die Geschichte der Gemeinde beginnt im Jahr 1792 mit dem Kommen des portugiesischen Adligen André Affonso de Oliveira. Er erwarb Land am Ufer an einem Fluss mit klarem Wasser, der bald den Namen Corrente erhielt.
Die Stadt erhielt ihren Namen aufgrund der Verehrung ihres Gründers André Affonso de Oliveira. Andrew war ein Anhänger der Muttergottes des Sieges und er brachte ein Bild des Heiligen direkt aus seinem Land in die Hauptkirche der Stadt. Am 26. Juni 1909 erhielt Santa Maria da Vitória den Status einer Stadt.
Zentrum der Stadt ist der Praça do Jacaré, der zurzeit üppig weihnachtlich in die Farben weiß und blau gehüllt ist. Hier finden Gesundheitsmessen, Ausstellungen und jeden Donnerstagabend Tanzveranstaltungen statt.
Sexta-feira war mein liebster Tag. Ein kurzer Spaziergang über die Brücke und man ist in São Félix do Coribe, wo jeden Freitag ein Mart stattfindet. Es wird Bingo gespielt oder es gibt Live-Musik. Bauern verkaufen ihre ökologisch angebauten Produkte und an unzähligen Ständen gibt es Mandioca- und Fischsuppe, gegrillte und gekochte Maiskolben, sowie alle möglichen Fleischarten am Grill. Man muss aufpassen, wo man sich hinsetzt, sonst wird man von den Rauchschwaden der vielen Grillstationen selbst geräuchert.
Baden im Fluss am Sonntag ist ein Erlebnis, das man sich hier nicht entgehen lassen soll!
Experimentar ist ein Wort, das für mich eine ganz neue Bedeutung bekommen hat. Ausprobieren ist hier die Devise. Ob es Fisch in allen Varianten ist, oder frittierte Wachtel-Stückchen, Escondidinho unterschiedlich zusammengestellt, die traditionelle Buchada (vergleichbar mit unserer Klachelsuppe) oder Lingua recheada (gefüllte Rindszunge). Nicht zu vergessen sind die Açai-Köstlichkeiten. Alles ausprobieren kann ich nur empfehlen!
Die Stadt hat Charme und ich freue mich jetzt schon auf ein Wiedersehen!
Final stop - Jaborandi (Elisabeth)
Am Mittwoch habe ich mich um 05.30 Uhr (bin mittlerweile Frühaufsteherin aus Leidernschaft) mit dem örtlichen Bummelbus von Feira da Mata nach Cocos aufgemacht, um von dort weiter nach Jaborandi zu fahren.
Dona Rita hat mich wieder abgeholt, ich bekam ein tolles Frühstück bei ihr. Dann gingen wir in das Pfarrhaus zu Padre Jocelio. Anstatt dann mit dem Bus weiterzufahren, wurde ich mit dem Auto nach Jaborandi gebracht :)
Die Renovierung der Kirche in Cocos ist schon sehr weit fortgeschritten, gerade werden die Malereien fertig gestellt. Am 11. Jänner wird die neue Kirche feierlich geweiht!
In Jaborandi verbrachte ich den Vormittag im Pfarrhaus bei Padre Marino. Dann holte mich Maryvan, eine Verantwortliche der Katechet/innen ab und ich durfte mit ihr ihren letzten Arbeitstag als Mathematiklehrerin in der Schule feiern.
Am Abend feierte ich zwei Novenen mit, wo sich die Menschen bei jemandem zu Hause treffen, um sich auf Weihnachten vorzubereiten. Heuer treffen sie sich bewusst bei Menschen, die alt, einsam oder krank sind. Ich war sehr berührt vom tiefen Glauben dieser Menschen. Hier ist das Thema der Geburt des Erlösers ganz stark mit dem Thema Wasser verknüpft. In Jaborandi und Umgebung hat es schon viel zu lange nicht geregnet, die Menschen können fast nichts mehr anpflanzen, weil alles vertrocknet.
Nach den Gebeten fand noch eine Sitzung statt, bei der es um die Frage ging, ob die Kirche renoviert werden soll, oder ob es klüger ist, gleich einen Neubau zu wagen.
Ich lernte die kleine Stadt ein wenig kennen, ca. 3000 Menschen wohnen hier. Maryvan war eine wundervolle Gastgeberin.
Sie hat mir ihre Fazenda gezeigt, und ich habe die beste Ananas meines Lebens essen dürfen.
Wir waren auch am Fluss, am Rio Formoso, der wunderschön ist.
Da es hier im Advent viel ruhiger ist, gab es dann auch keine weiteren Veranstaltungen mehr, die ich besuchen konnte. Aber ich bin dankbar für die Ruhe im Advent, die ich hier für mich gefunden habe, auch wenn es rundum schon jetzt wegen der Feiertage immer wieder ziemlich laut wird. Die Menschen feiern auf den Straßen und Plätzen... immerhin musste ich noch nie “Last Christmas” hören :)
Gestern Abend brachte mich Padre Marino nach Bom Jesus da Lapa zurück.
Reunião do projeto Cerrativismo (Gabriele)
Quarta-feira, 18.12.2019
Meine erste reunião fand am 26.10. in Correntina gemeinsam mit Samuel statt und meine letzte ebenfalls. Ein schöner Abschluss!
Geleitet wurde die Versammlung von Silvana von der ISPN (Instituto sociedade, população e natureza) aus Brasilia und anwesend waren VertreterInnen von:
- MMUC (Movimento de Mulheres Unidas na Caminhada) - CPT (Comissão Pastoral da Terra) - 10envolvimento - MAB (Movimento dos Atingidos por Barragens) - Coletivo dos Fundos e Fechos de Pasto - EFA (Escola Família Agrícola) - Gewerkschaften und Vereine
Das Programm Cerratevismo verfolgt die Absicht, die Zivilgesellschaft im Kampf zur Rettung des Cerrado zu sensibilisieren und zu stärken. Gewerkschaften, Vereine, Schulen und andere Organisationen sollen geschult werden, um sich besser für die Rettung des Cerrado einsetzen zu können. Die Ausbildung ist zum größten Teil auf Jugendliche ausgerichtet, die in weiterer Folge als Multiplikatoren wirken sollen.
Das Ausbildungsprogramm wird von der CEPF (Critical Ecosystem Partnership Fund) finanziert. Es handelt sich dabei um eine Nichtregierungsorganisation, die technische und finanzielle Unterstützung bietet, um kritische Ökosysteme zu schützen.
Es werden Spezialisten / Consultants eingesetzt, die zuerst herausfinden, wie die einzelnen Einrichtungen bereits arbeiten und danach Verbesserungsvorschläge und Hilfestellungen weitergeben.
Am Nachmittag wurden Kriterien festgelegt, nach denen Organisationen ausgesucht werden, damit sie an diesem Ausbildungsprogramm teilnehmen können.
Mauricio von der AATR (Associação de Advogados/as de Trabalhadores/as Rurais) in Salvador berichtet über die Entwicklung der großen Landkonflikte Rio Grande und Rio Corrente.
Es wurde auch über einen Plan der gesprochen, der regeln soll, wie viel Wasser der Flüsse für die Landwirtschaft genutzt werden darf. Ein ambitionierter Plan der Regierung, der an eine private Organisation ausgelagert wurde. Ob er jemals Realität wird, steht in den Sternen.
Ich wünsche den TeilnehmerInnen vom Programm Cerratevismo viel Ausdauer, Kraft und Erfolg!
Feira da Mata - Sternsingen im Advent (Elisabeth)
Am Samstag, 14.12., machte ich mich mit dem Bus von Bom Jesus da Lapa nach Cocos auf (vier Stunden Fahrzeit für 200 km).
Dort angekommen wartete ich darauf, dass mich jemand abholt. Nach ein paar Minuten kam eine nette Dame, die mich mit zu sich nach Hause nahm. Dort warteten wir auf Padre Junior, der mich abholte und mit nach Feira da Mata nahm. Wieder mal eine Vertrauensübung bestanden :)
Am Sonntag machten wir zu Mittag einen kurzen Ausflug in den Nachbarbundesstaat Minas Gerais, wo wir uns mit Padre Willian trafen (ihn hatte ich ihn Carinhanha kennengelernt). Der Aufenthalt in Minas war allerdings von kurzer Dauer, da wir zum Essen zum Rio Itaguari fuhren, der in Bahia liegt :) Es gab Galinha caipira, eine Spezialität in Bahia, bei dem alles vom Hendl verwertet wird, so finden sich im Kochtopf auch die Füße und natürlich das Herz.
Auf der Heimfahrt blieben wir kurz bei einem Bauern stehen, Padre Junior “erntete” einige Kokosblätter und wir tranken Kaffee. Wofür er die Kokosblätter brauchte, wurde mir klar, als wir in die Kirche gingen. Eine halbfertige Krippe stand da. Nach ein paar Minuten war sie fertig gedeckt und alle Bewohner/innen durften einziehen (vielleicht wurde auch deshalb bei der Abendmesse schon “Stille Nacht” gesungen?).
Am Abend wurde zu Beginn der Messe die Weihnachtsnovene eröffnet. Neun Tage lang beten viele Menschen in ganz Brasilien die Novene als Vorbereitung auf Weihnachten. In den ländlichen Gemeinden treffen sie sich auch oft zu Hause.
Die Pequenos Reis Magos, wie die Stersinger/innen hier heißen, sind feierlich in die Kirche eingezogen und wurden am Ende der Messe speziell von Padre Junior gesegnet.
Am Montag fuhren wir am Nachmittag in die Comunidade Ramalho, wo ich bereits die Firmung mitfeiern durfte. Wir waren ca. eine Stunde lang unterwegs. Dort angekommen zogen sich die Kinder um, die Gruppen wurden relativ entspannt eingeteilt und daraufhin noch, wer in welche Straße geht. Dann ging es auch schon los – Sternsingen bei 35 Grad war echt spannend.
Spannend war aber auch, dass es sich bis auf die Temperaturen und die großen Gruppen (wir waren 6 Kinder und 6 Begleiterinnen) nicht wesentlich vom Sternsingen in Österreich unterscheidet. Es war sehr berührend für mich, dass uns ein älterer Mann erklärte, dass er dieses Monat keine Rente bekommen hätte, aber er möchte trotzdem Kinder in noch ärmeren Ländern unterstützen.
Am Schluss wurden alle noch königlich bewirtet und wir fuhren mit dem Bus wieder nach Feira da Mata.
Am Dienstag gingen wir etwas später los, weil es noch heißer war. Diesmal waren wir direkt in Feira da Mata unterwegs. Hidazelia, die Organisatorin der Sternsingeraktion, macht viel in der Pfarre und kennt fast jede/n. Das erleichtert auch die Aufnahme der Sternsinger/innen. Umwelttechnisch nicht vorbildlich habe ich Aufkleber unserer Sternsingeraktion in Österreich mitgebracht, über die sie sich sehr gefreut haben. So klebt nun der Haussegen aus Österreich in vielen Häusern von Feira da Mata.
Das Abschlussdokument der Amazonien-Synode gibt es nun auch auf Deutsch. Ich habe es noch nicht gelesen, aber allein die Überschriften, in denen das Wort “Umkehr” vorkommt, lassen hoffen!
Staudammprojekt | Santa Luzia (Gabriele und Elisabeth)
Am 10.12. besuchten wir die Comunidade Palmeiral, die ca. 45 km von Barreiras entfernt liegt. In diesem Gebiet soll ein Staudamm-Projekt „Santa Luzia“ realisiert werden.
Es ist geplant, den Rio Grande mit einer ca. 25 m hohen Staumauer aufzustauen und ein Stromkraftwerk zu errichten. Dabei wird extrem viel Land geflutet, und die Weide- und Anbauflächen der Bauern werden damit zerstört.
Die ökologischen Folgen bei einem Bau eines Wasserstaukraftwerks sind enorm. Nicht nur der natürliche Wasserlauf wird gestört, sondern auch die natürlichen Lebensräume von Pflanzen und Tieren. Weiters wird die Wasserqualität stark beeinträchtigt und es kommt durch das Aufstauen des Wassers zu einer höheren Verdunstung als bei Fließwasser.
Eine weitere Folge ist, dass die in West-Bahia traditionell und seit Generationen an den Flussufern lebenden Familien (ribeirinhos) und Kleinbauern ihren Lebensraum verlieren. Diese Familien haben für ihr Land zum Teil keine Besitztitel und Dokumente (meist nur ein ersessenes Landrecht) und daher werden diese sehr billig vom Staat abgelöst. Die Familien sind gezwungen, sich einen neuen Lebensmittelpunkt sowie Weide- und Anbaufläche zu suchen.
In Bahia befinden sich zurzeit mehr als 30 Wasserkraftwerke (PCHE - pequena centrais hidra eléctricas) bei der Regierung von Bahia in einem Bewilligungsverfahren. Drei Stufen der Bewilligung sind für die Errichtung und die Betreibung eines Wasserkraftwerks notwendig:
1. vorläufige Bewilligung für die Studie der Bodenbeschaffenheit 2. Baubewilligung 3. Betriebsbewilligung
In Santa Luzia wurde vor kurzem publik, dass bereits die ersten beiden Bewilligungen für das Staudamm-Projekt vorliegen. Die BewohnerInnen sind stark verunsichert, weil sie schlecht informiert werden und nicht wissen, wo sie künftig leben sollen. Weiters kommt die große Angst vor einem Dammbruch dazu, wie es sich in Minas Gerais erst im letzten Jahr ereignet hat.
Eine eigene Organisation, die MAB (movimento dos atingidos por barragens), unterstützt die Kleinbauern in ihrem Kampf um ihre Rechte.
In West-Bahia entspringen die wichtigsten Zuflüsse für den Rio São Francisco. Es fehlt bereits jetzt Wasser in den Flüssen für die vorhandenen Wasserkraftwerke und es müssen immer wieder die Turbinen abgestellt werden. Die Sinnfrage nach einem weiteren Wasserkraftwerk stellt sich somit nicht.
West-Bahia soll primär als Wasserlieferant und nicht als Hauptlieferant von Strom und Soja gelten.
Wir wünschen den ribeirinhos viel Glück und Erfolg im Kampf um ihre Rechte!
(GH)
Lagoa Azul | São Desidério (Gabriele und Elisabeth)
São Desidério liegt 27 km von Barreiras entfernt und beheimatet einen überwältigenden Platz: die Lagoa Azul. Ein Naturschutzgebiet, welches man nur mit einem Guide und festem Schuhwerk besuchen kann.
Die Tour beginnt mit einem Pfad, der zum Aussichtspunkt der Lagoa führt, wo man einen wunderbaren Blick auf die außergewöhnliche Schönheit bekommt. Der Weg führt weiter bergab – wir mussten durch eine kleine Höhle klettern – zur imposanten Catão-Höhle, die aus Kalksteinfelsen besteht und von einem kleinen Fluss durchzogen wird.
Wir waren fasziniert von der Schönheit und Einzigartigkeit der Landschaft, Felsformationen und Vegetation. Was uns besonders auffiel war die Tatsache, dass kein Müll herum lag. Es war wirklich der erste Platz in Brasilien, der nicht von Plastikflaschen, leeren Chips-Sackerl und Bierdosen verschandelt war.
Danach besuchten wir noch einen weiteren außergewöhnlichen Ort. Auf Felsen wurden vor nicht allzu langer Zeit indianische Felsmalereien entdeckt, die geschätzt 2.000 Jahre alt sein sollen.
(GH)
Santa Luzia (Elisabeth)
Die Heilige Luzia ist eine italienische Märtyrerin aus dem frühen 4. Jahrhundert. Sie hatte ein Leben in Keuschheit gelobt, sollte aber verheiratet werden. Als ihre Mutter schwer erkrankte, pilgerte Luzia zum Grab der heiligen Agatha. Die Mutter wurde geheilt, erkannte dies als Wunder und erlaubte Luzia, ihre Verlobung zu lösen. Sie kümmerte sich um die Armen und brachte ihnen Lebensmittel. Damit sie die Hände dafür frei hatte, trug sie einen Lichterkranz am Kopf. Als ihr verschmähter Bräutigam davon erfuhr, zeigte er sie als Christin an. Luzia erlitt ein grauenvolles Martyrium. Besonders gefeiert wird sie in Schweden, Italien und - wie ich seit letzten Freitag weiß - in Brasilien :)
In Bom Jesus da Lapa wurde am die Heilige Luzia am 13.Dezember gefeiert. Es gab eine Prozession mit Tausenden Menschen. Treffpunkt war bei einer kleinen Kirche, die der heiligen Luzia geweiht ist. Von dort ging es mit brennenden Kerzen und unterstützt durch laute Musik aus dem mitfahrenden Auto sowie von der Musikkapelle Bom Jesus da Lapa Richtung Kathedrale. Dort feierten wir die Messe mit Bischof Dom João.
(Sorry für die schlechte Videoqualität!)
Die Messe wurde im Freien gefeiert, es hätten wahrscheinlich nicht alle Menschen Platz in der riesengroßen Kathedrale gehabt. Seit 16 Jahren wird an der Kirche gebaut, und aufgrund von mangelnden Ressourcen ist ein Ende wohl nicht so schnell absehbar.
Der Bischof ging in seiner Predigt darauf ein, dass die heilige Luzia die Fürsprecherin bei Augenkrankheiten sei, aber dass uns auch helfen könne, unsere innere Blindheit und die blinden Flecken in unserem Leben zu überwinden.
Bei den zahlreichen Bedankungen am Ende der Messe fand ich es sehr berührend, dass es Augenärzt/innen und Optiker/innen gibt, die aus Anlass des Festes der heiligen Luzia gratis Untersuchungen anbieten bzw. gratis Brillen verschenken. Dafür werden sie natürlich namentlich genannt und die Anzahl ihrer wohltätigen Dienste wird ebenfalls genannt :)
Die lange Geschichte des Agrobusiness
Martin Mayr erzählte uns auch einiges über die Geschichte des Agrobusiness sowie die Auswirkungen auf das Leben der Menschen hier:
Ab 1500 sind Portugiesen, Spanier, Engländer und Holländer in Brasilien eingefallen. Im Vertrag von Tordesillas wurde Südamerika zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt – Brasilien fiel Portugal zu. Zunächst wurde das heute geschützte und vom Aussterben bedrohte Brasilholz exportiert, das dem Land seinen Namen gab. Der Atlantikurwald ist ein völlig anderes Biom als der Amazonas und weist die größte Artenvielfalt weltweit auf. Weiters wurde Zuckerrohr angebaut, und indianische Bewohner wurden als Sklaven missbraucht. Sie galten allerdings als widerspenstig und ungeschickt und viele sind gestorben. Ende des 16. Jahrhunderts begann die Sklavenwirtschaft zu blühen. Das Land gehörte lange der Krone, allerdings wurden Vasallen damit beliehen. Das war der Urspung des Großgrundbesitzes in Brasilien. Es gab die Auflage, einen gewissen Teil der Einnahmen an die Krone zurückzugeben. Bald wurde Kaffee angebaut, der viel Wasser und Licht braucht, gleichzeitig aber auch Schatten. Auch Kakao wurde angebaut. Man drang immer weiter Richtung Westen vor, die Flüsse entlang, wo es auch viele Viehherden gab. Die indigene Bevölkerung wurde dabei immer weiter verdrängt. Für die harte Arbeit wurden Sklaven gebraucht; heute wohnen viele Schwarze als Nachkommen von Sklaven in quilombos (Fliehdörfer). Bald kamen auch vermehrt Händler und Missionare nach Brasilien und es kam zur Vermischung der Kulturen, auch mit Soldaten, die desertiert waren.
In West-Bahia war nur das Tiefland genutzt worden, im Cerrado bzw. den Gerais gab es nur vereinzelte Gemeinschaften. Indianer, die hier lebten, wurden von den Küstenindianern wegen ihrer primitiven Kultur verachtet. Es kam immer wieder zu ethnischen Differenzen und Auseinandersetzungen. Ab dem 18. Jahrhundert gab es in der Tiefebene Viehzucht, es wurden Baumwolle und Rizinus angebaut, sowie Mais, Reis, Bohnen und Maniok. Bis in die 1960er und 1970er Jahre war West-Bahia vergessenes Hinterland, wo es nur ein paar Großgrundbesitzer gab. Es wurde auch das Land jenseits des Rio São Francisco genannt. Es wurde viel Rindvieh verkauf, Baumwolle, Zuckerrohr und Zuckerziegel.
1944 bauten die US in Barreiras einen Flughafen als Stützpunkt zum Auftanken ihrer Flugzeuge. Gleichzeitig zeigten sie so ihre strategische Präsenz in Süd-Amerika. Das ebene Gebiet des Cerrado wurde landwirtschaftlich für unbrauchbar geahlten. Ende der 1960er Jahre führten Japaner eine Studie zur Ernährungssicherheit durch. Sie fanden heraus, dass der Boden des Cerrado sehr basisch ist. Das kann durch eine Zufuhr von Kalk korrigiert werden. Wenn auch noch Phosphat hinzugefügt wird, ist der Boden nutzbar. Der Boden ist eben, leicht zu roden, es gibt viel Licht und in der Regenzeit viel Niederschlag (bis vor einigen Jahren war das noch so), und es gibt geringe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Man kann also gut Soja, Reis und Mais anbauen.
Die große Frage war nun, wem das Land eigentlich gehört. Grundsätzlich gehörte fast alles dem Staat. Nun kamen grileiros (betrügerische Landdiebe) auf die Idee, das Land als Privatbesitz eintragen zu lassen, das heißt, sie stehen im Grundbuch, natürlich mit gefälschten Dokumenten. Der Staat hat dabei einfach zugeschaut. Die größte Ironie ist wohl, dass die grileiros das Land nicht bewirtschaften, sondern dass sie es verkaufen wollen: und zwar an geschäftstüchtige Menschen, die Intensivlandwirtschaft betreiben. Damit ging auch die sogenannte „Grüne Revolution“ einher: eine intensive Landnutzung mit Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden. Man wollte mit der Kleinproduktion aufhören, weil diese nicht erschwinglich und nicht einträglich sei.
Ein kleines Rechenbeispiel: Ein Kleinbauer kann auf einem ha Land 80 Säcke Mais produzieren. 20 Säcke bleiben ihm als Gewinn. Bei einem Landbesitz von 10 ha erwirtschaftet er damit pro Monat 800 Reais (der Mindestlohn in Brasilien liegt bei ca. 900 Reais). Wenn jemand allerdings 1ooo ha Mais anbaut, dann liegt der Gewinn bei 800.000 Reais. Außerdem kann er wahrscheinlich die Produktion auf 85 oder sogar 90 Säcke Mais steigern. Ab einer gewissen Fläche kippt das System dann zwar wieder ein wenig, aber es ist klar, dass sich mehr erwirtschaften lässt, je größer die Fläche ist.
Die „Grüne Revolution“ wurde von der Regierung unterstützt. Daher kamen viele Kleinbauern aus Süd-Brasilien nach West-Bahia. Allerdings waren die Bedingungen sehr schlecht, es gab keine Straßen, keine Versorgnung mit Wasser oder Strom, einfach keine Infrastruktur. Der Kauf von Maschinen, Düngemitteln und Defensivmitteln wurde gefördert. Im Cerrado wurden viele Wälder gerodet und Monokulturen angebaut – der Soja-Boom hatte begonnen. Brasilien hat die größten Flächen für den Sonja-Anbau weltweit. Baumwolle ist wertmäßig vorne. Die riesigen Monokulturen sind allerdings sehr krankheitsanfällig. Die Landräuber bekämpfen sich auch untereinander. Eine Reaktion von seiten der Kirche war die Bildung von Gewerkschaften. Mit der Agrarreform wurde brachliegendes Land im öffentlichen Interesse abgelöst, der Staat zahlt an die Großgrundbesitzer. Viele ließen sich daraufhin ablösen, weil sie damit mehr Geld machen konnten als am Markt. In der Folge wurden Kleinbauer dort angesiedelt. Wenn das Land dann erschlossen ist, es eine Infrastruktur gibt, dann bekommen die Bauern einen Besitztitel und müssen das erworbene Land billig abbezahlen.
Die Konsequenzen des Agrobusiness:
Es handelt sich um Hochleistungswirtschaft, es wird viel exportiert, Arbeitsplätze werden geschaffen, es gibt Ernährungssicherheit, die Kaufkraft steigt,
Allerdings verbessern sich die Lebensumstände nicht; die sozialen Verbesserungen im Schatten des Agrobusiness sind gering
Es wird nur der Konsum besser, aber wenn jemand krank ist, muss er zum Privatarzt, weil nur dort wirklich gute medizinische Versorgung gewährleistet ist
Mit der Bildung verhält es sich ähnlich.
Anstelle des Cerrado wurde ein Agrosystem eingepflanzt, das eine hohe Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten zur Folge hat; viele sind gefährdet.
Es passiert ein ständiger Eingriff auf den Wasserhaushalt; es gibt im Westen an der Oberfläche, wo Flüsse entspringen, kleine Quellen; dieser Unterwasserspeicher hat aber immer weniger Kraft, um an die Oberfläche zu gelangen, es regnet auch weniger und so kommt der natürliche Wasserkreislauf immer mehr aus dem Gleichgewicht.
Zwischen 2003 und 2016 hat sich im Hinterland sehr viel geändert: es gibt Strom, Straßen und Sozialprogramme. Die Familien bekommen eine Grundversorgung, die Bedingung dafür ist, dass die Kinder in die Schule gehen.
Mit den Folgen des Agrobusiness und Sojabooms befasst sich ua. auch die Aktion Gerecht leben - Fleisch fasten!
Den Film von Thomas Bauer und Welthaus “Soja - der Fleisch gewordene Wahnsinn” gibt’s hier zum Anschauen:
Martin Mayr - Ein Mann mit Geschichte
Montag, 9. bis Donnerstag, 12. Dezember verbrachten Gabriele und ich in Barreiras und besuchten Martin Mayr. Wir lernten ihn auf der Brasilienreise 2018 kennen, als er in einigen Comunidades für uns dolmetschte.
Hier findet Ihr ein Portrait über ihn:
Im Jahr 1977 feierte das Stift Kremsmünster in Oberösterreich das 2200-Jahr-Jubiläum. Zu dieser Zeit beschlossen die Benediktiner, in die Mission zu gehen. Damals gab es im Stift noch über 100 Mönche; sie alle standen unter dem Einfluss des Zweiten Vatikanischen Konzils, bei dem viele Fenster (auch zur Weltkirche) geöffnet wurden. Tatsächlich gab es mehrere Optionen und Anfragen einiger Länder, wie z.B. Uganda, Korea und auch Brasilien. So machten sich drei Mönche in die Diözese Barra auf. Allerdings war die Vorbereitung schlecht, und es hielt sich kaum einer von denen, die nach Brasilien aufgebrochen waren. Es war Anfang der 70er Jahre auch noch eine schwierige Zeit, die Militärdiktatur herrschte, es kam immer wieder zu Verhaftungen. Ein Teil des Konvents in Kremsmünster erklärte das Projekt der Mission für gescheitert, ein anderer Teil meinte „jetzt erst recht“. Also kamen wieder drei nach Brasilien, einer davon ein gewisser Richard Weberberger. Er wurde 1939 in Oberösterreich geboren und trat 1958 in das Stift Kremsmünster ein. Ab 1974 war ihm die Pfarre Barreiras in Bahia anvertraut. 1979 wurde schließlich die Diözese Barreiras gegründet und Dom Ricardo Weberberger war der 1. Bischof. Er verstarb 2010 an den Folgen einer Krebserkrankung und ist in Kremsmünster begraben. Aus dieser Verbindung entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit zwischen Oberösterreich und Barreiras. Viele Einrichtungen unterstützten das Projekt (Dreikönigsaktion, Katholische Männerbewegung, Katholische Frauenbewegung, Missionsverkehrsarbeitsgemeinschaft, Landesregierung).
Martin Mayr maturierte 1980 in Kremsmünster und verspürte eine priesterliche Berufung, allerdings wollte er nicht in das Stift eintreten.
Zunächst kam er zum Bundesheer, überlegte, ob er Wirtschaft studieren oder doch Tierarzt werden sollte. Letztlich entschied er sich für Lehramt Theologie und Germanistik. Während des ersten Studienabschnitts engagierte er sich in der Obdachlosenarbeit mit P. Sporschill, arbeitete an der Jesuitenzeitschrift mit und engagierte sich in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich. Nach dem Tod seines Vaters 1986 durchlebte er eine Krise, wusste nicht, was er mit seinem Leben anfangen sollte. Inzwischen war P. Gerhard nach 10 Jahren Aufenthalt in Brasilien wieder nach Österreich zurückgekehrt. Allerdings ging er wieder nach Brasilien und fragte Martin, ob er nicht für ein zweijähriges Praktikum mitkommen würde. P. Gerhard wollte bei sehr armen Leuten eine benediktinische Zelle gründen. Günther Schönleitner, ein Schulkollege von Martin, der als Jurist beruflich erfolgreich war, schloss sich ihnen an. Martin Mayr und Günther Schönleitner wurden Oblaten des Heiligen Benedikt (ein 3. Orden für Laien). Über den Österreichischen Entwicklungsdienst konnten sie als Entwicklungshelfer ein Visum beantragen. Dazu gab es auch einen Vorbereitungskurs. Ein besonders spannendes Projekt dieses Kurses war, dass die Teilnehmer z.B. eine Woche in Stinatz verbringen mussten, ein kleiner Ort im Burgenland, in dem damals viele Flüchtlinge wohnten. Ihre Aufgabe war es, eine Woche lang „eine fremde Welt“ zu beobachten und ihre Beobachtungen am Ende der Woche mit den Bewohner/innen des Ortes zu teilen.
Privat wurde es spannend für Martin, denn zwei Wochen vor Abreise verlobte er sich mit seiner Freundin. Das war auch der Grund dafür, dass er nach Monaten seinen Brasilienaufenthalt fast abgebrochen hätte; allerdings wurde die Verlobung gelöst.
Bischof Ricardo lehnte das Projekt mit der benediktinischen Zelle ab. So kam Martin nach Angical, ein Agrarreformgebiet in der Nähe von Barreiras. Es gefiel ihm sehr gut, auch das private Glück stellte sich ein, er lernte Lu kennen und 1993 wurde Camilla, die erste Tochter, geboren. Von Mai 1992 bis Oktober 1994 lebte die Familie in Österreich, kam dann aber wieder zurück nach Brasilien. 1995 wurde geheiratet und Martin arbeitete von 1996 bis 1999 wieder in Österreich in der Zentrale des Österreichischen Entwicklungsdienstes. Nach einiger Zeit verspürte er aber wieder die Sehnsucht nach einem Einsatz. Es hätte Nicaragua werden sollen, allerdings kündigte sich das zweite Baby an. Bischof Ricardo bat Martin, wieder nach Barreiras zu kommen. Seine nächste Station war Cotegipe, eine Hinterlandgemeinde, wo es viele Landstreitigkeiten und Umweltprobleme gab. Schließlich wurde die Nichtregierungsorganisation 10envolvimento (Entwicklung) gegründet. Es ging ab 2006 immer wieder um die Themen Wasser, Ressourcen und das Agrobusiness. Die Arbeit von 10envolvimento ist ähnlich der CPT in der Diözese Bom Jesus da Lapa, nur dass in Barreiras die Dimensionen wesentlich größer sind. Es gab immer wieder einmal Überlegungen, wegzugehen und nach Österreich zurückzukehren, aber 2012 entschied die Familie sich zu bleiben. Ihre Kinder, inzwischen sind es vier, sollten sich allerdings in beiden Kulturen bewegen können. Die beiden erwachsenen Töchter studieren inzwischen in Wien. Seit 2002 ist Martin Mayr auch ständiger Diakon. Im Rahmen dieses Dienstes besucht er regelmäßig Gefangene in Barreiras und feiert Taufen und Hochzeiten. Immer noch findet er Zeit für Bibelkreise mit Kleinbauern. Seine Arbeit ist im Laufe der Jahre nicht weniger herausfordernd geworden. Viele Menschen kennen ihn, was nicht ganz ungefährlich ist, da sich Martin Mayr für das Wohl der bedrohten Bauern einsetzt.
Lieber Martin: vielen Dank für die Einblicke in Dein Leben und alles Gute und viel Kraft weiterhin!
“Generationen im Gerais” heißt der Film, bei dem Martin Mayr Regie führte:
Correntina - ganz im Zeichen von Padre André (Gabriele und Elisabeth)
Am Dienstag, 3. 12., brachte mich Iara von der CPT mit dem Auto nach Correntina (eine Beschreibung der Stadt findet sich in einem Blogeintrag von Gabriele). Dort wurde ich von Padre Albanir freundlich empfangen und durfte mein Zimmer im Pfarrhaus beziehen.
Am 8. Dezember fanden die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Pe. André Frans Bérénos statt. In Vorbereitung darauf wurde eine Novene gefeiert, jeweils um 19.30 Uhr. Gastzelebranten waren unter anderem Dom Josafa (bisheriger Bischof der Diözese Barreiras, ab 15. Dezember Erzbischof der Erzdiözese Vitoria da Conquista), Pe. Heber aus Carinhanha, Pe. Nilson, der Pastoralverantwortliche für die Diözese Bom Jesus da Lapa und Pe. Rosivaldo von den Redemptoristen im Santuario in Bom Jesus. Die Gottesdienste in der Pfarrkirche Nossa Senhora da gloria wurden immer von einer bestimmten Gruppe vorbereitet, auch Schüler/innen einer Schule für Kinder mit besonderen Bedürfnissen nahmen einmal teil. Mich berührt es immer besonders, welch großen Stellenwert das Wort Gottes hier in den Gottesdiensten einnimmt.
Am Sonntag war dann der große Tag. Die Statue von Padre André wurde feierlich enthüllt. Nach einer Prozession in die Kirche der Heiligen Familie wurde eine Festmesse mit Dom João gefeiert. Dort gab es auch immer wieder Rückblicke auf das Leben von Padre André. Da es in der Nacht sehr viel geregnet hatte, konnten leider die Menschen aus den ländlichen Gemeinschaften großteils nicht mitfeiern, weil die Straßen aufgrund des Regens nicht passierbar waren.
Padre André Frans Bérénos wurde am 7. April 1919 in Paramaribo, Surinam, geboren. Er setzte sich sehr für die Unabhängigkeit seines Landes ein (Surinam wurde allerdings erst 1975 unabhängig von den Niederlanden). Im Alter von 30 Jahren kam er nach Brasilien und wurde am 8.12. 1955 von Dom Muniz zum Priester geweiht. Ein halbes Jahr später kam er nach Correntina (gehörte damals zur Diözese Barra do Rio Grande). Er war auch für die Pfarren Santa Maria da Vitoria, Coribe, Cocos und Carinhanha zuständig. Zunächst hatte Pe. André es nicht leicht in Correntina, weil er schwarz war. Doch er bemühte sich sehr um die Menschen, die es zu dieser Zeit sehr schwer hatten. Es gab wenig Infrastruktur und sehr viel Armut. Pe. André baute unglaublich viel auf: als erstes eine Entbindungsklinik, dann folgten Schulen, ein Altersheim, eine Gewerkschaft, eine Gruppe für Gesundheitspastoral und vieles mehr. Padre André verstarb am 1. September 2006. Correntina und seine Bewohner/innen bewahren ihm auf jeden Fall ein ehrendes Andenken.
Am Donnerstag waren wir gemeinsam in der Comunidade Branjo Verde, den Bericht dazu gibt’s bereits.
Mit Padre Albanir besuchte ich in Correntina auch den Abrigo, das Altersheim. Es gibt Platz für 20 Personen, zurzeit wohnen 18 ältere Menschen dort. Die älteste Bewohnerin ist 100 Jahre alt. Sie werden auch von den Schwestern (Töchter unserer Frau von Fatima) betreut.
Ich lernte den Radiosender - Radio Caricia kennen - den Padre Albanir mit großem Einsatz betreut und durfte gleich ein Live-Interview geben, zum Teil auf Deutsch :)
Am Freitag Abend war ich beim einem Taufvorbereitungskurs dabei. Dieser wird von Ehrenamtlichen und Schwester Clelia gehalten. Zunächst ging es eher um das Sakrament der Ehe, dann wurde über die Bedeutung der Symbole der Taufe gesprochen. Interessant fand ich, dass das weiße Kleid hier nicht als Symbol gilt. Die Bedingungen des Kurses haben mich ehrlich gesagt abgeschreckt. Es sollte um 19.00 Uhr beginnen (in Brasilien beginnt nie etwas pünktlich, außer vielleicht das Mittagessen), der Start war dann gegen 19.30 Uhr. Um 20.45 Uhr gab es eine Kaffeepause und ging dann noch bis ca. 22.00 Uhr. Ich frage mich, wie aufnahmefähig die Leute am Freitag Abend noch sind. Es gibt auch keine Kinderbetreuung, sodass ein ziemlicher Lärmpegel im Saal war.
Nach einem guten Frühstück am Markt durfte ich am Samstag eine Taufe mitfeiern. Das war sehr spannend, weil das kleinste Kind ungefähr 2,5 Jahre alt war, die nächstältere war 8 und dann noch ein 16jähriges Mädchen (die beiden älteren trugen interessanterweise weiß).
Gabriele und ich verbrachten auch ein paar nette Stunden am Rio Corrente, der die Stadt prägt.
Nicht, dass wir auf die Idee gekommen wären, aber an Sonn- und Feiertagen ist es verboten, Wäsche und andere Gegenstände im Fluss zu waschen!
Einen sehr lustigen Abend hatten wir mit Padre Albanir und Julita, besonders ihre Versuche, deutsche Wörter zu lernen, haben uns alle sehr erheitert (man muss ja vielleicht nicht in der ersten Stunde das Wort “Nasennebenhöhlen” lernen... ).
EF
Sonntagsblatt - Eine Steirerin zu Gast in Brasilien
Auch das Sonntagsblatt, die Kirchenzeitung der Diözese Graz-Seckau, berichtet über unsere Diözesanpartnerschaft :)