Gedanken nach einem Gespräch in einem Kunstseminar zum Thema “Gender Trouble im Kunstunterricht” (ca. 6 Personen)
Ich stehe kurz vor der Praxis: Schulalltag, unterrichten, Stunden konzipieren, Kunst vermitteln. Ist die Frage nach Gleichberechtigung zum Thema Gender nun nicht mehr relevant? Ist das Thema zu theoretisch für den Schulalltag? In der Uni werden meine Wünsche, das Thema Genderproblematiken im Kunstunterricht zu vertiefen, abgetan. Stattdessen lernen wir eine Stundensequenz zu schreiben.
„Im Kunstunterricht gibt es keine Probleme, das ist alles nicht mehr aktuell. Immer diese Feministinnen“ (Dozent_in)
Was soll denn das?! Geht Unterricht nicht tiefer als nur die Stoffvermittlung? Den Kopf ausschalten, die Meinung der anderen übernehmen und alles ganz unkompliziert machen. Ach ja... Differenzierungen zum Thema Sprache machen den Lesefluss ja auch unnötig kompliziert...
„Getrennter Sportunterricht nach Jungen und Mädchen ist sinnvoll. Das sieht man ja schon an den Bewertungskriterien bei den Bundesjugendspielen. Diese sind ja auch nach Jungen und Mädchen unterteilt und die körperlichen Unterschiede müssen zwangsläufig zur Differenzierung der Geschlechter führen.“ (Jan*)
Oh Mann, ich bin so frustriert! So eine Lehrkraft möchte ich nicht sein! Es wird sicherlich viele Hürden geben und es werden einige Probleme und Ängste auf mich zukommen, wenn ich vor 30 Schülern alleine stehe. Doch meinen Ansporn differenziert zu handeln und etwas zu verändern möchte ich behalten. Eine Unterstützung dafür hätte ich mir auch von Seiten der Uni gewünscht. Vor allem begleitend für den Eintritt in den Schulalltag. Veränderungen sind nicht immer bequem. Aber Mensch: Es geht hier um mehr, als meine eigene Bequemlichkeit! Ich soll mich anpassen? Verfügbar sei. Für die Schule von 08-22 Uhr? - ihr könnt mich mal! Die Lust in diesem System zu arbeiten vergeht mir schon wieder völlig. Hinter welchem Mond lebt ihr denn, dass ihr einfach so akzeptiert, dass es nur Mann und Frau gibt. Ein Kommentar war auch:
„In Deutschland gibt es nun einmal Artikel. DER DIE DAS, das kann man nicht einfach verändern.“ (Sonja*)
Aha, also ist “das Mädchen” ein Ding. Mit dem Alter wird's sich aber dann verwachsen, was? Dann sagen wir “die Frau”, “der Mann” - super, wir haben es geschafft!
Und dann lachst du auch noch herzlich, während du erzählst:
„meine Oma hätte gern ein N-Kind, die sind so süß.“ (Sonja*)
So ein Gespräch habe ich lange nicht erlebt! In einem Universitätsseminar hätte ich solche rassistischen Äußerungen, die teilweise so zusammenhangslos, unüberlegt und aus der Luft gegriffen sind, nicht erwartet. Ich muss zugeben, dass ich recht „neu“ bin auf diesem Gebiet. Obwohl... immerhin lebe ich seit 26 Jahren in dieser Gesellschaft, in meinem Körper und mit einem Kopf, der mir das selbst denken ermöglicht!
Selbst denken... das scheint nicht das Ding für Jede_n zu sein.
*Die Namen der Personen, die ich zitiert habe, wurden geändert. lp














