Neulich wurde ich gefragt, weshlab ich so intensiv Sport mache; ob ich ein bestimmtes Ziel verfolge oder was mich sonst antreibt.
Eigentlich habe ich darüber nicht lange nachgedacht. „Weil ich es kann“, war meine Antwort. Und weil es mir Spass macht. Herauszufinden, wo meine Grenzen sind, ob ich noch mehr kann. Immer wieder. Das ist wohl meine Motivation. Und die Belohnung sind die Kommentare und Likes in den sozialen Netzwerken und von meinen Freunden. Ruhm und Ehre.
Angefangen hat es vor 4 Jahren, als ich zum ersten Mal 5km gelaufen bin. Da war mein erstes Ziel, den Kilometer in 5 Minuten zu schaffen. Mit der Nike Running App auf dem Handy und der Musik im Ohr versuchte ich, den Kilometer in 5 Minuten zu laufen. Ich dachte nicht darüber nach, ob es schnell oder langsam war – mir erschienen die 5 Minuten einfach eine „schöne Runde Zeit“. Nach einigen Läufen draussen und damals noch im Fitness Studio auf dem Laufband verlängerte ich dann meine Runde auf 7km. Das kam mir schon ewig lange vor und ich war anfangs völlig fertig.
Und doch plante ich bereits, die nächsten Runden auf 10, 11, 12km auszuweiten. Also weiter durch den Wald bis an den See, dann durch die Stadt und zurück ins Quartier nach Hause. So ging es immer weiter. Dann kam plötzlich der Reiz dazu, in andere Wälder zu laufen und einige Rampen hinaufzuspringen. Auf einmal lief ich 15Kilometer als gemütlichen Sonntagslauf – mit 150-250 Höhenmetern.
Dann kam die grosse Frage, ob ich es denn hinkriegen würde, 42.2km zu laufen. Das muss doch machbar sein, schliesslich habe ich ja bei Null angefangen! Und so lief ich ein Jahr später nach durchgeplantem 16 Wochen-Training meinen ersten Marathon und damit meinen ersten Wettkampf in stattlichen 3h26min!
Ich fühlte mich danach unbesiegbar, googelte nach den härtesten und speziellsten Läufen, las vom Marathon des Sables, dem North Pole Marathon und dem Ultra Trail du Mont Blanc. „Das würde ich dir noch zutrauen“, meinte meine Freundin nur, als sie mir kurz über die Schulter blickte und die Webseite vom North Pole Marathon sah.
Natürlich war nicht der Marathon am Nordpol mein nächstes Ziel, schon gar nicht der Marathon des Sables – allein die Vorstellung, über 80km mit Sand in den Schuhen zu laufen, liessen meine Füsse bluten.
Dennoch suchte ich bereits nach weiteren Herausforderungen. Am liebsten wäre ich am nächsten Wochenende wieder an einem Lauf angetreten. Manche würden sagen, ich wurde vom Wettkampffieber gepackt.
Weil ich sowieso gerne meine freie Zeit in den Bergen verbrachte und auch wegen dem Zusammenhang mit meiner Arbeit entschied ich, mich zum Mountainman in Melchsee Frutt anzumelden. Mein nächstes Projekt stand also und die Zwischensaison im Winter verbrachte ich mit ersten Erfahrungen im Skitourenrennen („Jetzt hat’s dich völlig gepackt, was?“). So ging es also immer weiter, testen was drin liegt, wie viel Umfang an intensiven Trainingseinheiten ich vertrage und wann wohl endlich mal der berüchtigte „Mann mit dem Hammer“ zuschlagen würde. Diesen habe ich bis heute nämlich noch nicht getroffen.
Über weitere Bergläufe, Ultraläufe und Duathlons kam langsam der Punkt, an dem es in mir nach mehr schreite. Nach der Couple-Teilnahme am Gigathlon hörte ich meine innere Stimme flüstern „ob du das auch alleine kannst?“ – die grösste Hürde war da das Schwimmen. Bisher konnte ich mich knapp über Wasser halten und ging lieber baden als schwimmen. Das war eigentlich auch der Grund, warum Triathlon nie und nimmer in Frage gekommen wäre. Doch die Stimme in mir gab nicht nach und ich verfolgte über verschiedene YouTube Channels einige Schwimmstunden und machte mich mal vorsichtig an die Arbeit. Als ich 100m Kraulen konnte, versuchte ich mich im offenen Wasser – natürlich mit total unbehaglichem Gefühl. Trotzdem meldete ich mich für den Sempachersee Triathlon an und schwamm von den 500m knapp 450m in Brust.
Doch es ging und ich wusste, mit etwas Zeit, eventuell Kraulkursen usw. würde ich auch das nächste Hindernis überwinden und kann mich zum Gigathlon 2017 als Single Man andmelden.
Da stand ich nun. 4 Wochen vor dem Start. 60km Laufen, 6km Schwimmen, 100km Biken, 200km Rennrad. Auf zwei Tage verteilt. Bin ich bereit dazu? Habe ich richtig trainiert? Macht der Kopf mit?
Diese Fragen stelle ich mir nicht. Ich habe mich vorbereitet und ich kann das tun.
Was kommt danach? Welches verrückte Projekt heckst du bereits aus? Mir schweben Ideen einer Ironman Reise vor und Teilnahmen an grossen Etappenrennen wie das Perskindol Swiss Epic. Kann ich nach 4km Schwimmen und 180km Radfahren noch einen Marathon laufen? Vielleicht. Wir werden sehen.
Also, verfolge ich nun ein bestimmtes Ziel? Eigentlich nur Saisonal. Dieses Jahr war es der Gigathlon, nächstes Jahr vielleicht ein Ironman. Vielleicht geht es mir grundsätzlich nur darum, mehr zu machen als bisher. Immer ein neues Projekt angeln und durchziehen. Aber hauptsächlich tue ich es einfach des Könnens wegen. Ich bin jetzt fit und kann das jetzt tun. Darum mache ich es. Ich muss nicht nach Hawaii und ich möchte auch nicht Rennradprofi sein. Mir bereitet es einfach Freude, vor grossem Publikum eine grosse Leistung zu bringen, ohne dabei im Mittelpunkt zu stehen und ohne Druck von Sponsoren oder Partnern.